DFB-Präsident Fritz Keller
DFB-Präsident Fritz Keller Foto: picture alliance / Sven Simon
Politisierung des Fußballs

DFB: Ein Sportverband im Sog der Political Correctness

Daß die Funktionärsebene des Deutschen Fußballbundes (DFB) ein Bollwerk politischer Korrektheit bildet, ist nicht neu. Seine gesellschaftliche Bedeutung kann kaum überschätzt werden. Mit über sieben Millionen Mitgliedern wird er zum perfekten Erfüllungsgehilfen bundesdeutscher Funktionseliten, wenn es darum geht, die neue Staatsraison aus „Klimagerechtigkeit“, „Antirassismus“ und Genderfeminismus im Volk zu verbreiten.

Dies mag die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bewogen haben, mit DFB-Präsident Fritz Keller ein langes Interview zu führen. Keller, der als südbadischer Winzer und Gastronom in der Champions League spielt – unter anderem wurde er mit dem begehrten Michelin-Stern ausgezeichnet −, fand über den Bundesligisten SC Freiburg zum Fußball. Dort wurde er 1994 Marketingvorstand und später Vereinspräsident. 2019 wechselte er an die DFB-Spitze.

Im Interview lieferte Gourmet-Gastronom Keller genau die Kost, die einem grünen Juste Milieu ausgezeichnet schmeckt. „Altes Denken aus dem DFB rausbekommen“, lautet seine Maxime. Wiederholt sprach der DFB-Präsident die „Werte“ des Verbandes an. Die Worte „nachhaltig“ beziehungsweise „Nachhaltigkeit“ kamen ihm zehnmal über die Lippen. „Die Nationalelf“, so Keller, „nimmt ihre soziale und gesellschaftliche Verantwortung sehr wohl wahr.“ Volle Wirkung werde sie entfalten, wenn sie „wieder vor Zuschauerinnen und Zuschauern spielt“.

Übliche linksgrüne Inhalte

In stromlinienförmiger Politikermanier lobte Keller angeblich positive Entwicklungen des Damenfußballs: „Die Gleichstellung läßt sich auch im Fußball nicht mehr verdrängen.“ Kurioserweise scheint hier Druck aus der Wirtschaft zu kommen. Laut Keller machen Unternehmen ihre Bereitschaft zum Sponsoring von massiver Frauenförderung abhängig. Ist ihnen egal, daß sie selber durch Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze an die Kette gelegt werden? Welche Firmen oder Konzerne mögen hier an der Front stehen?

Ausführlich sprach der DFB-Präsident über „antirassistische“ Sportlerproteste. Seine zustimmende Haltung begründete er mit Paragraf 4 Nr. 2 d der DFB-Satzung: „Zweck des DFB ist die Förderung des Sports … durch die Vermittlung von Werten im und durch den Fußballsport, unter besonderer Berücksichtigung der Förderung von Integration und Vielfalt sowie der Verhinderung und Beseitigung von Diskriminierung, insbesondere im Hinblick auf die soziale oder ethnische Herkunft oder eine behauptete ‘Rasse’, den Glauben, das Alter, das Geschlecht, die sexuelle Identität oder eine Behinderung.“

Ebenso gut hätte Keller auf Nr. 1 („Unsere Verantwortung“) und Nr. 2 („Unsere Werte“) im sogenannten Ethik-Kodex oder auf  Paragraf 9 Nr. 2 Rechts- und Verfahrensordnung („Diskriminierung und ähnliche Tatbestände“) verweisen können. Weite Teile des üppigen DFB-Verbandsrechts lesen sich wie Blaupausen aus den Programmen und Verlautbarungen von SPD, Linkspartei und Grünen.

DFB-Präsident hat ein Herz für „Black Lives Matter“-Proteste

DFB-Vorschriften, aus denen sich ein Verbot „antirassistischer“ Aktionen ableiten läßt, unterschlug Keller wohlweislich − beispielsweise auch Paragraf 9 Nr. 1 Rechts- und Verfahrensordnung: „Eines unsportlichen Verhaltens … macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch … oder provokativ beleidigend verhält“.

Den FAZ-Journalisten antwortete er, die Spielerproteste hätten sich „gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt und einen tiefsitzenden Rassismus in der Gesellschaft und nur indirekt gegen Trump“ gerichtet. Daß die ultralinke „Black Lives Matter“-Bewegung (BLM), Stichwortgeber dieser Aktionen, staatliche Transformationen bis hin zur De-facto-Diskriminierung nicht-schwarzer Bürger anstrebt, ist dem DFB-Präsidenten wohl entgangen.

Deutlicher sind Sätze eines früheren Weggefährten von Keller. SC-Freiburg-Trainer Christian Streich, temperamentvoller Meinungskrieger im sportpolitischen Anti-Rechts-Kampf, lobte die Proteste im SWR-Interview  als „unabdingbar“. In den USA seien „Menschen an der Macht, gegen die man natürlich aufstehen muß, weil das Leben von ganz vielen Menschen bedroht ist − sowohl corona-mäßig als auch, was du für eine Hautfarbe hast. … Es geht gar nicht anders.“

Daß es sehr wohl anders geht, sei Streich ins Stammbuch geschrieben. Im übrigen bleibt unklar, auf welche Weise das Leben mehr oder weniger friedlicher Afroamerikaner durch „Menschen an der Macht“ bedroht sein soll. Halluziniert der Freiburger Trainer einen US-Präsidenten Donald Trump mit Schnellfeuerwaffe, der von Farbigen bewohnte Viertel ins Visier nimmt?

Keine programmatischen Angebote

Verblüffen mag Fritz Kellers „weiche“ Haltung gegenüber AfD-Mitgliedern. Man könnte sie auf die Formel bringen: Abholen statt Rauswerfen: „Wir kriegen den einen oder anderen zurück in die Mitte, wenn wir sie nicht ausgrenzen. … Die AfD ist eine nach demokratischen Regeln gewählte Partei, ob uns das paßt oder nicht. … Wir haben kein Recht, ein AfD-Mitglied auszuschließen.“ Das klingt auf Anhieb passabel; aber wer Menschen politisch abholen will, sollte ihnen auch programmatische Angebote machen. Daran fehlt es bei der Funktionärsriege des DFB auf breiter Front.

Wie läßt sich die Deutungshoheit des ideologischen Mainstreams im vorpolitischen Raum aufbrechen? Am ehesten wohl durch mutige, widerständige Geister − etwa populäre Sportler mit folgender Botschaft: „Wir verachten niemanden, der anders aussieht, denkt oder fühlt als wir. Aber wir lassen uns nicht vor den Karren eines künstlich geschürten Antifaschismus oder Antirassismus spannen, dem es weder um die individuelle Freiheit noch um das Wohl der Nation, sondern um Gleichheitsdogmen und in letzter Konsequenz um totalitäre neue Herrschaftsformen geht.“

DFB-Präsident Fritz Keller Foto: picture alliance / Sven Simon

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