Mit Wohlwollen beobachtete Schläge gegen Andersdenkende

Es war ein Großeinsatz für rund 20 freiwillige Helfer. Vom 24. Mai bis 2. Juni wurden im Stadtgebiet von Berlin anläßlich des 20jährigen Bestehens der Zeitung 20.000 Jubiläumsausgaben der JUNGEN FREIHEIT an Passanten verteilt – mit großem Erfolg. Viele Berliner und Touristen lernten so erstmals die Zeitung kennen. Schwerpunkte der Verteilung bildeten Verkehrsknotenpunkte wie der neue Hauptbahnhof, die Friedrichstraße, aber auch die Universitäten. Verteilt wurde auch vor Berliner Verlagshäusern, unter anderem vor den Zentralen des Springer-Verlages (Bild, B.Z., Welt, Berliner Morgenpost), des Tagesspiegel und der Berliner Zeitung. Diese Verteilaktionen verliefen ohne Zwischenfälle – bis die JF-Verteiler das Gebäude der linksliberalen taz in der Kreuzberger Kochstraße erreichten. „Wir fuhren in die Kochstraße in Berlin-Kreuzberg, parkten unsere Autos vor der taz und fingen an, auf dem Bürgersteig die JUNGE FREIHEIT an Passanten zu verteilen“, sagt Zeitungsverteiler Felix K. „Wir kamen kurz vor neun an und konnten in wenigen Minuten etliche Ausgaben verteilen, was den taz-Mitarbeitern, die gerade zur Arbeit kamen, wohl nicht gefallen hat.“ Steffen Königer, ein ehemaliger JF-Redakteur, der ebenfalls mit dabei war, sagt, daß ein Mann bereits auf dem Weg ins Gebäude die Gruppe als „Faschisten“ beschimpft hatte. Nur wenige Minuten danach sei derselbe Mann zusammen mit einem anderen wieder herausgekommen. „Einer von ihnen kam direkt auf mich zu, hat mich an meiner Jacke gepackt, geschüttelt und gesagt, daß wir aufhören sollten, unsere Nazizeitung zu verteilen.“ Währenddessen habe der andere mutmaßliche taz-Mitarbeiter eine weitere JF-Zeitungsverteilerin angegriffen. „Als ich das gesehen habe, bin ich zu ihr gerannt und habe versucht, den Mann wegzuziehen“, berichtet Königer. „Daraufhin hat er meinem Arm nach hinten gebogen und versucht mich festzuhalten.“ Felix K. lief zu der Rangelei und versuchte, den Mann von Königer wegzuziehen. Dabei wurde er von einem anderen Angreifer gegen den Hinterkopf geschlagen. Der Mann habe außerdem versucht, ihn auf den Boden zu werfen. „Am meisten hat es uns überrascht, daß die Männer eine Frau angegriffen haben. Als wir sie dazu fragten, antworteten sie, daß sie keine Geschlechterunterschiede zwischen ‚Fascho-Schweinen‘ machen würden“, erzählt Felix. „Wir haben ihnen gesagt, daß sie kein Recht haben, gegen uns vorzugehen, da wir die Zeitungen auf dem Bürgersteig verteilten. Daraufhin sagten die Männer, daß wir keine Bürger seien.“ Die Zeitungsverteiler warnten die Angreifer, wenn sie nicht aufhörten, würden sie die Polizei rufen. „Sie haben uns weiterhin beleidigt und bedroht, also habe ich die Polizei angerufen“, sagt Königer. „Sie wollten gerade wieder auf Felix los, als die Polizei nur wenige Minuten nach dem Anruf mit Blaulicht ankam.“ Einer der mutmaßlichen taz-Mitarbeiter habe laut Königer versucht, die Polizei davon zu überzeugen, daß die JF-Verteiler Hausfriedensbruch begangen hätten. „Das hat allerdings nicht geklappt. Die Polizei hat schnell bemerkt, daß wir im Recht waren. Schließlich hat die Polizei meine Aussage aufgenommen und ermittelt jetzt wegen Körperverletzung“, berichtet Königer. „Taz“ lehnt öffentliche Stellungnahme ab Bemerkenswert: Die taz hat bis zum Redaktionsschluß eine öffentliche Stellungnahme dazu abgelehnt, ob – wie die Polizei gegenüber Berliner Zeitungen bestätigte – Mitarbeiter der taz unter den Tätern sind, von denen Personalien festgestellt wurden und gegen die jetzt staatsanwaltliche Ermittlungen aufgenommen wurden. In einem Brief der taz-Chefredakteurin Bascha Mika an JF-Chefredakteur Dieter Stein, aus dem zu zitieren der JF untersagt wurde, werden die Vorwürfe pauschal bestritten – ohne sie im Detail zu dementieren. Auch sieht sich die taz-Chefin außerstande, die Prügelattacken zu verurteilen. Die Berliner Zeitungen nehmen den Vorfall von der launigen Seite. Ein verantwortlicher Redakteur ist da redseliger und demonstriert klammheimliche Freude. Bei Spiegel online heißt es über die Gewalttat: „Sicher aber scheint, daß heute morgen gegen 8:30 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen taz-Mitarbeitern und zwei Verteilern von Gratis-Exemplaren der JUNGEN FREIHEIT vor der taz-Zentrale stattfand. Zumindest bestreitet es niemand: ‚Ja, die sind da ein bißchen wegvertrieben worden‘, sagt etwa taz-Meinungsredakteur Dietmar Bartz, der das Ganze ‚mit Wohlwollen beobachtet‘ hat, wie er sagt.“ Bartz weiter laut Spiegel online: „Wir lassen eben nicht zu, daß irgend jemand hier rechtskonservatives Material verteilt.“ Man habe es als Provokation empfunden, daß die JUNGE FREIHEIT ausgerechnet direkt vor dem zur taz gehörigen Café in der Kochstraße in Berlin-Kreuzberg auf Abonnentensuche gegangen sei. Von Schlägen oder Tritten könne aber keine Rede sein, „Geschubse“ sei das passende Wort, so Bartz laut Spiegel online. Am lustigsten finden offenbar Springer-Medien den Zwischenfall. Die Welt schlagzeilt: „Klassenkampf – taz-Mann vermöbelt Kollegen der JF“. Bild: „Kampf der Ideologien“ – ganz so, als sei es bei dem Überfall auf die JF-Verteiler um ein lockeres Geben und Nehmen gegangen. JF-Chefredakteur Stein hat unterdessen die Standesorganisationen, die Journalisten- und Zeitungsverlegerverbände, dazu aufgerufen, die taz zu einer Klärung des Falles und zur Verurteilung von Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung aufzufordern.

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