Entschuldigung für Stalin

Die Bilanz des Leipheimer Bürgermeisters Christian Konrad kann sich sehen lassen: Seit 2002 konnte unter der Führung des Diplom-Verwaltungswirts und CSU-Politikers das knapp 7.000-Einwohner-Städtchen an der Donau die kommunalen Schulden von acht auf zwei Millionen Euro senken. Dieser Erfolg beschied dem 42jährigen im März 2008 dann auch die Amtsbestätigung mit absoluter Mehrheit. Willi Riedel (SPD), ehemals zweiter Bürgermeister, scheint dies jedoch mit Groll zu erfüllen. Immer wieder versucht er, Konrad als Rechtsextremisten zu denunzieren, zuletzt gar mit einer erfolglosen Dienstaufsichtsbeschwerde. Mit dessen Amt als Landesvorsitzender der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) im benachbarten Baden-Württemberg konnte er ihn Ende Mai immerhin zu einer Erklärung im Stadtrat nötigen, obwohl der Veteranenclub weder verboten ist noch vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Dabei ist es dann passiert: In der sich geschichtspolitisch entwickelnden Debatte zitierte Konrad aus „Der Krieg, der viele Väter hatte“ von Gerd Schultze-Rhonhof: „Stalin hätte auch angegriffen.“ Allgemeines Entsetzen war die Folge. Selbst die Süddeutsche Zeitung berichtete im Bayernteil aufgeregt über diese „Relativierung der Schuld Deutschlands“ im Zweiten Weltkrieg. Parteifreunde zeigten sich besorgt: „Er macht eigentlich einen guten Job“, trotzdem „muß Konrad klar Position beziehen, wo er steht“, forderte CSU-Kreischef Alfred Sauter. Er halte „eine Entschuldigung für angebracht“, wegen Konrads „Vorbildfunktion“. Zumindest dem ebenfalls geforderten OdR-Austritt ist Konrad inzwischen nachgekommen.

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