Graue Mitte

Über früheren CDU-Parteitagen pflegte noch die Spannung verheißende Frage zu stehen, wie denn die Kandidaten des konservativen Flügels bei den Vorstands- und Präsidiumswahlen abschneiden würden. Das Thema ist erledigt: Es gibt keine Konservativen mehr in der Führungsebene der Union. Selbst wenn man mit viel Wohlwollen in dem JU-Senkrechtstarter Philipp Mißfelder einen Nachzügler dieser aussterbenden Spezies erblicken mag: Als Faktor mit Einfluß auf die Parteilinie hat Angela Merkel den rechten Unions-Flügel entsorgt — rausgeworfen, vergrault und abgemeiert wie Hohmann, Nitzsche und Schönbohm. Übrig bleibt die graue Mitte, die großkoalitionäre Langeweile, in der sich die Merkel-CDU fest eingemauert hat. Dabei schlägt gerade in Krisenzeiten die Stunde der konservativen Werte und Tugenden. Friedrich Merz hat in seiner Abschiedsvorstellung als einstiger Exponent des rechten Parteiflügels noch einmal gezeigt, wie man aus diesem Geist die Menschen mitreißen kann. Fragt sich nur, wer das konservative Vakuum füllen wird, das die CDU nach ihrem 22. Parteitag so manifest hinterläßt. Eine freiheitliche Steuerrebellen-Partei hätte nicht die schlechtesten Chancen. Die Dänische Volkspartei und die Norwegische Fortschrittspartei haben auch mal so angefangen. Heute entscheiden sie mit, wer regiert.

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