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Immer weniger Alternativen vorhanden: Weltenergierat warnt vor einer zunehmend unsicheren Versorgungslage

Immer weniger Alternativen vorhanden: Weltenergierat warnt vor einer zunehmend unsicheren Versorgungslage

Immer weniger Alternativen vorhanden: Weltenergierat warnt vor einer zunehmend unsicheren Versorgungslage

Deutschland, Schkopau, September 2026, Braunkohlekraftwerk Schkopau, größtes Kraftwerk in Sachsen-Anhalt, Stromleitungen, gehört der Saale Energie GmbH, gehört zum tschechischen Energiekonzern EPH, Energieerzeugung, zwei Blöcke, 200 Meter hoher Kamin, 900 Megawatt Gesamtleistung, fossile Energien, das Kraftwerk soll 2034 stillgelegt werden, wahrscheinlich jedoch schon eher, Kohleausstieg, die beiden Blöcke sollen Ende 2034 stillgelegt werden, Energiewende, Klima, Umwelt, Herbst,
Deutschland, Schkopau, September 2026, Braunkohlekraftwerk Schkopau, größtes Kraftwerk in Sachsen-Anhalt, Stromleitungen, gehört der Saale Energie GmbH, gehört zum tschechischen Energiekonzern EPH, Energieerzeugung, zwei Blöcke, 200 Meter hoher Kamin, 900 Megawatt Gesamtleistung, fossile Energien, das Kraftwerk soll 2034 stillgelegt werden, wahrscheinlich jedoch schon eher, Kohleausstieg, die beiden Blöcke sollen Ende 2034 stillgelegt werden, Energiewende, Klima, Umwelt, Herbst,
Das größtes Braunkohlekraftwerk in Sachsen-Anhalt, Schkopau: Deutschlands Verwundbarkeit aufgrund der Volatilität von Preisen, Investitionen und Lieferketten steigt. Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber | Wolfgang Maria Weber
Immer weniger Alternativen vorhanden
 

Weltenergierat warnt vor einer zunehmend unsicheren Versorgungslage

Bundeswirtschaftsministerin Reiche stellt Kernkraft, US-Gas und bezahlbare Energie wieder offen zur Debatte – sehr zum Ärger grüner Lobbyisten. Eine neue Studie zeigt nun, warum Deutschland sich energiepolitische Wunschbilder kaum noch leisten kann.
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Während Friedrich Merz der SPD viele Konzessionen macht, will CDU-Parteifreundin Katherina Reiche wenigstens bei einigen Energiefragen standhaft bleiben. Natürlich nicht beim Tabuthema CO₂-Bepreisung, denn hier bleibt der Kanzler gnadenlos auf Merkel-Kurs: „Wenn uns der Umweltschutz, der Klimaschutz etwas wert ist, dann wird es teurer“, wie er schon im April 2025 vor Amtsantritt in der ARD-Sendung „Miosga“ verriet. Denn es müsse einen Anreiz geben, sparsam zu heizen und CO₂-neutrale Fahrzeuge zu verwenden – weshalb es keinen neuen Tankrabatt gibt.

Aber im März 2026 nutzte die Wirtschaftsministerin ihren Besuch der „CERAWeek“ in Houston/Texas „als Bühne für neue US-Gaslieferungen, Atomkraft und eine Annäherung an die US-Energiepolitik“, monierten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die NGO „Frag den Staat“ vorige Woche. Besonders zu kritisieren sei ihre „Darstellung von erneuerbaren Energien als unzureichend“ und ihre Aussage, dass „Klimaziele kein Selbstzweck“ seien.

Reiche plädierte für einen „an den versorgungstechnischen Gegebenheiten“ orientierten und einen für die Industrie bezahlbaren Strommix und konstatierte: „Der Ausstieg aus der Kernkraft war ein Fehler.“ Das stimmt, und grundsätzlich liegt auch die Ressortzuständigkeit für Energie bei Reiche. Aber für den Ausbau bei Windrädern und Solaranlagen ist Carsten Schneider zuständig. Und DUH & Co. wollen mit ihrer erneuten Skandalisierung von Reiches „CERAWeek“-Auftritt dem SPD-Umweltminister grüne „Munition“ im koalitionsinternen Machtkampf liefern.

Vielleicht ein fragmentierter, aber funktionsfähiger Multilateralismus

Wie bestellt kommt nun auch eine aktuelle Studie des Vereins Weltenergierat Deutschland mit dem Titel „Energie für Deutschland. Fakten, Perspektiven und Positionen im globalen Kontext 2026“. Geschäftsführer und Herausgeber Carsten Rolle fasst deren Kernaussage so zusammen: „Die sichere Lieferung von Energie ist aufgrund wachsender militärischer Konflikte massiv gefährdet. Energieversorgung ist nicht mehr nur ein industrieller Faktor, sondern ein Ausdruck geoökonomischer und sicherheitspolitischer Macht. Die Verwundbarkeit aufgrund der Volatilität von Preisen, Investitionen und Lieferketten steigt.“

Die Blockade der Straße von Hormus sei da nur ein erster Vorgeschmack, so der Bereichsleiter Energie, Mobilität und Umwelt beim Industrieverband BDI. Es gäbe ja auch noch die Straße von Malakka, die den Indischen Ozean und das Südchinesische Meer verbindet, oder den Suez- und den Panamakanal – alles Lieferketten im potentiellen Zugriff von Regierungen, denen Gewalt als Mittel der Wahl legitim erscheine. Auch die Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste des Jemen, die die schiitischen Huthi-Rebellen nun kontrollieren, ist für den Welthandel ähnlich wichtig.


Die von Rolle beauftragten Autoren erstellten drei Szenarien für die Zukunft der Versorgung. Diese zeichneten „weniger Alternativen als unterschiedlichste Intensitätsstufen“. In Szenario 1 bleibt die Weltwirtschaft zwar noch integriert, wird aber weiter instabil. Etwa durch Donald Trumps Zolleskapaden. Das zweite Szenario scheint realistischer: Großraumkonflikte nehmen zu, die Versorgung wird unstetig und nationaler; stabile Preise und Versorgung könne kaum noch jemand garantieren. Im dritten Szenario entsteht ein sogenannter „fragmentierter, aber funktionsfähiger Multilateralismus“.

„Klimaneutralität“ ist illusorisch

Sprich: Alles ändert sich ständig, und man muss sich immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen. Wer jedoch flexibel genug agiert, kann daraus durchaus seinen Vorteil ziehen. Die Studie fordert deshalb für Deutschland „ein verdichtetes strategisches Anforderungsprofil – resiliente, diversifizierte und redundante Energie- und Rohstoffsysteme“. Die Aspekte Energie, Handel, Finanzen, Forschung und Sicherheit in Fragen der Energieversorgung müssten künftig viel enger als bisher miteinander verzahnt werden.

Für die Linken, die Grünen, die SPD und die CO₂-Phobiker in der Union wäre das ein Tabubruch: weil fossile Energiequellen noch auf sehr lange Sicht eine entscheidende Rolle spielen werden und für die Versorgungssicherheit der Industrie unverzichtbar sind. Schließlich stammten 2025 knapp 79 Prozent der Primärenergie – für Industrie, Strom, Verkehr und Wärme – aus „fossilen“ Quellen. „Klimaneutralität“ ist illusorisch. Vielen AfD-Anhängern dürfte die zweite Quintessenz missfallen: Subventionierte Windräder und Solaranlagen sind inzwischen ebenfalls unverzichtbar.

Der Primärenergieverbrauch hat sich von 2015 bis 2025 gewandelt. Grafik: JF
Die Primärquelle hat sich von 2015 bis 2025 gewandelt. Grafik: JF

In den vergangenen beiden Jahren stieg ihr Anteil an der globalen Energieversorgung um jeweils neun Prozent. In Deutschland sind es – zusammen mit Wasserkraft und Bioenergie – im Primärenergiemix zusammen immerhin 21 Prozent. Die Atomenergie wiederum ist zwar ein ganz wichtiger ergänzender Faktor, aber aufgrund der hohen Investitionskosten beim Neubau, der aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen und der umstrittenen Entsorgungsmodalitäten politisch umstritten – was die Zerstörung der laufenden deutschen AKW, aber auch der Kohlekraftwerke (Stichwort: heimische Alternative), besonders verrückt erscheinen lässt.

Kaum ein Staat ist zu völliger energiepolitischer Autarkie fähig

Iwan Jaya Azis, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Cornell University in New York, erläuerte den Hintergrund der Studie: „Die Kollegen vom Weltenergierat haben recht, wenn sie den Wert der EU – zumindest als ökonomisches Bündnissystem und das vor allem bei der Energieversorgung – durchaus betonen. Denn zu völliger Autarkie ist heutzutage kaum noch ein Staat fähig, Deutschland ganz sicher nicht“, so der aus Indonesien stammende Ökonom.

„Gleichzeitig verlieren aktuell unter anderem auch mit diesem Thema befasste traditionelle internationale Vereinigungen wie die Welthandelsorganisation, der Internationale Währungsfonds und die G20 immer mehr an Bedeutung. Das ist ein schon länger dauernder Prozess, Trump hat ihre Marginalisierung nur noch mal beschleunigt“, warnte Azis. „Was bleibt dann aber noch für eine politische Mittelmacht wie Deutschland, wenn sie nicht eines Tages plötzlich allein in Kälte und Dunkelheit dastehen will?“

Aus der JF-Ausgabe Nr. 39/26.

Das größtes Braunkohlekraftwerk in Sachsen-Anhalt, Schkopau: Deutschlands Verwundbarkeit aufgrund der Volatilität von Preisen, Investitionen und Lieferketten steigt. Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber | Wolfgang Maria Weber
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