MÜNSTER. Die Universität Münster eröffnet am Donnerstag die erste Islamisch-Theologische Fakultät Deutschlands und nach Angaben der Hochschule auch Westeuropas. Rund 300 Gäste aus dem In- und Ausland werden zu dem Festakt im Münsteraner Schloss erwartet. Der Lehrbetrieb beginnt zum Wintersemester 2026/27. Die Fakultät war bereits zum 1. Juli formal gegründet worden und geht aus dem seit 2012 bestehenden Zentrum für Islamische Theologie hervor.
Acht Professoren sollen dort künftig rund 450 Studenten unterrichten. Zu den Schwerpunkten gehören unter anderem islamische Philosophie, Religionspädagogik und Islam in der Sozialarbeit.
Gründungsdekan ist der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide. Die Universität bezeichnet die Gründung als „Meilenstein“ und als Zeichen für mehr Toleranz. Khorchide verbindet mit dem neuen Fachbereich ausdrücklich einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst verwies er auf die Ergebnisse jüngster Landtagswahlen und darauf, dass immer mehr Menschen „rechts wählen“. Man müsse deren Argumente und Ängste ernst nehmen. Viele entschieden sich auch deshalb für Parteien am rechten Rand, weil sie Angst vor einer „sogenannten Islamisierung“ hätten.
Fakultät will auf Islam-Skeptiker zugehen
Die islamische Theologie müsse daher auch Menschen ansprechen, die dem Islam skeptisch gegenüberstünden oder Ängste hätten, sagte Khorchide. Ziel sei es, ein „weltoffenes Verständnis“ des Islams in die Gesellschaft zu tragen. Zugleich solle die Fakultät Angebote für junge Muslime in sozialen Netzwerken entwickeln, um islamistischen Angeboten etwas entgegenzusetzen.
Als weitere Themen nannte der Gründungsdekan Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit, Diversität, Homosexualität und den Umgang mit Minderheiten. Die Fakultät solle dabei keine Interessenvertretung des Islams sein. Vielmehr wolle man einen Beitrag „für uns alle, als Menschen, als Deutsche, als Europäerinnen und Europäer“ leisten.
Künftig sollen die islamische, katholische und evangelische Theologie gemeinsam mit der Religionswissenschaft auf einem neuen Campus untergebracht werden. Bibliothek, Mensa und weitere Einrichtungen sollen gemeinsam genutzt werden.

Christliche Fakultäten müssen sparen
Die Gründung fällt allerdings in eine Zeit erheblicher Sparmaßnahmen an der Universität. Wegen eines strukturellen Defizits von 25 Millionen Euro sollen bis 2036 insgesamt 36 Professuren wegfallen. Die Hochschule will damit nach einem Bericht von „Kirche und Leben“ 11,5 Millionen Euro einsparen.
Davon betroffen sind auch die beiden christlichen theologischen Fakultäten. Die Katholisch-Theologische Fakultät verliert bis 2031 vier ihrer 22 Professuren. Bei der Evangelisch-Theologischen Fakultät fallen zwei von 16 Professuren weg. Gemeinsam müssen beide Fachbereiche rund 1,5 Millionen Euro einsparen. Die neu gegründete Islamisch-Theologische Fakultät bleibt von diesen Kürzungen dagegen verschont. „Kirche und Leben“ zufolge begründet die Universität die Einschnitte bei den christlichen Fakultäten unter anderem mit deutlich gesunkenen Studentenzahlen. (rr)





