Die falsche Richtung

"Wenn man in die falsche Richtung rudert, nützt es nichts, die Schlagzahl zu erhöhen – man muß den Kurs wechseln." Dieses Motto sollte sich Berlin zu Herzen nehmen. Doch nichts passiert. Seit Jahren sitzt die Bundeswehr nun schon im eher ruhigen Norden Afghanistans. Und nach Auskunft von Verteidigungsminister Jung soll das auch so bleiben. Berlin möchte sich keine unnötigen Blessuren zuziehen – aber auch nicht die Nato verprellen. Doch gerade die drängt, mehr Soldaten zu schicken. Nun will Jung das deutsche Kontingent um bis zu 1.000 Mann aufstocken. Welche Farce.

Nicht erst seit heute kommen über 80 Prozent der Bundeswehrsoldaten nicht aus ihrem Stützpunkt heraus. Die Langeweile ist groß. Die Unzufriedenheit ebenso. Was tun? Es gibt nur zwei Varianten: Entweder, der Afghanistan-Einsatz ist politisch zweckmäßig und moralisch gerechtfertigt, dann muß die Bundeswehr bereit sein, überall im Land an der Seite ihrer Verbündeten ihren militärischen Beitrag zu leisten und sich nicht nur im vergleichsweise sicheren Norden hinter meterhohen Barrikaden zu verschanzen. Oder er ist es nicht – dann gibt es nur eins: raus aus Afghanistan! Eine Zwischenlösung gibt es nicht.

Brigadegeneral a. D. Reinhard Günzel war bis November 2003 Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK).

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