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„Kleine“ Parteien
 

„Das motiviert zum Weitermachen“

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Zusammenhalt der Generationen: Mehr Anerkennung für Erziehungsarbeit Foto: Pixelio/Rita Köhler
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Die Familienpartei tritt in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland an Foto: JF

Welche Themen standen im Wahlkampf der Familienpartei im Mittelpunkt?

Dagmar Feldmann: Wir haben unsere Kernforderungen erneut in den Mittelpunkt gestellt, die wir so lange wiederholen werden, bis sich endlich etwas verändert. Es sind dies: Das kostendeckende Kindergeld, das Erziehungsgehalt als Grundvoraussetzung für die Wahl zwischen Erwerbs- und Familienarbeit sowie deren Vereinbarkeit und die Notwendigkeit, Menschen, die durch ihre Erziehungsarbeit die jetzigen Beitragszahler zur Sozialversicherung erst ermöglicht haben, durch höhere Renten dafür zu entschädigen.

Wie war die Resonanz? Wurden Sie als „kleine“ Partei während Ihres Wahlkampfs in irgendeiner Form behindert?

Dagmar Feldmann: Dort, wo wir mit Menschen ins Gespräch kommen konnten, zeigten viele großes Verständnis für unsere Forderungen. Allerdings merkte man deutlich den Unterschied zwischen Menschen mit Erziehungsverantwortung und solchen ohne. Viele junge Eltern sind frustriert, weil ihre häusliche Arbeit in keiner Weise gewürdigt wird und weil sie an starke finanzielle Grenzen kommen.

Eltern mit erwachsenen Kindern, die schon im Rentenalter sind, und hier insbesondere alte Mütter sind sehr enttäuscht über den Hohn an ihrer Lebensleistung, der sich in einer Minirente zeigt. Menschen ohne Kinder finden die Forderungen von uns völlig überzogen und meinen, daß sich jeder nun mal selber aussucht, wofür er leben will.  

„Viele Anfragen von Medien“

Welche Chancen rechnen Sie sich bei der Bundestagswahl aus?

Dagmar Feldmann: Aufgrund der hohen bürokratischen Hürden (über 2.000 beglaubigte Formulare pro Bundesland) nehmen in diesem Jahr nur vier Landesverbände (NRW, Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland) mit Landeslisten an der Bundestagswahl teil. Daher sind die Chancen auf ein bundesweit gutes Ergebnis schon gering.

Ich denke aber, daß wir in den teilnehmenden Bundesländern wieder auf 0,5 bis 1,9 Prozent kommen werden und rechne mit etwa 70.000 Stimmen für uns.
Chancen sind aber nicht nur die Wählerstimmen, sondern die vielen Anfragen von Einzelpersonen und von Medien. Eine Reihe von Anfragern stellt enttäuscht fest, daß sie im „falschen“ Bundesland wohnen. Sie möchten nun zur nächsten Wahl aktiv mitmachen.

Wie bewerten Sie das Abschneiden Ihrer Partei bei den bisherigen Wahlen in diesem Jahr?

Dagmar Feldmann: Die Europawahl brachte ein Prozent der Stimmen bundesweit (250.000). Das ist ein gutes Ergebnis. Vor allen Dingen in den neuen Bundesländern ging der Anteil mehrfach auf über zwei Prozent, obwohl wir dort personell nur sehr schwach vertreten sind.

Die Saarlandwahl brachte zwei Prozent, was angesichts der Propaganda des früheren Landesfürsten und der – nur im Saarland – von den Linken vorgebrachten Forderung nach einem Erziehungsgehalt noch einigermaßen befriedigend ist. Bei den Kommunalwahlen in NRW nahm nur der Stadtverband Kaarst teil, und seitdem ist die Familien-Partei im Stadtrat von Kaarst vertreten. Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein steht noch aus.

„Liegen in der Sache richtig“

Wie schätzen Sie mittelfristig die Perspektiven der Familienpartei ein?

Dagmar Feldmann: Ich bin überzeugt, daß wir in der Sache richtig liegen. Das motiviert zum Weitermachen, wenn auch manche aufgeben, die auf schnelle Erfolge gesetzt haben. Wichtig wird es sein, endlich in einem Länderparlament in ausreichender Zahl vertreten zu sein, um nicht mehr große Teile unserer Energie auf das mühselige Sammeln von Unterstützungsunterschriften zu vergeuden.

Dagmar Feldmann ist Bundesgeschäftsführerin der Familienpartei Deutschlands. Die Familienpartei tritt bei der Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland an. Vor vier Jahren erhielt sie bundesweit 0,4 Prozent der Zweitstimmen, in ihrer Hochburg an der Saar kam sie sogar auf 2,1 Prozent.

> Die Familienpartei im Internet

Die JUNGE FREIHEIT stellt in einer kleinen Interview-Serie konservative Parteien vor, die zur Bundestagswahl am 27. September antreten.

Erschienen ist bereits das Gespräch mit Republikaner-Chef Rolf Schlierer.

Es folgen in Kürze die Antworten der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) sowie der Christlichen Mitte (CM).

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