Der Eisbrecher

Wer Eckart von Klaeden zum ersten Mal trifft, glaubt wegen seiner jugendlichen Gesichtszüge, einen Funktionär der Jungen Union vor sich zu haben. Aber der Niedersachse ist 39 Jahre alt und damit seit vier Jahren aus dem CDU-Nachwuchs herausgewachsen. Von Klaeden hat jetzt eine wichtige Position in der Bundestagsfraktion übernommen. Er ist Obmann der Unionsfraktion im Visa-Untersuchungsausschuß. Es dürfte stark von der Arbeit des CDU-Mannes abhängen, wie Außenminister Joschka Fischer aus der Affäre kommt. Von Klaedens Lebensweg verlief gradlinig. Das Abitur machte er 1985 an einem altsprachlichen Gymnasium in Hannover. Danach leistete er seinen Wehrdienst ab, inzwischen ist er Korvettenkapitän der Reserve. Es folgte ein Jura-Studium in Göttingen und Würzburg, das er 1993 mit dem ersten Staatsexamen abschloß. 1996 folgte das zweite Staatsexamen. Parallel zum Studium begann die politische Karriere: Bundesvorstandsmitglied der Jungen Union, Landesvorsitzender der Jungen Union Niedersachsen und Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Hildesheim lauten hier die Etappen. Schon vor seinem zweiten Examen zog von Klaeden im Jahre 1994 in den Deutschen Bundestag ein. Mit nicht einmal 40 Jahren schon in der dritten Legislaturperiode dabeizusein, ist schon eine größere Leistung im deutschen Politik-Betrieb. In seiner Fraktion ist der Niedersachse einer der Parlamentarischen Geschäftsführer, die die Unionstruppe zusammenhalten müssen. Dabei fällt er durch Kampfgeist auf. Wenn altgediente Abgeordnete es lieber ruhig angehen lassen, will von Klaeden die Regierung angreifen und seine Truppen zum Sieg führen. So kämpfte er mehr mit der eigenen Fraktion als mit dem politischen Gegner um die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses wegen der Unruhen in der von deutschen Truppen kontrollierten Kosovo-Region Prizren im März vorigen Jahres. Aber gegen den Widerstand altgedienter Beharrungskräfte in eigenen Reihen konnte sich der junge von Klaeden nicht durchsetzen. Eine Chance für ihn gab es erst, als sich durch den Rücktritt von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer das Personalkarussell zu drehen begann. Der erste Parlamentarische Geschäftsführer Volker Kauder rückte zu Meyers Nachfolger auf, der Rechtspolitiker Norbert Röttgen, der eigentlich Obmann im Untersuchungsausschuß werden sollte, folgte ihm nach. So kam von Klaeden zum Zuge. Kenner der Fraktion hatten ihn bereits als Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer gesehen. Doch Angela Merkel traut dem Niedersachsen nicht. Er ist mit Christian Wulff befreundet, und der wird schon länger als Nachfolger von Merkel genannt. So durfte von Klaeden nicht an die Schalthebel der Fraktion, aber wenn er im Untersuchungsausschuß gute Arbeit macht, sind weitere Schritte auf der Karriereleiter in der Nach-Merkel-Ära nur eine Frage der Zeit.

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