BERLIN. Die Linkspartei hat gefordert, Hausaufgaben für Schüler abzuschaffen. Die Idee ist Teil eines „Fünf-Punkte-Plans gegen Chancenungleichheit bei der Bildung“, der dem Stern vorliegt.
Nach Darstellung der Autoren – dem Bundesvorsitzenden Jan van Aken und der Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke – ist Bildung „eine Klassenfrage“. Kinder aus Akademiker-Elternhäusern seinen gegenüber anderen Kindern im Vorteil. Lernen gehöre in die Schule, nicht ins Wohnzimmer.
„Wer Eltern hat, die helfen können, kommt weiter. Wer nicht – bleibt zurück. Wer kein eigenes Zimmer hat, keine Ruhe, keine Unterstützung, bekommt schlechtere Noten“, heißt es in dem Papier. Es handele sich nicht um eine „individuelle Schwäche“, sondern um „strukturelle Ungerechtigkeit“.
Nicht nur Hausaufgaben sollen weg
Anlaß der erneuten Forderung sei eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Demnach seien die Bildungsnachteile von Erstkläßlern aus Familien mit geringem Einkommen und geringer Bildung in Deutschland stärker ausgeprägt als in vielen anderen Ländern.
Neben der Hausaufgaben-Abschaffung plädieren die Autoren des Papiers für die komplette Freistellung aller Schulgebühren, eine gemeinsame Schule bis „mindestens zur 10. Klasse“, ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Sanierung von Schulen und mehr Schulpersonal.
Forderung hat Tradition
Bereits vor zwei Jahren hatte die damalige Linken-Bundesvorsitzende Janine Wissler die Abschaffung von Hausaufgaben gefordert. Der „alltägliche Hausaufgaben-Streß“ vergifte das Familienleben und führe zu Streit und Aggression, begründete die Politikerin ihren Vorschlag damals. Es handele sich um ein „Outsourcing“ schulischer Aufgaben.
2013 hatte der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel einen vergleichbaren Vorschlag gemacht. Auch er argumentierte, daß dadurch Schüler aus sozial schwachen Familien benachteiligt würden. (lb)