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Pankraz, die Weihnachtsfeier und der Volksgeist

Wieder einmal sind uns die Briten in Richtung Dekadenz voraus. Etwa achtzig Prozent aller Unternehmen und Verwaltungen auf der Insel haben dieses Jahr auf die Abhaltung von traditionellen Weihnachtsfeiern im Betrieb verzichtet, und zwar nicht aus Sparsamkeitsgründen, sondern weil – wie Pankraz in der Times liest – "die zahlreichen Muslime, vor allem in Groß-London, solche Feiern als beleidigend empfinden".

Es fand ein regelrechter Terror gegen die Weinachtsfeiern statt. Sogenannte NGOs kündigten "multikulturelle Demonstrationen" gegen diese "christlichen Störungen des Betriebsfriedens" an, Anwälte verschickten Warnungen an die Firmenleitungen. In vielen Städten und Gemeinden wurde jeglicher öffentlicher Weihnachtsschmuck inklusive Lichterketten in den Fußgängerzonen verboten. Kaufhauspersonal war gehalten, keine Weihnachtsmann-Zipfelmützen aufzusetzen und sich keine Weihnachtssterne ins Ohrläppchen zu clipsen. "Die Party ist aus", hieß es nicht nur in der Times. Wer unbedingt feiern wolle, der solle das gefälligst in den eigenen vier Wänden tun.

Die hochkirchliche Pfaffenschaft ist mit der Wendung der Dinge gar nicht unzufrieden. Schon immer hatte sie ja Anstoß genommen an den "heidnischen Bräuchen", die sich angeblich auf den englischen Weihnachtsfeiern austoben, an den Mistel-zweigen und den "Christmas Crackers", von den ungeheuerlichen Saufereien zu schweigen. Durch die aktuellen Einschränkungen verspricht man sich nun offenbar eine Rückkehr zur Besinnung auf das "Eigentliche", auf die Botschaft als solche. Die "beleidigten" Muslime als Hilfstruppe der bekümmerten Christenheit.

Daß man sich da nur nicht täuscht. Wenn es in unseren säkularisierten Zeiten überhaupt noch einen zuverlässigen Verbündeten bei der pastoralen Verkündigung der christlichen Botschaft gibt, so sind das die seit Generationen eingeschliffenen populären Weihnachtsbräuche. Das gilt für die mitteleuropäische Kuschligkeit genauso wie für die insulare Ausgelassenheit. In beiden Fällen sind kosmopolitischer Christengeist und Volksgeist eine ungemein dauerhafte Legierung eingegangen, die im Grunde gar nicht mehr aufzulösen ist. Wer das eine beseitigen will, beseitigt automatisch auch das andere.

Übrigens ist die von christlicher Seite so oft bewunderte "Spiritualität" und "Globalität" speziell muslimischer Feiertagsbräuche pure Fiktion, eine Augentäuschung, die sich entweder schlimmer Uninformiertheit oder raffinierter Propaganda verdankt. Auch im Islam haben sich Gottesgeist und Volksgeist von Anfang an zusammengetan; anders ist Verkündigung nämlich gar nicht möglich. Wer wirklich glaubt, glaubt an sinnlich erfahrene, mithin regionale, Farben und Formen, Sprüche und Musiken. An blutleere, allgemein gültige Abstraktionen glaubt man nicht, sondern man "weiß über die Bescheid", tut wenigstens so.

Schon ein knapper Blick auf die Geschichte religiöser Missionen bestätigt das. Der Missionar hält seinen geneigten Zuhörern keine philosophische Vorlesung, sondern er "predigt", d. h. er macht bekannt, er versieht die, mag sein zunächst noch fremde, Botschaft mit altvertrauten Bildern und Kürzeln. Nur so wird diese glaubhaft und fähig zu Einverseelung. Erst wenn eine neue Lehre ganz eng mit originären, hunderttausendfach bewährten Lebenseinstellungen verknüpft ist, entsteht Glaube. Die Botschaft gerinnt zum Bekenntnis.

Verbunden damit ist notwendig eine gewisse Routiniertheit und, wenn man will, Verflachung. Das, was einst selten und somit von vornherein kostbar war, wird alltäglich und unterliegt der Abnutzung. Es bedarf hin und wieder der Aufmöbelung, man muß es hin und wieder extra feiern, und die Feier kann eben nur darin bestehen, daß man die Popularität und das unmittelbare Da-Sein des Gefeierten herausstellt und sich ihm hingibt. Nicht Dozieren und Lernen sind gefragt, sondern dionysisches Sichverschwistern. Man will was davon haben, so oder so.

Schon in den originalen Weihnachtsevangelien bildete sich das ab. Es gab Geräusch, Jubelchöre der Engel, Überreichung von Geschenken, und die herbeiströmenden "Hirten auf dem Felde" mögen, um die Fete komplett zu machen, so manchen fetten Hammel geschlachtet und gebraten haben. Auch berauschende Getränke flossen wohl in Strömen. Keine Spur von Seminar und dogmatischer Genauigkeit. Alt und Neu, Heide und Haus, Plumpudding und wilde Küsse unterm Mistelzweig vermischten sich, unzählige "Christmas Crackers", Toilettenrollen so ähnlich, wurden auseinandergerissen und gaben so manchen kecken Sinnspruch preis.

Daß dergleichen in England heuer erstmals im Zeichen der Political Correctness und aus Angst vor islamischen Drohungen dramatisch reduziert und/oder schamvoll versteckt wird, läßt Schlimmes befürchten, auch für unser mitteleuropäisches Schummerfest. Auch hierzulande donnern ja fromme Puristen heftig gegen populäres Brauchtum an, weil es die Botschaft angeblich verdunkelt und sie gegenüber "islamischer Spiritualität" in Nachteil bringt. Der Weihnachtsmann wird ausgelagert, vordatiert (historisch korrekt) auf den 6. Dezember (Nikolaustag). Schnee wird ohnehin immer weniger.

Freuen kann sich darüber nur der Wüstengott, der weder Schnee noch Mistelzweige braucht, weil er genug junge Gotteskrieger mit Sprengstoffgürteln um den Bauch hat. Auch dieses Bild vom Sprengstoffbauch ist ja ein Folklorebild, ein dionysisches Regional-Brauchtum, wenn auch ein ungemütliches. Zu lernen gibt es dabei nichts. Wer, in Einzelteile zerlegt, in die Luft fliegt, hat keine Koransuren mehr nötig.

Die diesjährigen Maßnahmen gegen Weihnachtsfeiern in England waren selbstmörderisch, und sie waren lächerlich. Man sollte darauf mit einem jener Cracker-Sprüche reagieren, die so viele anzügliche Nebenbedeutungen haben: "Take it easy, but take it!" Frei übersetzt: "Verschluck das Ding, aber verschluck dich nicht dabei!

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