Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Gott spielen

Es waren die Bilder von Piet Mondrian, die den Film-Designer und Art Director Ken Adam 1979 zu der düsteren, futuristisch anmutenden Kommandozentrale in „Moonraker“, seinem letzten James Bond-Streifen, inspirierten. Mit der Kreation des ersten Bond-Films „Dr. No“ hatte er 1960 die Arbeit an der „007-Serie begonnen und erfand dann die originellen fliegenden Fahrzeuge, mit denen der bewährte Geheimagent in Gestalt Sean Connerys und später Roger Moores seinen Feinden regelmäßig ein Schnippchen schlug, um dann noch in letzter Sekunde zu entkommen. Und natürlich stammte die Idee mit dem zwölf Meter hohen mit Goldbarren gefüllten Saal im legendären, weil angeblich uneinnehmbaren Fort Knox, die Gerd Fröbe sich in „Goldfinger“ nur zu gerne unter den Nagel reißen wollte, von ihm. Genau wie das herrlich kitschige Wasserbett voller Fische, auf das Bond in einem anderen Streifen zum Happy-End schließlich mit einer willigen Dame sinkt oder all die putzigen und originellen, aber nicht minder tödlichen Waffen, mit denen „007“ seine Gegner ohne schlechtes Gewissen ins Jenseits beförderte. 1921 in Berlin geboren, mußte Adam als Dreizehnjähriger 1934 mit seiner jüdischen Familie nach England emigrieren. In den letzten beiden Kriegsjahren diente der junge Mann bei der Royal Air Force und flog als einziger Deutscher sogar Kampfeinsätze, als deutsche Bomber London angriffen. Nach Kriegsende ging Adam nach Hollywood. Mit der Kreation der Schiffsflotte in „Des Königs Adamiral“ mit Gregory Peck begann er seine märchenhafte Karriere, die ihm schließlich zwei Oscars einbrachte. Anfang Juni kam der 81jährige jetzt nach Frankfurt, um hier eine Ausstellung über sein Lebenswerk zu eröffnen. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich die Entwürfe für die Bond-Filme. Adam beginnt seine Arbeit regelmäßig mit Schwarzweiß-Skizzen und schafft so dreidimensionale Räume wie beispielsweise das Hauptquartier des Großgangsters Blofield in „Man lebt nur zweimal“. Ganze siebenhundert Tonnen Stahl wurden für die filmische Realisierung später in den riesigen Krater eines erloschenen Vulkans gebaut. Eine harte Arbeit, wenn man an die heutigen Computeranimationen denkt, aber Adam sieht darin absolut keinen Nachteil, denn dadurch hätten die Schauspieler noch direkt und unmittelbar die Atmosphäre eines Raumes fühlen können. Auch der Zuschauer wurde durch die „Echtheit“ der Ausstattung in den Film mit einbezogen. So erzählte Adam die herrliche Anekdote, daß US-Präsident Ronald Reagan, als er in das Weiße Haus in Washington einzog, sich nach dem „War Room“ erkundigte, den Adam 1963 für den Stanley Kubrick-Film „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ entworfen hatte. Der Präsident hatte Adams Kriegszimmer, in dem die mächtigsten Männer der Welt zusammenkamen, um über das Schicksal des Planeten Erde zu pokern, und das als eines seiner größten cineastischen Meisterwerke gilt, für realistisch gehalten. Für diesen „War Room“ erhielt Adam sogar einen Oscar für die beste Filmausstattung. All dies ist auf TV-Bildschirmen, Großleinwänden und einer begleitenden Filmreihe zu sehen, die dem Besucher noch einmal nachhaltig und eindrücklich die visionären Welten des Ken Adam vor Augen führen. „Eine Architektur der Phantasie“ nannte der Regisseur Volker Schlöndorff bei der Eröffnung der Ausstellung als Gastredner die Arbeiten des berühmten Designers. Der findet seinerseits Realismus immer noch „langweilig“, und wenn man die Texte unter den Entwürfen für Straßenzüge in den zwanziger Jahren, Raumschiffe, fliegende Oldtimer und futuristische Kommandozentren liest, kann man dies sogar problemlos nachvollziehen. „Im Studio ist man Gott“, schreibt Adam: „Alles läßt sich bauen, und es wird nur dunkel, wenn man es wünscht!“ Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September im Frankfurter Filmmuseum, Schaumainkai 41 täglich außer montags 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa. ab 14 Uhr zu sehen.

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