Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Ein König als Schriftsteller

Auch die königlichen Arbeiten erschienen im Druck, und die bekannten ‚Denkwürdigkeiten der brandenburgischen Geschichte‘ wurden mit der größten Begierde gelesen, auch für ein Meisterstück und Muster im historischen Vortrage gehalten. (…) Es war außerdem eine schöne Frucht der königlichen Arbeitsamkeit, indem Friedrich dadurch zeigte, daß sich der Degen mit der Feder gar wohl vereinigen lasse."

Balthasar König, einer der besten Geschichtsschreiber Berlins im 18. Jahrhundert, reflektiert in seiner "Historischen Schilderung der Residenzstadt Berlin" (1792) in bezug auf das Jahr 1784 eine Seite in den Aktivitäten von Friedrich dem Großen, die dieser ein halbes Jahrhundert lang, von 1736 bis 1786, mehr oder weniger ununterbrochen ausübte, nämlich neben seiner im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehenden Hauptfunktion als Fürst des Hauses Brandenburg und als preußischer König auch als Schriftsteller zu fungieren.

Berlin hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert, also in friderizianischer Zeit, verschiedene Arten von Schriftstellern. Einmal den sogenannten freien Schriftsteller, der auch als "Brodschreiber" bezeichnet wurde und in jener Zeit keinen allzu guten Ruf besaß, und zum anderen den "Schriftsteller im Nebenberuf". Buchhändler, Verleger, Bibliothekare, Lehrer, Professoren, es gab kaum einen Intellektuellen in Berlin, der sich neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit nicht auch noch als Schriftsteller betätigte. Wenn man diesbezügliche Aktivitäten von Friedrich II. seit seiner Kronprinzenzeit bis zu seinem Tode 1786 näher untersucht, kann man zu dem Ergebnis gelangen, daß dieser Hohenzollernfürst und Vorsteher des Hauses Brandenburg neben den eben genannten eine weitere Art von Schriftsteller in der preußischen Residenzstadt verkörperte: den eines "adeligen Schriftstellers".

Friedrich II., der vorwiegend Französisch schrieb und schon zu seinen Lebzeiten das Attribut "der Große" erhalten hatte, war auf den unterschiedlichsten Gebieten aktiv. Er besaß – er praktizierte, wie wir das heute sagen – einen "weiten Literaturbegriff": Dazu gehörte sowohl die schöngeistige Literatur als auch das gelehrt-wissenschaftliche und das politische Schrifttum, nicht zuletzt auch die zeitgenössische Publizistik bis hin zur Zeitungsschreiberei. Bemerkenswert sind dabei auch die Begleitumstände, speziell die Antriebskräfte, die Motive, wie, unter welchen Umständen, zu welchem Zweck, das königliche Schrifttum zustande gekommen ist: Einmal gab es bei diesem königlichen Schriftsteller "innere Faktoren", die sich aus seinem persönlichen, besonders seinem geistigen Habitus ergaben. Ein wichtiger "innerer Faktor" war sein permanenter Trieb, Dinge zu Papier zu bringen, zur Feder zu greifen. Wiederholt betonte er dabei, daß er in erster Linie "für sich selbst" schrieb, die Öffentlichkeit vermeiden wollte, was er allerdings nicht durchgehend umsetzen konnte – denn als "Publizist" mußte er sich ohnehin der Öffentlichkeit stellen.

Vor allem seine "Versemacherei", die für ihn durchaus gleichrangig war mit seiner musischen Betätigung im Flötespielen, wurde zu einer seiner liebsten Freizeitbeschäftigungen. Besonders diese wollte er aus Gründen der "hohen Politik" – auch im Hinblick auf die Pläne seines Vaters ihm gegenüber – vor der Öffentlichkeit verbergen. Eine solche "Arcan-Strategie" in bezug auf seine Urheberschaft zum Beispiel in seiner Funktion als "Chefredakteur" der beiden Berliner Tageszeitungen erstreckte sich sogar auf seine Publizistik, die er allerdings auch gleichzeitig zu Versuchen nutzte, die sogenannte öffentliche Meinung in Berlin und weit darüber hinaus in seinem Sinne "preußisch" zu beeinflussen.

Gerade die "publizistischen Werke Friedrichs, die einen nicht zu unterschätzenden Umfang einnehmen – besonders seine "Lettre au public" ("Briefe an das Publikum")  – müssen zu einem nicht geringen Teil in Verbindung mit den kriegerischen Auseinandersetzungen Preußens mit den Habsburgern gesehen werden. Dies auch in Gestalt von Propagandaschriften. Erwähnt sei als solche die kleine Nachricht mit dem Titel "Das Hagelwetter in Potsdam", die vom König selbst geschrieben wurde mit dem speziellen Ziel, den in Potsdam und Berlin aufkommenden Gerüchten, daß es "bald wieder Krieg geben würde", eine andere Richtung zu geben. Tatsächlich wurde "das Hagelwetter" zum bestimmenden Diskussionsthema in den beiden preußischen Residenzen. Die von Friedrich verfolgte Absicht konnte erreicht werden. Mehr noch: Über dieses "Hagelwetter", welches tatsächlich überhaupt nicht stattgefunden hatte, verfaßte der Wittenberger Professor Johann Daniel Titius sogar eine "Gemeinnützige Abhandlung zur Beförderung der Erkenntniß und des Gebrauchs natürlicher Dinge" (Leipzig, 1768) mit interessanten "wissenschaftlichen" Schlußfolgerungen.

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Friedrich der Große als Hohenzollernfürst und Vorsteher des Hauses Brandenburg verkörperte eine besondere Art von Schriftsteller in der preußischen Residenzstadt: den eines "adeligen Schriftstellers".

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Historisch – von den gesellschaftlichen Bedingungen her als "äußerer Faktor" seiner Schriftstellerei – umfaßte seine Schreibtätigkeit, ein halbes Jahrhundert. Etwa seit 1736, als er sein Rheinsberger Kronprinzen-Palais bezog, unternahm er Anstrengungen, mit dem damals vielleicht ersten Literaten Europas, François-Marie Arouet, der 1719 den Namen Voltaire angenommen hatte, in Kontakt zu kommen und ihn zu bewegen, nach Potsdam zu kommen. Zunächst aber fungierte Voltaire im Auftrag von Friedrich II., der 1740 die Regierung angetreten hatte, von Frankreich aus als Herausgeber seiner ersten bedeutenden Schrift, der "Refutation du Prince de Machiavel" ("Widerlegung von Machiavellis Fürst"). Friedrich hatte sich in seinen Studien, die er schon als Kronprinz betrieb, mit dem berühmten italienischen Renaissance-Autor Niccolò Machiavelli, speziell mit dessen Schrift "Il Principe" ("Der Fürst"), in Gestalt eines kritischen Manuskriptes, einer Art von Fürstenspiegel, auseinandergesetzt. Friedrichs Schrift erschien anonym in zwei verschiedenen Fassungen unter der Herausgeberschaft von Voltaire, mit dem Hinweis, daß es sich bei dem Autor "um einen der gewichtigsten Männer Europas" handele. Obwohl Anonymität im 18. Jahrhundert durchaus der Regelfall war, konnte aber in vielen Fällen ermittelt werden, um welche Autoren es sich handelte. Die Entzifferung solcher Autoren war in jenem Jahrhundert sogar der Regelfall, und ein solcher Vorgang vollzog sich auch bei Friedrich dem Großen.

Seit 1740 betrieb der neue preußische König seine Schriftstellerei geradezu mit Leidenschaft, zunächst von seinen Schlössern in Berlin und Potsdam, ab 1746 besonders von seinem neuen Lustschloß Sanssouci aus, wie aus einem umfangreichen Schriftverkehr mit Voltaire hervorgeht. In einem Brief an Voltaire vom 18. November 1742 heißt es: "Ich bin so sehr in den Geschmack am Arbeiten gekommen, daß ich eine Epistel, ein Lustspiel, und ‚historische Nachrichten‘ geschrieben habe, die, wie ich hoffe, sehr merkwürdig sein werden. Von den letzteren kann ich Ihnen nur Fragmente mittheilen; das Werk im Ganzen ist nicht von der Art, daß es sich öffentlich bekannt machen ließe". Und in einem weiteren vom 6. April 1743 schrieb er: "Bald werde ich Ihnen die Vorrede zu meinen ‚historischen Nachrichten‘ schicken. Das ganze Werk kann erst nach meinem und meiner Zeitgenossen Tode erscheinen, weil es mit aller Aufrichtigkeit geschrieben ist, und weil ich mich in keinem Stück von der Treue entfernt habe, die ein Geschichtsschreiber in seinen Erzählungen beobachten muß".

Von den Literaturgattungen auf dem Gebiet der schöngeistigen Literatur war das vornehmlich Lyrik in Gestalt von Elogen, Oden, Episteln, Lehrgedichten, auch Prosaschriften, die aber ebenfalls oft von Darstellungen in Versform unterbrochen wurden. Nur ein sehr enger Freundeskreis, besonders seine "Aufklärungsfreunde" aus Frankreich, aber auch aus Italien, der Schweiz und aus Schottland sowie literarisch gebildete Militärs wie zum Beispiel sein Freund Generalmajor von Stille gehörten zu einem auserwählten Empfängerkreis solcher Art von literarischen königlichen Aktivitäten. Die Rezipienten wurden dabei jeweils besonders dazu angehalten, die vom König erhaltenen Handschriften oder privaten Druckschriften nach Gebrauch an ihn persönlich wieder zurückzugeben. So mußte sein Sekretär Darget, als er 1753 nach Frankreich zurückging, sein Exemplar "Œuvres du philosophe de Sans-souci" an den König zurückgeben, "damit es nach seinem Tode nicht etwa in unrechte Hände falle".

Auch von Algarotti, einem italienischen Literaten, der in Potsdam zum engsten Freundeskreis des Königs gehörte, forderte Friedrich seine Gedichte 1753 in einem speziellen Brief ausdrücklich zurück. Als bekannt wurde, daß Voltaire bei seinem Weggang aus Berlin 1752 eine solche Orientierung nicht beachtete – er hatte den wichtigsten Gedichtband seines königlichen Freundes in getrennter Post "mitgehen lassen" -, wurde dieser auf Anweisung des Königs in Frankfurt am Main inhaftiert, um eine Ausfuhr der königlichen Schrift zu verhindern. Selbst der Wunsch des französischen Königs Ludwig XV., ihm doch ein vom König verfaßtes komisches Heldengedicht "Le Palladion" zur Information zuzusenden, wurde abschlägig beschieden.

1750 ließ der König seine verschiedenen kleinen Einzelschriften erstmalig in Gestalt einer Gesamtausgabe unter dem Titel "’Oeuvres du philosophe de Sans-souci‘. Au donjon du chateau. Avec privilege d’Appollon. MDCCL" in drei Bänden mit den Kupfern von G. F. Schmidt privat, nur für den eigenen Gebrauch im Schloß zu Berlin drucken. Auch diese drei Bände gelangten wiederum nur an einen sehr kleinen Freundeskreis; zur Veröffentlichung war die Druckschrift nicht vorgesehen. 1752 kam eine zweite Ausgabe in nur einem Band zustande, der ebenfalls nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Während Friedrich II. sein schöngeistiges Schrifttum, vor allem seine "Verse-Schmiederei" gegenüber der Öffentlichtkeit mit mehr oder weniger Erfolg zurückhalten konnte, vollzog sich der Ablauf bei seinem umfangreichen Geschichtswerk "Memoires pour servir a l’histoire de la maison de Brandebourg", in welchen er die Geschichte seiner Vorfahren darstellt, anders. Ein jeweils fertiges Teilmanuskript wurde durch einen von ihm beauftragten Sekretär an der von ihm reorganisierten Berliner Akademie der Wissenschaften verlesen und auf diese Weise zu einem offiziellen Dokument der Akademie gemacht. Auf dieser Grundlage wurde das Werk im dafür privilegierten "Akademie-Verlag" Haude & Spener als Publikation auch der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Was die Zurückhaltung der königlichen schöngeistigen Literatur gegenüber dem Publikum betraf, so trat jedoch 1760 eine neue Situation ein. Es kam zu dem "Fall Lyon", zu einer Situation nämlich, die der König bisher mehr oder weniger verhindern konnte: Sein schöngeistiges Hauptwerk, die "Œuvres du philosophe de Sans-souci", wurde durch den Raubdruck eines Lyoner Verlegers der Öffentlichkeit zugeführt. Parallel vollzog sich fast zeitgleich in Paris derselbe Fall: Auch hier kam es zu einem unerlaubten Nachdruck, einem zweiten Raubdruck durch einen Pariser Verleger. Daraufhin erfolgte bald ein dritter unerlaubter Nachdruck durch den Amsterdamer Verleger J. H. Schneider, der zudem seine Publikation in aller Förmlichkeit dem preußischen König zukommen ließ. Diese in Frankreich und Holland entstandenen Raubdrucke tauchten auch in Berliner Buchläden auf.

Die politischen Motive einer solchen Art von "geistiger Kriegführung", die mit Duldung und unter der Deckung der französischen Regierung vor sich ging, waren offensichtlich. Einmal konnte sich nun jedermann in Europa von der "Sündhaftigkeit" eines solchen Königs, von seinem deistisch eingefärbten Epikuräertum überzeugen. Besonders brisant waren aber die in dieser Schrift enthaltenen Spitzen, Spöttereien gegenüber europäischen Staatsoberhäuptern, auch einflußreichen Ministern, etwa dem russischen Grafen Bestuschew-Rjumin; denn sie führten zu Verärgerungen in den einzelnen Ländern.

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"Er ist der ‚Freimüthige‘ unter den Königen, und darum sind seine Werke der Wissenschaft eben so groß, ja größer und dauernder als seine Kriegs- und Friedensthaten."

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Der König, der sich zu dieser Zeit gerade in seinem Feldlager in Freiberg befand, reagierte sofort in mehrfacher Hinsicht: Einmal ließ er öffentlich erklären, daß es sich bei diesen Drucken um Fälschungen handele. Des weiteren wurden die bereits in den Berliner Buchläden befindlichen Exemplare aus dem Verkehr gezogen und der weitere Vertrieb in Preußen untersagt. Nicht zuletzt veranstaltete der König noch von Freiberg aus über den in Sanssouci befindlichen französischen Aufklärer Marquis D’Argens, der während der Zeit der Abwesenheit des Königs zur Zeit der Schlesischen Kriege die Funktion eines "amtierenden Kammerherrn" in Sanssouci ausübte, eine "richtige Fassung". Der König nahm einige brisante Stellen aus seinem Werk heraus und ließ die so überarbeitete Fassung als neue Schrift bei dem Berliner Verleger Christian Friedrich Voß unter dem Titel "Poésies diverses ou œuvres du philosophe de Sans-souci" noch 1760 in Berlin veröffentlichen.

Damit war allerdings auch seine bisherige "poetische Geheimstrategie" überholt. Der bisher im Arcanum agierende königliche Autor hatte seinen "Rubicon überschritten", war zu einem "Dichter public", einem "öffentlichen Schriftsteller" geworden, trotz seiner anonymen Autorenschaft.

Unter den Faktoren, die diesen König zu einem europäischen Schriftsteller von Rang machten, nahm sein Bündnis mit der französischen Aufklärung einen besonderen Platz ein: So erhielten in Frankreich verfolgte Aufklärer wie selbstverständlich in Preußen, meist in Berlin oder Potsdam, politisches Asyl. Der materialistisch orientierte und in Frankreich verfolgte Arzt und freigeistige Philosoph Julien Offray de La Mettrie (1709-1751) wurde von Friedrich in Potsdam aufgenommen und sogar zu einem seiner Vorleser gemacht. Der berühmte französische Gelehrte Maupertuis, der sich besonders in der Erforschung der nördlichen Erdgestalt einen Namen gemacht und die Abplattung der Polkappen entdeckt hatte, erhielt das Amt eines Präsidenten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

Umfangreich war auch die Korrespondenz des Königs mit berühmten französischen Gelehrten, in Frankreich verbliebenen Aufklärern, zum Beispiel mit d’Alembert. Überhaupt war das Ansehen des preußischen Königs, auch als Autor und Schriftsteller, in Frankreich sehr hoch. Es gab zahlreiche Versuche, gerade mit diesem König in Kontakt zu kommen. Den Mittelpunkt dieses Bündnisses des preußischen Königs mit der französischen Aufklärung bildete natürlich seine Zusammenarbeit mit Voltaire, auch wenn diese zeitweilig getrübt wurde. Sie äußerte sich in einem nur für kurze Zeit unterbrochenen einzigartigen Briefverkehr, in der Übereinstimmung der Auffassungen darüber, wie eine "aufgeklärte Monarchie" funktionieren sollte, sowie in einer einige Jahre dauernden engen Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung seines schöngeistigen Manuskriptes, hier vor allem bei der "Versemacherei".

Seit Mitte der fünfziger Jahre kam es jedoch in Verbindung mit der zunehmenden Radikalisierung der französischen Aufklärung zu einem grundlegenden Wandel auch in der Literatur. Zur Hauptstoßrichtung wurde nunmehr der Angriff auf die französische Monarchie als Staats- und Regierungsform. Stark ausgeprägt war diese neue Haltung im sogenannten d’Holbach-Kreis. Friedrich beobachtete diese Entwicklung von seinen Feldlagern aus mit Skepsis; mehr noch: Er sah sich gezwungen, auch als Schriftsteller darauf zu antworten.

So entstanden seit den sechziger Jahren bis in die Achtziger hinein mehrere Schriften, die man allesamt vor dem Hintergrund dieser neuen Situation sehen muß. Der König machte sich mit den Werken des französischen Barons d’Holbach vertraut: mit den 1770 veröffentlichten Werken "Essai sur les préjugés" und dem "Système de la nature". Zu beiden Publikationen nahm er in seinen Schriften "Examen de l’essai sur les préjugés" (April 1770) und "Examen critique du Système de la nature" (Juli 1770) Stellung, wobei er zum Beispiel die Behauptung zurückwies, die Könige seien die Stütze der Kirche und des Aberglaubens.

Diese Publikationen wie auch seine Schrift "Lettres sur l’amour de la patrie" ("Briefe über die Vaterlandsliebe") von 1779 müssen alle als eine Art von "Fürstenspiegel" verstanden werden, die im 18. Jahrhundert sehr in Mode waren und in der Regel mehrere Funktionen zu erfüllen hatten. Sie verstanden sich einmal als Mittel der Selbstverständigung, waren gleichzeitig auch an seine europäischen "Amtskollegen" gerichtet und dienten nicht zuletzt auch dazu, sich an seine Untertanen mit Appellen zu wenden. 1780 erschien die bis heute in Fachkreisen vieldiskutierte Schrift "De la littérature allemande" ("Über die deutsche Literatur").

Kurz nach Friedrichs Tod im Jahre 1786, im Zeitraum von 1788 bis 1790, erschien eine erste Gesamtausgabe seiner Werke in 25 Bänden unter dem Titel "Œuvres posthumes de Fredric II, Roi de Prusse, A Berlin, chez Voss et Fils et Decker et Fils" und dazu zugleich eine deutsche Übersetzung unter dem Titel "Friedrichs des Zweiten Königs von Preußen hinterlassene Werke. Aus dem Französischen übersetzt, Berlin bei Voß und Sohn, und Decker und Sohn". Zum Herausgeber wurde der Geheime Rat von Moulines berufen.

Der Junghegelianer Karl Friedrich Koeppen wertete im 19. Jahrhundert Friedrichs Rolle als Literat – vielleicht nicht pars pro toto für seine Zeitgenossen – aus heutiger Sicht in schon bemerkenswerter Art und Weise: "Er ist der ‚Freimüthige‘ unter den Königen, und darum sind seine Werke der Wissenschaft eben so groß, ja größer und dauernder als seine Kriegs- und Friedensthaten (…) und noch vor dem jüngsten Tage wird der Wandrer kommen und vergebens fragen, wo Potsdam gestanden hat und Sanssouci und die Garnisonkirche, und wohin die Asche des großen Königs gebracht worden ist; aber Friedrichs Worte werden bleiben für und für (…). Sie werden (…) wenigstens so lange dauern, als man französisch spricht, und das wird man immer. Seine Werke, sein Nachlaß, seine ‚Œuvres‘ und ‚Œuvres Posthumes‘ sollen (…) unser Feldgeschrei im Kampfe der Gegenwart (sein)".

Anton Friedrich König, "Friedrich II. in der Bibliothek" (1769): Versuche, die sogenannte öffentliche Meinung in Berlin und weit darüber hinaus in seinem Sinne "preußisch" zu beeinflussen

Dr. rer. oec. Dieter H. Reichelt, (Wirtschaftswissenschaften) sowie Dr. sc.phil. (Bibliothekswissenschaft), arbeitet auf dem Gebiet der Buch- und Sozialgeschichte von Brandenburg-Preußen und lebt in Berlin.


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