WOLFSBURG. Der Vorstand der Volkswagen AG hat das Produktionsende an den Standorten Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm festgezurrt. „Die bestehenden Geschäftsmodelle und Strukturen reichen nicht mehr aus“, soll es in einem internen VW-Papier heißen, das der Wirtschaftswoche vorliegt. Demnach sollen die Produktionsstandorte in Emden und Zwickau 2031 geschlossen werden, in Hannover ein Jahr später, in Neckarsulm 2034 (JF berichtete). In den vier Werken arbeiten insgesamt rund 40.000 Beschäftigte.
Das Dokument trägt laut der Zeitschrift den Titel „Bericht zum Konzeptbeschluss Aufsichtsrat 3./4. September 2026“ und soll die Aufsichtsratsmitglieder auf die bevorstehende Abstimmung vorbereiten. Es könne nicht mehr garantiert werden, „die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität des Volkswagen-Konzerns langfristig sicherzustellen“.
Umstrukturierung soll als Gesamtpaket durch den Aufsichtsrat
Zugleich gehe es darum, „das Rating der Volkswagen AG und damit verbundene Kapital- und Refinanzierungskosten zu stabilisieren“. Der Vorstand habe das „Konzept für die gesamthafte Transformation des Volkswagen-Konzerns im Sinne eines Konzeptbeschlusses einstimmig beschlossen“. Nun will er den weitreichenden Sanierungsplan offenbar beim Aufsichtsrat durchsetzen.
In dem Kontrollgremium sitzen neben Vertretern der Kapitalseite auch Arbeitnehmervertreter und Vertreter des Landes Niedersachsen. Dieses hält 20 Prozent an VW und hat dadurch erheblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern haben Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) eine Mehrheit im Aufsichtsrat.
Nur eine betroffene Produktionslinie bleibt in Deutschland
Konkret sehe der Plan vor, die Tiguan-Produktion von Emden ins Škoda-Werk im tschechischen Mladá Boleslav zu verlegen. Der Nachfolger des Audi Q4 e-tron soll künftig nicht mehr in Zwickau, sondern in der slowakischen Hauptstadt Bratislava gefertigt werden. Die T8-Transporterfamilie unter der internen Bezeichnung „B-Space“ soll von Hannover ins polnische Posen und der Audi-A8-Nachfolger von Neckarsulm nach Leipzig wandern. Damit verbliebe nur einer der von den Umstrukturierungsmaßnahmen betroffenen Produktionsstränge weiterhin in Deutschland.
Wie aus dem internen Papier zudem hervorgehe, rechnet der VW-Konzern für 2026 weltweit nur noch mit rund 8,5 Millionen verkauften Fahrzeugen – rund eine halbe Million weniger als im Vorjahr. Schon das erste Halbjahr zeige „eine weitere Reduzierung“ auf dieses Niveau.
Auch weitere Stellen werden bei VW abgebaut
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass bei VW neben den Werkschließungen ein weiterer Stellenabbau im Raum stehe, der mehr als 100.000 Arbeitsplätze betreffen soll. Bis Jahresende werde das Ziel von 50.000 gestrichenen Stellen zu mehr als der Hälfte erreicht. Insgesamt gebe es bereits 37.000 unterschriebene Verträge, 63.000 stünden folglich noch aus.
Abhängig sind die Stellenstreichungen laut Konzernchef Oliver Blume auch von den Gemeinkosten, die deutlich gesenkt werden müssten. Diese umfassen bei Unternehmen alle indirekten Aufwendungen, die nicht direkt einem einzelnen Produkt oder einer Produktionslinie zugeordnet werden können. Dazu zählen typischerweise Kosten für Verwaltung, Personalwesen, IT-Infrastruktur, Marketing, Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Unterstützungsfunktionen. Derzeit lägen diese Kosten bei VW im Schnitt noch etwa 20 Prozent höher als die Zielmarke. (rsz)





