Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Pressefreiheit ausgeschlossen

Vom 16. bis 19. März findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung kämpfte eine Zahl mutiger Verleger um das Überleben dieses Messestandortes, da die Gefahr drohte, daß die kleine Schwester aus dem Osten von der großen aus dem Westen gefressen wird. Im Laufe der Jahre hat sich die Leipziger Buchmesse als eine bei Verlagen und Lesern beliebte Alternative zum Moloch Frankfurt etabliert, bei der der Kontakt zwischen Autoren und Lesern im Vordergrund steht. So freut sich die Messeleitung über die nun 15 Jahre währende Tradition von „Leipzig liest“, einer die Messe begleitenden Veranstaltungsserie mit bemerkenswerten 1.500 Lesungen (gleichwohl manchmal nur vor einer Handvoll Familienangehörigen der Autoren). Die Leipziger Buchmesse ist stolz auf ihr trotziges Überleben neben dem finanzstarken und von den großen Verlagen protegierten Frankfurter Konkurrenten, weil Leipzig natürlich auch ein Symbol ist für das Selbstbewußtsein derjenigen, die die Wende in Deutschland 1989 getragen haben. In Leipzig waren Hunderttausende bei den wochenlangen Montagsdemonstrationen auf die Straßen gegangen und hatten die SED-Diktatur mit einer charmanten und gewaltfreien Zermürbungsstrategie zum Einsturz gebracht. Hier erscholl der legendäre Ruf: „Wir sind das Volk – Wir sind ein Volk!“ Bis 1945 war Leipzig auch der traditionelle deutsche Verlagsstandort. Diese Tradition in der Mitte Deutschlands erstand nun neu und sollte nicht – wie so manche publizistischen Neugründung der Wendezeit – wieder von der Landkarte verschwinden. Man hält sich also etwas zugute auf den Geist von 1989, das Aufbegehren gegen Duckmäusertum, Zensur, die Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit. Leipzig nennt man nicht umsonst die „Heldenstadt“, die für freien Geist und unbeugsamen Willen steht, Demokratie und das Recht auf die freie Rede mutig zu verteidigen. Deshalb ist es nun ein bitterer Treppenwitz der Nachwendegeschichte, daß der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, dieser Zeitung am 30. Januar mitteilen läßt, eine Teilnahme der JUNGEN FREIHEIT als Aussteller „gefährdet die ordnungsgemäße Durchführung der Buchmesse“. Auch nach mehrfacher Nachfrage wollte die Messeleitung bislang nicht erklären, welcher Art die Gefährdungen seien, die für die Messe bei einer Teilnahme dieser Wochenzeitung eintreten könnten. Es kann sich ja nur um denkbare Störungen des Messebetriebes handeln, die von Messebesuchern ausgehen, die unter Umständen unter Bruch der Hausordnung Protest dagegen kundtun, daß eine Zeitung einen Messestand unterhält, deren Meinung sie nicht teilen. Aber, das fragte ich zuletzt den Direktor der Leipziger Buchmesse, warum werden dann nicht diese potentiellen Randalierer – wenn sie denn überhaupt erscheinen – von freundlichen Hostessen aus den Messehallen begleitet? Warum verweigert man statt dessen der betroffenen Zeitung den Zutritt? Dieses Jahr könnte das Motto der Messe betrüblicherweise „Leipzig zensiert“ heißen – wenn sich die Messeleitung nicht noch einmal eines Besseren besinnt.

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