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Solides Kerneuropa

Als man anläßlich des Scheiterns der EU-Verfassung und des deutsch-polnischen Konflikts um die Stimmgewichtung eine polnische Korrespondentin in Brüssel nach den Intentionen Warschaus gefragt wurde, sagte sie unverblümt: „Das ist wegen unseren Nationalstolzes“. Die Polen – und zwar quer durch alle Parteien – können es nicht ertragen, weniger „wert“ zu sein als die Deutschen. Das allein zeigt, wie sehr die EU-Osterweiterung von falschen Voraussetzungen ausgeht – etwa der vielzitierten deutsch-polnischen Aussöhnung, die in Wirklichkeit nicht stattgefunden hat und aus objektiven Gegebenheiten so bald auch nicht stattfinden wird. Nun wird offen von der Möglichkeit des Scheiterns der EU-25 gesprochen. Die logische Folge daraus wäre ein deutsch-französischer Alleingang, gemeinsam mit jenen kleineren Ländern, die sich den Vorgaben aus Berlin und Paris anschließen wollen. Gelingt es, die deutschen und französischen Interessen unter einen Hut zu bringen, hätte ein solches „Kerneuropa“ auch die notwendige kritische Masse, um machtpolitisch etwas auf die Beine zu stellen und den USA partiell Paroli zu bieten. Es geht dabei nicht so sehr um Staatenbund oder Bundesstaat – auf den Inhalt kommt es an. Schon haben auch einige EU-Kandidaten durchblicken lassen, daß sie sich einem „Kerneuropa“ anschließen möchten. Europa wird wieder das, was es zu Beginn war, als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Ton angaben. Vielleicht ist die EU-Ernüchterung eine Basis für ein europäisches Haus, das zwar kleiner ist, dafür aber auf solideren Beinen steht.

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