Symbol der Grausamkeit

Der tschechische Senat hatte dem Gesetz im März noch seine Zustimmung verweigert. Das Abgeordnetenhaus wies dessen Veto – das Senator Martin Mejstrik vor den Parlamentariern nicht einmal erläutern durfte – letzte Woche mit 123 zu 29 Stimmen zurück: Sozialdemokraten, Rechtsliberale und Kommunisten beschlossen damit eine Ehrung, die bei den alten Römern als höchste Auszeichnung galt. Prag verabschiedete posthum ein „Gesetz“, das in Anlehnung an die altrömische Dankesformel aussagt: „Dr. Edvard Benes hat sich um das (tschechische) Vaterland verdient gemacht.“ Eine Feststellung, die als Ehre gemeint ist, aber für Millionen eine Gemeinheit darstellt. Für jene nämlich, die Böhmen und Mähren bis 1945 auch als ihr Vaterland angesehen haben und die dann vom solchermaßen „Geehrten“ enteignet, verschleppt und verjagt worden sind: die Deutschböhmen, die Deutschmährer und die Sudetenschlesier, von denen Tausende auf Todesmärschen umgekommen sind und für welche das Blutbad auf der „Benes-Brücke“ von Aussig zum Symbol hussitischer Grausamkeit geworden ist. Ihnen ist Edvard Benes nicht als verdienstvoller „Pater patriae“, sondern als furchtbarer „Liquidator“ in Erinnerung geblieben, dessen Name mit den „Dekreten“ verknüpft ist, die als Zeugnisse beschämender Zivilisationsbarbarei des 20. Jahrhunderts gelten. Für einen solchen Mann hatten die alten Römer übrigens auch einen beherzigenswerten Rat: „De mortuis nihil nisi bene“. Und weil des Edvard Benes‘ Nachkriegstaten alles andere als „gut“ waren, hätten die Prager Abgeordneten besser geschwiegen.

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