Blaues Wunder

Die FPÖ erlebte ihr blaues Wunder, und für Jörg Haiders orangenes Defizitärunternehmen BZÖ war es der prognostizierte schwarze Tag. „Alles über acht Prozent ist ein Erfolg, alles über zehn Prozent ein ‚blaues Wunder'“, hatte Wiens FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor der Wahl erklärt. Der 36jährige eroberte knapp 15 Prozent der Wiener Wahlherzen und feierte mit seinen Anhängern die „Wiedergeburt der FPÖ“. Wohl zu Recht. Denn die Ausgangslage für Strache war prekär. Die FPÖ litt unter den Folgen der BZÖ-Abspaltung und der Häme der Medien. Doch der charismatische Jungpolitiker verfügte über einen ergiebigen Werbeetat, ist ein talentierter Redner und sprach die Themen an, die vielen Wienern unter den Nägeln brennen – die Integrationspolitik, die islamische Parallelgesellschaft und der EU-Beitritt der Türkei. Und Haiders BZÖ? Klägliche 1,2 Prozentpunkte. Die Schlappe sitzt tief, und die an der Seite der ÖVP regierenden BZÖ-Funktionsträger nebst dem immer mehr an Strahlkraft einbüßenden Haider rangen um Erklärungen, die fadenscheiniger kaum sein konnten: Es sei nicht gelungen, den Wählern die Unterscheidung zwischen dem BZÖ und der FPÖ klarzumachen. Ja, wenn nicht jetzt, wann dann? Strache hat dagegen mehr als einen Achtungserfolg erzielt, sogleich aber eine hohe Erwartungshaltung geschürt. Die Frage ist nun, ob er die Trendwende untermauert und den unverhofften Schwung bis zur Nationalratswahl 2006 beibehalten kann. Das Zeug dazu hätte er.

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