BERLIN. Weniger als die Hälfte der Haushalte in Deutschland lebt in Wohnraum, den sie selbst besitzt. Lediglich 43,5 Prozent der privaten Haushalte lebten im vergangenen Jahr in den eigenen vier Wänden, wie der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günter der Augsburger Allgemeinen mit Verweis auf eine aktuelle Studie des Instituts mitteilte. Das sei der niedrigste Wert seit 2005. Zudem liegt Deutschland damit bei der Eigentumsquote auf dem niedrigsten EU-Rang.
Vor allem jüngere Menschen seien betroffen und könnten sich ihren Wunsch vom Wohneigentum nicht verwirklichen. Fast drei Viertel der 25- bis 45jährigen wohnten in Deutschland zur Miete, berichtete Günther.
Auch Einwanderung trägt zu fehlendem Eigenheim
Hauptursachen seien hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die Wohnbaupolitik der vergangenen Jahre, betonte Günther. Selbst dort, wo die Kaufpreise für Immobilien stagniert oder gesunken seien, seien Doppelverdiener mit durchschnittlichem Einkommen kaum in der Lage, „sich eigene vier Wände zuzulegen“. Seit dem Jahr 2000 seien die Herstellungskosten für Wohnungen um 160 Prozent gestiegen – während die allgemeinen Verbraucherpreise nur um 64 Prozent stiegen.
Doch auch die Einwanderung der vergangenen Jahre habe ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Noch wichtiger sei das Fehlen einer effektiven und bundesweiten Eigentumsförderung. Im März 2021 sei das Baukindergeld abgeschafft worden, welches zuvor „Familien mit Kindern, die niedrigere bis mittlere Einkommen haben“, erreicht habe. „Und es hatte sogar fiskalisch einen enorm positiven Effekt: Ein Förder-Euro hat rund 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen generiert“, sagte Günther.
Günther: Wohneigentum soll politisch gefördert werden
Auch ein Sprecher des Bayerischen Finanzministeriums bestätigte der Augsburger Allgemeinen diese Einschätzung. Sofern das Zinsniveau stabil bleibe und Bauunternehmen über die erforderlichen Kapazitäten verfügten, könne durch eine gesteigerte Bautätigkeit perspektivisch mit deutlichen Steuereinnahmen gerechnet werden. Zudem entlaste zusätzlich geschaffener Wohnraum den Markt insgesamt. Bund und Länder müssten dann auch weniger Wohngeld an finanziell schwächere Haushalte zahlen.

Günther forderte, Wohneigentum politisch zu fördern – als Baustein der Altersvorsorge. Ältere Menschen würden durch steigende Mieten in finanzielle Not gestürzt werden. „Altersarmut ist Mieterarmut“, betonte Günther. Als Gegenmaßnahme plädierte er für einen „Wohneigentumsplan des Bundes“. Ziel müsse es sein, pro Jahr mindestens 200.000 Haushalte in selbst genutztes Wohneigentum zu bringen.
Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) sprach sich bereits für die Wiedereinführung einer steuerlichen Eigenheimförderung in seinem Bundesland aus. Fünf Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten von selbst genutztem Wohnraum sollen als Sonderausgabe bei der Einkommensteuer berücksichtigt werden können – oder als Zulage gewährt. (lb)






