BERLIN. Deutschlands führende Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland wieder nach oben korrigiert. Anders als im März erwartet (JF berichtete) gehen sie von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent aus, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten „Gemeinschaftsdiagnose“ hervorgeht. Zuvor war ein BIP-Wachstum von 0,6 Prozent prognostiziert worden. Grund dafür sei unter anderem eine „kräftige Ausweitung der öffentlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung“, der aber weiterhin schwache Privatinvestitionen gegenüberstünden.
Hinzu kämen Impulse von der „robusten“ Weltkonjunktur und dem wachsenden KI-Sektor. Zwar hätten die Energiepreissteigerungen infolge des Irankrieges die Wirtschaft gebremst, doch die höheren Kraftstoff- und Heizölpreise seien bislang kaum auf die übrigen Verbraucherpreise übergesprungen. Zudem seien Wettbewerber aus der Golfregion „erheblichen Produktionsbeeinträchtigungen“ ausgesetzt gewesen. Damit habe sich die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2026 „deutlich dynamischer“ entwickelt, allen voran die Exporte und das verarbeitende Gewerbe.
IWH-Experte: Wirtschaftswachstum steht auf „schmalem Fundament“
Für das Jahr 2027 erwarten die Wirtschaftsinstitute noch eine BIP-Wachstumsrate von 1,1 Prozent. Im nachfolgenden Jahr jedoch soll diese auf 0,4 Prozent sinken. Der Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, warnte, dass der Aufschwung auf einem „schmalen Fundament“ stehe. „Hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten.“ In der Gemeinschaftsprognose beklagen die Forscher, dass sich „grundlegende Strukturreformen“ zur Eindämmung steigender Sozialversicherungsbeiträge und zur Verbesserung der Investitionsneigung privater Unternehmen nicht abzeichnen würden.
Bei der „Gemeinschaftsdiagnose“ handelt es sich um eine gemeinsame Analyse von fünf Instituten im Auftrag der Bundesregierung. Dazu zählen neben dem IWH das RWI Essen, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, das Ifo-Institut und das Kiel Institut für Weltwirtschaft. (kuk)







