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Die Unbeugsame

Die Nachricht überraschte: Ausgerechnet der für seine verkrusteten Strukturen berüchtigte Berliner Landesverband der CDU nominiert am Samstag letzter Woche Vera Lengsfeld für die Bundestagswahl 2009. Schon jubelten manche Medien über eine „doch noch erneuerungsfähige“ Berliner CDU. Einen Moment lang schien es, als könnte die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin, Grünen-Dissidentin und konservative CDU-Querdenkerin wieder einen Platz in der Union finden. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Obwohl sie ihre Wahl selbst angriffslustig begrüßt hatte („Ich bin die erste Ost-Frau, die in einem West-Bezirk antritt“): Als Direktkandidatin — gegen den populären Grünen Christian Ströbele — ist Lengsfeld chancenlos, und ihr sechster Platz auf der Landesliste bedeutet nur dann den Einzug in den Bundestag, wenn die CDU in Berlin nennenswert hinzugewinnt, was angesichts der in einem Führungschaos ohnegleichen heruntergewirtschafteten Hauptstadt-Partei (JF berichtete) nicht unbedingt zu erwarten ist. Man darf also gespannt sein, ob sie den Aderlaß der CDU-Konservativen in dieser Legislaturperiode — Nitzsches Austritt, Merz’ Rückzug, Schönbohms Abwahl aus dem CDU-Präsidium — stoppen kann. Lengsfeld selber war gleich gar nicht mehr angetreten. Die studierte Philosophin, geboren 1952 im thüringischen Sondershausen, unterlag 2005 in ihrem Thüringer Wahlkreis bei der Aufstellung für die Direktkandidatur zum Bundestag. Damit schien ihre politische Laufbahn bei der CDU beendet. Mit Lengsfeld hatte sich die Union um eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten gebracht. Die bekannte DDR-Bürgerrechtlerin Vera Wollenberger wurde aus der SED ausgeschlossen, 1988 verhaftet und schließlich abgeschoben. Doch das Schlimmste erwartete sie nach der Wende: 1991 mußte sie erfahren, daß die Stasi ihren eigenen Mann auf sie angesetzt hatte. Enttäuscht nahm Lengsfeld wieder ihren Mädchennamen an. Ihren Kampf gegen die SED setze sie bei den Grünen fort, zu deren Sprecherin sie rasch avancierte. Doch mußte sie feststellen, wie gering die Skrupel gegenüber der SED/PDS dort waren: 1996 verließ Lengsfeld deshalb die Partei und wechselte in die CDU-Bundestagsfraktion. Doch auch da eckte die Unbequeme an: mit ihrem konsequent freiheitlichen und offensiv anti-linken Kurs („Für die Linke bin ich die Angst-Gegnerin!“) zu einer Zeit, als das CDU-Profil immer mehr verkümmerte, isolierte sie sich erneut. 2003 kritisierte sie gar die willfährige Preisgabe ihres Kollegen Martin Hohmann. Die jüngste Behandlung Lengsfelds zeigt erneut, daß die CDU sich zwar mit ihrem Namen schmücken will, im Grunde aber kaum Interesse an der Konservativen hat, die sich unlängst übrigens in der ARD für die JUNGE FREIHEIT stark machte. Doch man sollte sie nicht unterschätzen. Gewonnen hat am Ende fast immer sie. Gut möglich, daß ihr das auch 2009 gelingt.

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