Ein deutsches Sturmgeschütz während der Ardennenoffensive Foto: picture alliance
Zweiter Weltkrieg

Ardennenoffensive 1944: Das letzte Aufbäumen beginnt

Je aussichtsloser die Lage im Zweiten Weltkrieg für das Deutsche Reich wurde, desto verzweifelter wurden die Pläne, wie sich eine Wende erzwingen lassen könnte. Auf dem Gebiet der Waffentechnik zeugen die propagandistisch überhöhten sogenannten Vergeltungswaffen Zeugnis davon. Aber die Raketen V1 und V2 und die Messerschmidt Düsenjäger waren nicht die erhofften Wunderwaffen. Außerdem war ihre Herstellung erschwert durch die andauernden Luftangriffe der Alliierten auf die Produktionsstätten. Ungeachtet dessen kam es darauf an, kampffähige Divisionen mit konventionellen Waffen in die Schlacht zu führen.

Im Dezember 1944 zog die deutsche Armeeführung im Westen ihre Reserven zusammen für einen letzten großen Befreiungsschlag. Was als Ardennenoffensive in die Geschichte einging, war das Resultat geheimer Planungen, die seit dem Vormarsch der Westalliierten im Sommer gereift waren. Während im Osten gegen die Rote Armee nur noch hinhaltender Widerstand geleistet werden konnte, hoffte man im Westen noch einmal das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen.

Hitler glaubte, die Westalliierten durch einen überraschenden Angriff bis nach Antwerpen zurückwerfen zu können und die Hafenstadt zu erobern. Somit wären die Feinde eingekesselt und vom Nachschub abgeschnitten. Der Diktator klammerte sich an die Vorstellung, daß das zu einem Bruch des Bündnisses der angelsächsischen Demokratien mit der Sowjetunion führen würde.. Damit sollte ein Separatfrieden im Westen möglich werden, um so mit den freigewordenen Kräften den Endkampf im Osten zu suchen.

Der Aufmarsch blieb unbemerkt

Es gelang der deutschen Führung mit der 5. und 6. Panzerarmee und der 7. Armee insgesamt 41 Divisionen zusammen zu ziehen. Zur 6. Panzerarmee gehörten auch vier SS-Panzerdivisionen, darunter die prestigeträchtigen „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ und „Das Reich“. Die zuvor bei den siegreichen Kämpfen um Arnheim eingesetzte Division „Hohenstaufen“ und die Division „Hitlerjugend“ wurden ebenfalls ins Aufmarschgebiet verlegt.

General Dwight D. Eisenhower (Mitte), der Befehlshaber der alliierten Truppen in Nordwesteuropa, rechnete nicht mit einer deutschen Offensive Foto: picture alliance / AP Photo

 

Die Bereitstellung der Truppen war ein logistisches Großprojekt, das unter strengster Geheimhaltung stattfand. Pferde brachten schweres Kriegsgerät heran, Tiefflieger übertönten mit ihrem Lärm das Anrücken der Fahrzeuge, die sich über strohbedeckte Wege ihren Stellungen näherten. Um Rauchentwicklung zu vermeiden, durften Landser nur Holzkohlefeuer entzünden.

Da der Aufmarsch den Alliierten verborgen geblieben war, verfügten sie im vorgesehenen Kampfraum in jenen Tagen zunächst nur über vier Divisionen. Die Verantwortlichen bei den amerikanischen und britischen Truppen rechneten nicht mehr mit einer deutschen Offensive. Da die wichtigsten Meldungen bei den Deutschen durch Kradmelder überbracht wurden, blieben den Alliierten die Schlachtvorbereiten verborgen, obwohl sie den feindlichen Funkverkehr abhören konnten.

Deutsche Truppen durchbrachen die Front

Am Morgen des 16. Dezember eröffneten um 5.30 Uhr 3.400 deutsche Geschütze das Feuer auf die überraschten Amerikaner. Auf dem schmalen Frontabschnitt von 120 Kilometern gingen rund 250.000 Landser zum Angriff über. Unterstützt wurden sie von 970 Panzern. Die rund 80.000 amerikanischen Soldaten im Kampfgebiet waren darauf nicht vorbereitet.

Die 6. Panzerarmee unter ihrem Befehlshaber Sepp Dietrich durchbrach die feindliche Front, während die Amerikaner sich ungeordnet zurückzogen. Doch schon kurz nach dem Beginn der Offensive zeigte sich, was die Achillesferse der Deutschen war: der Treibstoffmangel. Einige Einheiten der 6. Panzerarmee blieben so schon früh liegen. Erfolgreicher verlief der Vorstoß der 5. Panzerarmee unter General Hasso Eccard von Manteuffel im Süden des Kampfraumes.

Dezember 1944: Soldaten der Waffen-SS gehen gegen alliiierte Truppen vor Foto: picture-alliance / akg-images

 

Waffen-SS sollte entscheidenden Angriff führen

Die Lage bei den amerikanischen Einheiten war zunächst so chaotisch, daß ihre Führung noch nicht einmal Kenntnis davon hatte, daß es bereits früh Gegenangriffe durch ihre 101. Luftlandedivision gab. Ihr Befehlshaber Dwight D. Eisenhower ahnte jedoch, daß es sich um eine größere deutsche Offensive handeln mußte. Daher beorderte er den erfolgreichen und exzentrischen General George S. Patton mit seiner 3. Armee ins Kampfgebiet. Während zwischen Amerikanern und Briten noch darüber gestritten wurde, ob nicht der britische General und Kriegsheld Bernard Montgomery auch US-Truppen befehligen sollte, banden GIs im belgischen Bastogne bereits starke deutsche Kräfte.

Auf deutscher Seite griff wieder einmal Hitler persönlich in die Operationsführung ein. Er wollte, daß die Waffen-SS den entscheidenden Schlag gegen den Feind führen sollte. Daher wurden nur geringe Reserven für den erfolgreicheren Durchbruch von Manteuffel freigegeben. Stattdessen erhielt der steckengebliebene Dietrich im Norden zur Unterstützung zwei weitere SS-Divisionen. So verstärkt trieb die 6. Panzerarmee ihren Angriff wieder voran, während von Manteuffel im Süden Bastogne umging und auf St. Hubert vorrückte.

Risikofaktoren Wetter und Treibstoffversorgung

Die Gegenmaßnahmen von US-General Omar N. Bradley kamen zu spät und hinkten den Erfolgen der Wehrmacht und Waffen-SS hinterher. Eisenhower sah sich gezwungen, zu handeln. Da Montgomery über das Frontgeschehen besser informiert war, übertrug ihm Eisenhower am 20. Dezember auch das Kommando über zwei US-Armeen. So sollte die Gegenwehr der Alliierten koordiniert werden, um nicht von den deutschen Truppen weiter zurückgedrängt zu werden.

Die ersten Tage der Ardennenoffensive verliefen aus deutscher Sicht durchaus erfolgreich. Zudem hielt das bedeckte Wetter an, was die Grundvoraussetzung für die Attacke war. Denn wegen der schlechten Sicht mußten die feindlichen Maschinen am Boden bleiben. Das Vabanque-Spiel ging ein paar Tage gut, wenn auch mit dem ständig drohenden Spritmangel ein weiterer Risikofaktor gegeben war.

> Der zweite Teil von „Ardennenoffensive 1944“ erscheint am 21. Dezember.

Ein deutsches Sturmgeschütz während der Ardennenoffensive Foto: picture alliance

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