Christel aus der Mitte

Der Widerspruch, den die niedersächsische Landtagsabgeordnete Christel Wegner aus der Linkspartei erfährt, ist eine Gemeinheit. Sicher, sie ist nicht die Schlaueste, sonst hätte sie – so kurz vor der Hamburg-Wahl – für sich behalten, daß die „neue Gesellschaftsform“, die sie anstrebt, „durch so ein Organ“ wie die Stasi vor „reaktionären Elementen“ geschützt werden müsse. Doch wenigstens ist sie eine ehrliche Haut und hat auf den Punkt gebracht, was in ihrer Partei und anderswo gedacht und praktiziert wird. Gregor Gysi, der hinter ihrer Plauderei eine BND-Kabale wittert, hatte bereits im Januar 1990, nach mysteriösen Schmierereien an einem sowjetischen Ehrenmal, gleichfalls einen Geheimdienst gegen die „Faschisten“ gefordert. Da der Faschismus-Begriff beliebig dehnbar ist, durften alle Reaktionäre, die rechts von ganz weit links standen, sich angegriffen fühlen. Und rufen sogenannte demokratische Parteien nicht auch nach dem Verfassungsschutz gegen jeden, der außerhalb ihres eigenen, beschränkten Meinungsspektrums steht, und unterhalten ein Denunziationskartell „gegen Rechts“, welches Charaktereigenschaften fördert, wie sie einst für IMs unentbehrlich waren? Darum Schluß mit der Hetzjagd auf Christel W.! Sie ist Fleisch vom Fleische unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung in ihrer aktuellen Verfassung.

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