BERLIN. Auf einer Wahlkampfkundgebung der Neuköllner Linken hat der Rapper Dahabflex am Samstagabend wiederholt zu einer Intifada aufgerufen und die Parole „Death to the IDF“ gebrüllt. Kurz vor dem Ende seines Auftritts präsentierte er das Lied „Stop the Genocide“, in dem es außerdem heißt: „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza.“
Zahlreiche Besucher, darunter viele Jugendliche, tanzten und sangen die Textzeilen mit, wie der Tagesspiegel berichtete. Im Publikum wurde eine Palästina-Flagge geschwenkt, einzelne Teilnehmer vermummten sich. Obwohl der Neuköllner Linken-Chef Hermann Nehls während des Auftritts die Bühne betrat und Fotos machte, griff kein Parteivertreter ein.
Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, verurteilte den Auftritt am Sonntagnachmittag „aufs Schärfste“ und forderte Aufklärung. „Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung von Menschen sind absolut inakzeptabel“, teilte sie mit. „Ich bin entsetzt, die Verantwortlichen hätten sofort intervenieren müssen.“
Linke Spitzenkandidatin fordert Konsequenzen
Eralp war bei der Kundgebung nicht anwesend. Vom Neuköllner Bezirksverband verlangte sie Konsequenzen und eine Untersuchung, wie es zu der „Grenzüberschreitung“ kommen konnte. Zugleich versicherte sie, für den Schutz jüdischen Lebens und gegen jede Form von Antisemitismus einzutreten.
Nehls erklärte unterdessen, das Lied sei nicht mit der Partei abgesprochen gewesen und vom Künstler spontan gespielt worden. Gewaltaufrufe seien weder in Liedtexten noch in anderer Form hinnehmbar. Der Bezirksverband wolle den Vorgang intern aufarbeiten.
Die Distanzierungen konnten die Angriffe der Konkurrenz nicht verhindern. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf stellte die Regierungsfähigkeit der Linken in Frage, während SPD-Spitzenmann Steffen Krach von einem „Lackmustest“ für die Partei sprach. CDU-Kandidat Stefan Evers forderte SPD und Grüne auf, eine Koalition mit der Linken auszuschließen.

Applaus für Eralps Kufiya-Verteidigung
Besondere Brisanz erhält der Fall durch einen Auftritt Eralps am Vorabend. Bei einem Wahlforum in der Dar-Assalam-Moschee hatte FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer nach möglichen Verbindungen des Imams Taha Sabri zu Unterstützern der Hamas gefragt. Dazu zeigte er ein älteres Foto, auf dem Sabri neben einem mutmaßlichen Hamas-Funktionär zu sehen sein soll.
Die Moderatorin unterbrach Meyer mehrfach und drohte ihm mit Wortentzug. Eralp hielt dem FDP-Politiker entgegen, man müsse über muslimisches Leben sprechen können, ohne die Debatte stets mit religiösem Fundamentalismus zu verbinden. Dafür erhielt sie Beifall aus dem Publikum.
Weiteren Applaus bekam die Linken-Politikerin für die Forderung, neben Antisemitismus stärker über „antimuslimischen und antipalästinensischen Rassismus“ zu sprechen. Das von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 verhängte Verbot von Kufiyas, dem traditionellen Kopftuch der Palästinenser, an Berliner Schulen bezeichnete Eralp als eine Form der Diskriminierung.
Auf einer Veranstaltung des Linken-Bezirksverbands Berlin-Neukölln am Samstag hat der Rapper Dahabflex zu Gewalt gegen Israelis aufgerufen. Der Musiker sang die Zeilen »Yalla, yalla Intifada, Westbank, Palästina, Gaza« und »Death to the IDF«. https://t.co/GRkRzjWSIy
— Jüdische Allgemeine (@JuedischeOnline) August 30, 2026
Eralp hat Chancen auf das Rote Rathaus
Für die Linke kommt die Affäre drei Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl zur Unzeit. In der jüngsten Civey-Umfrage erreicht sie 20 Prozent und liegt damit vor CDU und AfD mit 19 beziehungsweise 18 Prozent. Grüne und SPD folgen mit 15 und 13 Prozent.
Nach diesen Zahlen wäre ein Dreierbündnis aus Linken, Grünen und SPD rechnerisch möglich. Eralp könnte damit am 20. September zur ersten Regierenden Bürgermeisterin aus den Reihen der Linkspartei werden. Der Umgang ihrer Partei mit Israelhass und Antisemitismus dürfte bis dahin zu einem zentralen Prüfstein des Wahlkampfes werden. (rr)






