DONEZK. Prorussische Kräfte haben im ostukrainischen Donezk das Rathaus gestürmt. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, besetzen etwa 20 bewaffnete Vermummte das Gebäude und forderten ein Referendum über die Bildung einer „föderalistischen“ Ukraine. Prorussische Milizionäre besetzen bereits seit mehreren Tagen auch den Sitz der Regionalvertretung in Donezk.
Unterdessen ist die Situation im Osten der Ukraine weiter unübersichtlich. Am Dienstagabend hatte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow bekanntgegeben, daß ukrainische Sicherheitskräfte ein von prorussischen Paramilitärs besetztes Flugfeld am Rand der Stadt Kramatorsk zurückerobert und unter ihre Kontrolle gebracht hätten.
Mehrere Journalisten vor Ort widersprachen jedoch dieser Darstellung, da sich hunderte Demonstranten um das Areal versammelt hatten. Das ukrainische Militär habe Mühe, die Situation unter Kontrolle zu halten, berichteten sie.
Berichte über übergelaufene ukrainische Soldaten
Eigentlich sollte der als „Anti-Terror-Einsatz“ bezeichnete Vorstoß der ukrainischen Armee auch in der Stadt Kramatorsk sowie in Slawjansk fortgesetzt werden. Seit Mittwoch mehren sich jedoch Berichte, wonach ukrainische Soldaten mit samt ihrer gepanzerten Fahrzeuge zu den prorussischen Kräften überlaufen.
So waren sowohl in Kramatorsk als auch in Slawjansk ukrainische Militärfahrzeuge zu sehen, die mit prorussischen Kämpfern besetzt waren und auf denen die russische Fahne wehte. „Wir haben seit Wochen nichts Vernünftiges zu essen bekommen, Kiew hat uns vergessen. Jetzt reicht es uns“, zitierte Spiegel Online einen der Soldaten.
Der provisorische ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk machte Moskau für die sich im Osten des Landes ausbreitenden Unruhen verantwortlich. Die russische Regierung exportiere „Terrorismus“ in die Ukraine, sagte er am Mittwoch. Rußland unterstütze die bewaffneten Separatisten, auch mit verdeckt agierenden eigenen Truppen, damit diese ukrainische Sicherheitskräfte angriffen und Verwaltungsgebäude besetzten. (krk)