Unheilvoller Spagat

Der Abgang Pervez Musharrafs wirft viele Probleme auf. 1999 hatte sich der General an die Macht geputscht. Er war überzeugt, daß das parlamentarische Demokratiemodell westlichen Zuschnitts für ein religiös und kulturell so stark zerklüftetes Land wie Pakistan kaum anwendbar war, und setzte deswegen auf eine Militärdiktatur. In dem Versuch, die inneren Spannungen Pakistans zu überbrücken, propagierte er einen „modernen“ Islam und gesellschaftliche Reformen. In guten Stunden empfand er sich als ein pakistanischer Atatürk. Er baute die nukleare Kapazität Pakistans weiter aus, in dessen Militärdoktrin der nukleare Erstschlag ausdrücklich verankert ist. Gegenüber dem Westen spielte er ein doppeltes Spiel. Nach dem 11. September stellte er sich auf dessen Seite. Das sicherte ihm die Unterstützung Washingtons, doch innenpolitisch zog er damit den Zorn islamistischer Extremisten auf sich. Um ihn zu dämpfen, duldete er fallweise die Unterstützung der Taliban durch Armee und Geheimdienst seines Landes. Dem Spagat zwischen den beiden Machtpolen Pakistans, der Armee und den Taliban, war er nicht gewachsen. Das Ende ihres Schützlings ist deswegen auch für die USA eine Zäsur. Wenn Pakistan nach Musharraf den gleichen Weg geht wie Afghanistan, dann liegt die US-Sicherheitsstrategie für diesen Teil der Welt in Trümmern.

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