Die Spritpreise in Europa klettern immer weiter in die Höhe. Ein Liter Benzin kostete am 7. September im Durchschnitt der 27 EU-Staaten 1,91 Euro, ein Liter Diesel 2,03 Euro. Das geht aus dem wöchentlich veröffentlichten Ölbulletin der EU-Kommission hervor, dessen Daten Destatis am 10. September veröffentlichte. In Berlin kostete am Donnerstag, den 17. September, Benzin durchschnittlich 2,27 Euro, in Hamburg gar 2,33 Euro und in München 2,25 Euro. Hinter dem Mittelwert verbirgt sich sowohl beim Benzin als auch beim Diesel eine Preisspanne von mehr als einem Euro. Zu den Ländern mit den teuersten Benzinpreisen zählte auch Deutschland.
Doch noch einmal zurück zu den Zahlen vom 7. September. An dem Tag kostete ein Liter 2,33 Euro. Teurer war der Kraftstoff an diesem Tag nur in den Niederlanden und in Dänemark mit durchschnittlich 2,47 Euro, bzw. 2,63 Euro pro Liter. Frankreich lag bei 2,11 Euro, Italien bei 2,03 Euro pro Liter. Am unteren Ende standen Malta mit 1,34 Euro, Bulgarien mit 1,57 Euro und Schweden mit 1,59 Euro pro Liter. Auch bei den östlichen Nachbarn Deutschlands war Benzin am 7. September vergleichsweise günstig. In Tschechien und Polen zahlten Verbraucher im Durchschnitt 1,81 Euro, in Österreich kostete der Liter 1,91 Euro.
Diesel war in Deutschland am 7. September ebenfalls mit am teuersten. Der Tagesdurchschnittspreis für einen Liter Diesel lag wie beim Benzin bei 2,33 Euro. Anders als beim Benzin führte hier jedoch nicht Dänemark, sondern Finnland die Rangliste mit einem Durchschnittspreis von 2,48 Euro pro Liter Diesel an, gefolgt von den Niederlanden und erst dann Dänemark. Am günstigsten war Diesel, wie auch Benzin, am 7. September in Malta mit 1,21 Euro.
Steuern sind die wahren Benzinpreistreiber
Natürlich hat der Irankrieg wirtschaftliche Auswirkungen auf alle Länder Europas. Doch wie sind die so unterschiedlichen Benzinpreise zu erklären? Was die Preise nämlich auseinanderdriften lässt, sind Steuern und Abgaben. In einigen EU-Ländern sind diese besonders hoch. Hochinteressant ist, dass die EU lediglich eine Mindestverbrauchsteuer von 35,9 Cent je Liter Benzin und 33 Cent je Liter Diesel vorschreibt. Nach Daten der Tax Foundation vom Januar 2026 erheben zahlreiche Länder jedoch deutlich mehr. Die Niederlande haben mit 84,5 Cent pro Liter die höchste Benzinsteuer in der EU, gefolgt von Dänemark mit 71,7 Cent und Italien mit 71,3 Cent. Auch Deutschland liegt mit 65,5 Cent im oberen Drittel und erhebt damit eine knapp doppelt so hohe Steuerbelastung, wie es die EU-Mindestvorgabe vorsieht.
Am unteren Ende bewegen sich Bulgarien mit 36,3 Cent und Ungarn mit knapp 41 Cent. Die niedrigste Benzinsteuer erhebt mit 35,9 Cent pro Liter Malta. Das erklärt auch, weshalb Malta, Stand 7. September, unter den EU-Staaten den niedrigsten Benzintagesdurchschnittspreis aufweist. Ein weiterer Faktor, der mit hineinspielt, ist natürlich auch die Mehrwertsteuer, die je nach EU-Staat zwischen 17 und 27 Prozent beträgt und auf den gesamten Preis einschließlich der Verbrauchsteuer erhoben wird. Während Luxemburg und Malta mit 17 beziehungsweise 18 Prozent hier das untere Ende markieren, weist Ungarn mit 27 Prozent den höchsten Steuersatz auf.
Auch die nationalen CO₂-Bepreisungen innerhalb der EU-Staaten verteuern die Spritpreise. In Deutschland, wo der CO₂-Preis seit dem Jahreswechsel in einem Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂ liegt, machen die dadurch entstehenden Kosten insgesamt rund 17 Cent pro Liter Benzin und rund 19 Cent pro Liter Diesel aus. Zwar entrichten die Mineralölkonzerne, die den Kraftstoff in Verkehr bringen, die CO₂-Kosten, sie legen diese jedoch auf die Endverbraucher um.
Deutschland liegt in Top 3 der Dieselsteuerlast
Wie stark die kombinierten Abgaben am Ende zu Buche schlagen, hat Euronews auf Basis von Daten der Europäischen Kommission für den 16. März berechnet: Die Steuerlast je Liter Benzin reichte von 58 Cent in Bulgarien bis 1,24 Euro in den Niederlanden, der EU-Durchschnitt lag bei 96 Cent. Mehr als einen Euro je Liter kassierte der Staat in Deutschland, Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland und Frankreich. Beim Diesel überschritt die Steuerlast nur in Italien und Dänemark die Euro-Marke. Deutschland belegte Platz drei der höchsten Steueranteile. Der Staat verlangte hier 97 Cent Steuern pro Liter Diesel.
Auch in den Vereinigten Staaten hat der Iran-Krieg die Ölpreise und in der Folge auch die Spritpreise nach oben getrieben. Nach Angaben des Automobilclubs AAA kostete eine Gallone Normalbenzin (rund 3,785 Liter) am 16. September im Landesdurchschnitt 4,37 Dollar. Das entspricht gut 1,15 Dollar pro Liter. Umgerechnet entspricht das rund einem Euro. Diesel notierte bei 6,31 Dollar je Gallone. Umgerechnet in Euro entspräche das etwa 1,44 Euro pro Liter. Beides ist letztlich deutlich günstiger als der europäische Durchschnitt und vor allem als die Preise in Deutschland.
US-Amerikaner tanken günstiger
Der Grund für die vergleichsweise niedrigen Preise liegt auch hier in der Besteuerung. Die US-Bundessteuer auf Benzin beträgt nur 18,3 Cent je Gallone und wurde seit 1993 nicht mehr erhöht. Hinzu kommen niedrige Steuern und Gebühren der Bundesstaaten. Beim Benzin lagen diese im vergangenen Jahr im Schnitt bei nur 33,5 Cent je Gallone. Eine Mehrwertsteuer auf Bundesebene gibt es in den USA nicht. CO₂-Steuern, die in Europa als Klimainstrument gelten, existieren in den USA nur in wenigen Bundesstaaten wie Kalifornien.





