Anzeige
Anzeige

Landtagswahl am Sonntag: Verdacht auf Briefwahl-Betrug in Sachsen-Anhalter Seniorenheimen

Landtagswahl am Sonntag: Verdacht auf Briefwahl-Betrug in Sachsen-Anhalter Seniorenheimen

Landtagswahl am Sonntag: Verdacht auf Briefwahl-Betrug in Sachsen-Anhalter Seniorenheimen

Mutmaßlicher Briefwahlbetrug im Seniorenheimen: Wie viele Menschen geben ihre Stimme ab, ohne davon zu wissen?
Mutmaßlicher Briefwahlbetrug im Seniorenheimen: Wie viele Menschen geben ihre Stimme ab, ohne davon zu wissen?
Mutmaßlicher Briefwahlbetrug im Seniorenheimen: Wie viele Menschen geben ihre Stimme ab, ohne davon zu wissen? Symbolfoto: picture alliance / CHROMORANGE | Walter G. Allgöwer
Landtagswahl am Sonntag
 

Verdacht auf Briefwahl-Betrug in Sachsen-Anhalter Seniorenheimen

Angeblich vernichtet ein Dessauer Seniorenheim alle Briefwahlunterlagen für die Bewohner. Doch dann kommt heraus: Für mindestens eine schwer demente Frau wurde gewählt. Der JF ist ein weiterer Fall bekannt.
Anzeige

DESSAU. Wie sicher ist die Briefwahl in Seniorenheimen? Erstmals konnte jetzt ein konkreter Verdacht von Wahlbetrug in Sachsen-Anhalt aufgedeckt werden. Dabei geht es um das „Marthahaus“ in Dessau.

Der Neffe einer dementen 95-jährigen Frau stellte Nachforschungen an, weil er die Briefwahlunterlagen für seine Tante nicht erhalten hatte – auch auf Nachfrage beim Leiter des Heims nicht. Dabei bekäme er sonst jeden Brief, jedes Dokument, sogar Werbung und werde über jeden Bedarf seiner Tante informiert, berichtete er der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Der Heimleiter verwies den 74-Jährigen demnach am vergangenen Donnerstag an eine Mitarbeiterin der Einrichtung, die erst am nächsten Tag wieder im Dienst sei. Diese behauptete dann am Freitag, die an die Bewohner verschickten Wahlunterlagen „eingesammelt und geschreddert“ zu haben, ohne sich mit den Angehörigen oder Bevollmächtigten abgestimmt zu haben.

Briefwahl für demente Frau gemacht

Doch als, wenn das nicht schon skandalös genug wäre, kommt nun heraus: Zumindest für die 95-Jährige forderte irgendjemand aus dem Heim Briefwahlunterlagen an – und wählte sogar in ihrem Namen. Das hat man dem 74-jährigen Neffe, der Bevollmächtigter seiner Tante ist, bei Nachfragen im Wahlbüro mitgeteilt.

Lesen Sie mehr über die Ungereimtheiten bei der Briefwahl in Sachsen-Anhalt

Dort habe er erfahren, dass nach Angabe des Geburtsdatums seiner Tante bereits am 10. August die Wahlunterlagen beantragt worden seien. Zudem habe seine Tante bereits gewählt. Die Mitarbeiter hätten ihm auch den Antrag für die Briefwahl mit der „krakeligen“ Unterschrift seiner Tante gezeigt. Welche Partei angekreuzt worden sei, habe man ihm aus Datenschutzgründen nicht verraten dürfen.

Der Neffe hat inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, die der Zeitung vorliegt. Er hält die mutmaßliche Stimmabgabe des Seniorenheims für einen „Skandal“. Schon bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hätten er und seine Frau erste Bedenken gehabt. Im Zuge der Landtagswahl sei er nun erneut auf „Ungereimtheiten“ gestoßen – und ihnen diesmal nachgegangen.

Weiterer Verdachtsfall aus Naumburg

Das beschuldigte Seniorenheim ließ eine Anfrage der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung unbeantwortet und wollte sich auch auf telefonische Nachfrage nicht äußern. Die Stadt bestätigte der Zeitung, dass der Vorfall bekannt sei. Weitere Angaben mache man aber nicht.

Der JUNGEN FREIHEIT ist ein weiterer Verdachtsfall aus Naumburg bekannt. Dort beklagt eine Frau, dass sie „keine Wahlunterlagen für meine Mutter zu Gesicht bekommen“ habe. Ihre Mutter sei „nicht im Stande, ihren eigenen Namen zu nennen“. Sie fragt: „Wer wählt nun für sie und nach welchen Kriterien?“ Der Fall wurde bisher nicht zur Anzeige gebracht. (fh)

Mutmaßlicher Briefwahlbetrug im Seniorenheimen: Wie viele Menschen geben ihre Stimme ab, ohne davon zu wissen? Symbolfoto: picture alliance / CHROMORANGE | Walter G. Allgöwer
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles