BERLIN. Die deutsche Wirtschaft hat zu Beginn des dritten Quartals erneut an Schwung verloren (die JF berichtete). Produktion, Konsum und Beschäftigung entwickelten sich schwach, heißt es im aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums von Katherina Reiche (CDU).
Zwar haben sich der Ifo-Geschäftsklimaindex und die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zuletzt verbessert. In den tatsächlichen Wirtschaftsdaten ist davon bislang jedoch wenig zu erkennen.
„Insgesamt dürfte die konjunkturelle Erholung im dritten Quartal einen spürbaren Dämpfer erfahren“, heißt es in dem Bericht. Als Belastungen nennt das Ministerium die hohen Energiepreise, die Unsicherheit infolge des Nahost-Konflikts und niedrige Wasserstände auf wichtigen Schifffahrtswegen. Im Produzierenden Gewerbe sank die Produktion im Juli preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. In der Industrie betrug der Rückgang sogar 2,2 Prozent.
Autoproduktion bricht um 9,2 Prozent ein
Besonders schwer traf es die Autoindustrie. Die Produktion von Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen brach innerhalb eines Monats um 9,2 Prozent ein. Dagegen legte die Energieerzeugung um 4,7 Prozent zu, die Bauproduktion stieg um 0,9 Prozent.
Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erhöhten sich auf den ersten Blick um 2,5 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit Dezember 2025. Der Zuwachs beruhte jedoch vor allem auf einzelnen Großaufträgen. Ohne diese gingen die Bestellungen um 1,4 Prozent zurück.
Ein Teil der Großaufträge könnte nach Einschätzung des Ministeriums auf öffentliche Beschaffungen für die Bundeswehr zurückgehen. Hinzu kommen Projekte aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.
Mehr als drei Millionen Arbeitslose
Auch vom privaten Konsum kommt kein Schub. Die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze ohne Kraftfahrzeuge sanken im Juli um 3,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Es war der stärkste Rückgang seit mehr als fünf Jahren.
Als Ursachen nennt das Ministerium gestiegene Verbraucher- und Energiepreise sowie das Ende des Tankrabatts im Juni. Die Inflationsrate erhöhte sich im August auf 2,9 Prozent. Energie verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 10,5 Prozent, während die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel bei 2,4 Prozent lag.
Am Arbeitsmarkt setzt sich die Schwäche ebenfalls fort. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im August auf 3,061 Millionen. Saisonbereinigt kamen 4.000 Arbeitslose hinzu, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Zahl der Erwerbstätigen sank im Juli um 14.000. Im Juni gab es zudem 73.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig bleiben die Firmenpleiten auf hohem Niveau. Von Juli 2025 bis Juni 2026 wurden 24.867 Unternehmensinsolvenzen registriert, 7,6 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Allein im Juni lag die Zahl der beantragten Insolvenzen 15,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor.
Die freundlicheren Stimmungsindikatoren stehen damit weiterhin schwachen Produktions-, Konsum- und Arbeitsmarktdaten gegenüber. Das Wirtschaftsministerium erwartet im weiteren Jahresverlauf vorerst keine breite Belebung der Industrie. (rr)






