KZ
Grabkreuze im ehemaligen KZ Flossenbürg Foto: imago images/Westend61
Karl Sack

Jurist und Widerständler

Unter den Protagonisten des militärischen Widerstands gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime zählt er sicherlich zu den weniger prominenten, auch wenn er – als Militärbeamter im Generalsrang und Chef des Heeresjustizwesens – durchaus einer der ranghohen war: Generalstabsrichter Karl Sack.

Heute vor 75 Jahren, am 9. April 1945, wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt, genauso wie seine (wesentlich bekannteren) Schicksalsgenossen Admiral Wilhelm Canaris, Generalmajor Hans Oster – sowie der Theologe Dietrich Bonhoeffer.

Sack war im September 1944 verhaftet und aus der Wehrmacht ausgestoßen worden, ein öffentlicher Prozeß vor dem „Volksgerichtshof“ fand gegen ihn jedoch nicht statt. Die Gestapo warf ihm unter anderem vor, als oberster Jurist des Heeres andere Widerständler in der Wehrmacht abgeschirmt, gedeckt und mit zu milden Urteilen den Defätismus im Heer nicht wirksam bekämpft zu haben. Sein Schicksal vor dem SS-Standgericht besiegelte auch die Tatsache, daß er in Kabinettslisten des Widerstands im Fall des erfolgreichen Staatsstreichs gegen Hitler zeitweilig als Interims-Justizminister vorgesehen war.

Kriegsfreiwilliger und Verbindungsstudent

Sack, 1896 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Bosenheim bei Bad Kreuznach geboren, begann nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium das Jurastudium in Heidelberg. Kurz danach meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Als Infanterist diente er von 1914 bis 1916 an der Ostfront, von 1917 bis 1918 in Frankreich. Fünfmal schwer verwundet und hochdekoriert wurde er als Leutnant der Reserve entlassen.

Anschließend setzte er das Studium in Frankfurt und Gießen fort. Nach Promotion und Assessorexamen trat er in den hessischen Justizdienst ein. Als Richter am Amtsgericht Ober-Ingelheim traf er 1923 auf die Separatisten, die in Bingen die „Rheinische Republik“ ausgerufen hatten und – unterstützt von der französischen Besatzungsmacht – den Anschluß der linksrheinischen Gebiete an Frankreich anstrebten.

Während an den anderen Amtsgebäuden die grün-weiß-roten Fahnen der Separatisten hingen, verweigerte sich der Amtsgerichtsrat Sack diesem Ansinnen. Der Wahlspruch der Burschenschaft („Ehre, Freiheit, Vaterland!“), der Sack als junger Student beigetreten war (Vineta Heidelberg) mag dabei nicht ganz ohne Einfluß gewesen sein.

Die Machtergreifung sah er skeptisch

Als Mitglied der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP), deren Vorstand er 1930 angehörte, begegnete Sack der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit Skepsis. Als 1934 die Militärgerichtsbarkeit wiedereingeführt wurde, wechselte er dorthin und machte Karriere zunächst als Wehrmachtrichter, über die Station eines Oberkriegsgerichtsrat beim VII. Armeekorps in München, Ministerialrat im Reichskriegsministerium und schließlich 1938 Reichskriegsgerichtsrat am Senat für Hoch- und Landesverratssachen in Berlin.

1939 wurde er als Rechtsberater bei der Heeresgruppe A eingesetzt, danach war er stellvertretender Chef der Rechtsabteilung im Oberkommando der Wehrmacht und dann ab 1942 Chef des Heeresjustizwesens und der Heeresrechtsabteilung (ab Mai 1944 im Dienstgrad eines Generalstabsrichters).

Seine Kontakte zur national-konservativen Opposition gegen das NS-Regime knüpfte er bereits in dessen früher Phase. Sack hatte maßgeblichen Anteil daran, den 1938 in einer Intrige zu Unrecht der Homosexualität bezichtigten Oberbefehlshaber des Heeres, Werner Freiherr von Fritsch (1880–1939) juristisch zu rehabilitieren. Später war Sack an konspirativen Gesprächen und Plänen beteiligt und stand mit Henning von Tresckow, Hans Oster, Hans von Dohnanyi sowie Ludwig Beck und Erwin von Witzleben in Kontakt.

Ohne ordentlichen Prozeß wegen Hochverrats verurteilt, mußte Sack am 9. April 1945 seinen letzten Gang zum Galgen antreten. Seine beiden Söhne – geboren 1923 und 1925 – waren da bereits gefallen. Vier Tage nach der Hinrichtung des Obersten Heeresrichters erreichten alliierte Truppen Flossenbürg.

Grabkreuze im ehemaligen KZ Flossenbürg Foto: imago images/Westend61

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