BERLIN/LEIPZIG. Die Ermittler im Fall des gescheiterten Drohnenanschlags auf den Flughafen Leipzig/Halle haben laut einem Medienbericht zwei russische Staatsbürger als Tatverdächtige identifiziert. Bei einem davon soll es sich um einen lettischen Doppelstaatler handeln, berichten der NDR, der WDR und die Süddeutsche Zeitung. Demnach soll er als Logistiker agiert und Anleitungen gegeben haben. Ende Juli soll er über den Berliner Flughafen BER mit einem Mietwagen nach Sachsen gefahren sein. Zwei Tage vor dem Sabotageversuch sei er erneut ausgereist.
Der andere Beschuldigte, ein aus Belarus stammender Mann, soll bereits im Baltikum mit Straftaten aufgefallen sein. In den Schengenraum sei er dem Bericht zufolge mit einem italienischen Touristenvisum eingereist, das den Ermittlern zufolge in der italienischen Auslandsvertretung in Minsk ausgestellt worden sei. Die Ermittler hätten die am Tatort gefundenen DNS-Spuren identifiziert und ihm zugeordnet. Ob die beiden Verdächtigen gefasst werden können, sei offenbar fraglich.
Dobrindt: Sabotage in Leipzig ging von Wegwerfagenten aus
Unterdessen wies Russlands Präsident Wladimir Putin jegliche Beteiligung an der Drohnenaktion zurück „Wo sind die Beweise?“, fragte er bei einer Pressekonferenz am Dienstagabend. Bisher vorgelegte Belege seien demnach „gefälscht“. Die Reaktion der Bundesregierung (JF berichtete) sei vor allem innenpolitisch motiviert.
Zuvor hatten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) eine Reihe von Gegenmaßnahmen angekündigt. Dazu zählen unter anderem die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn, die Vertragskündigung für das Russische Haus in Berlin sowie verschärfte Einreisekontrollen für russische Staatsbürger. „Unsere Botschaft ist klar: Wir werden uns durch Russlands Angriffe nicht in unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt spalten oder einschüchtern lassen“, so Wadephul.
Laut Dobrindt seien „Tatmittel wie die Drohnenkonfiguration, diverse Bauteile, Sprengstoff und Zündtechnik verwendet“ worden, „die aus anderen hybriden Operationen Russlands und dessen Krieg gegen die Ukraine“ bekannt seien. Die Technik sowie deren Zusammenspiel ließen demnach „ein hohes Maß“ an Expertise und „erheblichen organisatorischen Aufwand“ erkennen. Die Ausführung sei zudem dem Bereich der sogenannten Wegwerf-Agenten zuzuordnen. Dabei handelt es sich um Akteure ohne professionelle Ausbildung, die meist über das Internet angeworben werden.
Laut Ermittlern waren mehr Drohnen im Einsatz als bisher bekannt
Am Abend des 4. August war eine mit Sprengstoff beladene Drohne auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle entdeckt worden. Überwachungsvideos zufolge flog diese auf eines der dort befindlichen ukrainischen Antonow-Frachtflugzeuge zu (JF berichtete). Anschließend soll die Drohne auf einer Tragfläche des Antonow eingeschlagen und zu Boden gefallen sein, ohne aber zu explodieren. Der Flughafen gilt als wichtiges Drehkreuz für Waffenlieferungen in die Ukraine.
Insgesamt hatten die Ermittler drei Sabotagedrohnen festgestellt. Zuletzt wurde eine davon zehn Tage nach dem Flughafenvorfall in Kabelsketal gefunden. Auch dort fanden die Ermittler einen Sprengstoff. Inzwischen gehen sie davon aus, dass mehr Drohnen im Einsatz gewesen sein könnten als bisher bekannt. (kuk)






