Conservare Communication „Grüner Mist“ – nein danke! #GrünerMist 2021

 

Erfolgsrezept

Jahrzehntelang war es ein Schwerpunkt bundesrepublikanischer Sozialpolitik, das Übel der Altersarmut zu bekämpfen. Heute scheinen diese Bemühungen von Erfolg gekrönt. 78,3 Prozent der Menschen zwischen 65 und 85 Jahren besitzen, so Familienministerin Renate Schmidt (SPD) in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“, ein Vermögen von durchschnittlich 190.000 Euro. Nur 1,3 Prozent der Alten sind auf die Sozialhilfe angewiesen. Etwa die Hälfte der Senioren bezeichnet ihre wirtschaftliche Lage als „gut“ oder „sehr gut“. Man schmälert die Leistungen der Politik nicht, wenn man auch die Rationalität der erfolgreichen Alten selbst als Voraussetzung des Wohlstandes, den sie am Lebensabend genießen dürfen, herausstellt. Sie haben nicht bloß fleißig gearbeitet, sondern auch bedacht, daß man es nur dann zu etwas bringt, wenn man überflüssige Ausgaben vermeidet. Recht viele haben eben deshalb willentlich darauf verzichtet, sich mit Kindern zu belasten, oder beließen es doch zumindest, sofern man sich diese seelische Erfrischung denn gönnen wollte, bei einem einzigen Exemplar. Was heute oft als die allerneueste Erkenntnis verkauft wird, war den Men­schen nämlich schon vor drei oder vier Jahrzehnten durchaus bewußt: Wer Kinder in die Welt setzt, beraubt sich dadurch nicht nur der Chancen auf Lebensgenuß, die eine moderne Industriegesellschaft bietet. Er setzt sich auf diese Weise auch einem deutlich höheren Verarmungsrisiko aus. Die Deutschen haben darauf, wie die Populationen anderer entwickelter Staaten auch, mit einer drastischen Einschränkung ihrer Familienplanung reagiert. Dies zahlt sich für sie nun im Alter aus. Der Reichtum der Senioren wäre nicht vorstellbar, wenn sie nicht ihren Beitrag dazu geleistet hätten, die Bevölkerungspyramide auf den Kopf zu stellen. Selbst so mancher Schwangerschaftsabbruch hat auf diese Weise seinen späten Sinn erhalten. Der Lebensweg der vorübergehend werdenden Mütter und Väter wäre nicht in der Prosperität geendet, wenn sie seinerzeit auf das Gewissen und nicht auf die Vernunft gehört hätten. Die Freude, den Sieg über die Altersarmut errungen zu haben, darf nun jedoch nicht zu Leichtsinn verleiten. Man hat darauf zu achten, daß das wirtschaftlich sorgenfreie Leben der Senioren nicht durch Ängste vor einer Umverteilung zwischen den Generationen überschattet wird. Den noch Arbeitenden muß man die Perspektive vor Augen führen, daß es schließlich sie sind, die irgendwann einmal erben werden. Sie können in die Fußstapfen der Alten treten, wenn sie es in ihrer eigenen Familienplanung nicht an deren Klugheit mangeln lassen. Sofern sie die Aussicht haben, daß dereinst relevante Vermögenswerte an sie fallen werden, müssen sie um deren Beständigkeit nicht fürchten. Die Pflegeversicherung bewahrt sie davor, daß ihr Erbe in irgendwelchen Heimen versickert. Genau aus diesem Grund darf das Relikt aus der Ära Kohl auch nicht zur Disposition gestellt werden.

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