19 Uhr: Damit beendet die JUNGE FREIHEIT für heute ihren Liveticker. Morgen geht es an dieser Stelle weiter mit allen wichtigen Ereignissen zu den anstehenden Landtagswahlen.
18.45 Uhr: Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt Bürger aus allen sozialen Milieus. „Mittlerweile muss man sagen, findet die AfD Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen“, sagte Stefan Merz vom Meinungsforschungsinstitut dimap am Montag gegenüber dem Deutschlandfunk. Zwar gebe es weiterhin typische AfD-Wählergruppen, betonte Merz. Das sei etwa „ein männlicher Arbeiter mittleren Alters mit Haupt- oder Realschulabschluss, der eben nicht in Halle oder Magdeburg, sondern auf dem Land oder in einer Kleinstadt lebt“. Doch obwohl die AfD weiterhin mehrheitlich von Männern gewählt werde, sei sie inzwischen auch unter Frauen stärkste Kraft.
Auch unter älteren Bürgern und Großstadtbewohnern – traditionell schwierige Gruppen für die AfD – steige die Zustimmung für die Rechtspartei. Dasselbe gelte für Angestellte, Beamte und Abiturienten.
Nahezu unverändert blieben Merz zufolge die Gründe dafür, die AfD zu wählen. Dort ist Zuwanderung weiterhin das meistgenannte Thema.
Zugleich warnte der Meinungsforscher davor, aktuelle Umfragen überzubewerten, schließlich habe sich in Sachsen-Anhalt jeder Dritte noch nicht entschieden. Bereits vergangene Wahlen in dem Bundesland hätten gezeigt, „dass sehr viele Menschen erst auf den letzten Metern entscheiden“, konstatierte Merz.
18.30 Uhr: CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze hat den AfD-Kandidaten Siegmund scharf attackiert. Gegenüber dem Spiegel sagte der amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Siegmund sei „nichts anderes als eine Marionette für ganz andere Menschen, vor allen Dingen Frau Weidel, die aus Sachsen-Anhalt heraus Einfluss in Berlin bekommen will“.
Zudem behauptete Schulze, nicht Siegmund allein, sondern sein Umfeld sei gefährlich. „Der Herr Siegmund, der macht das ganz geschickt, der schlängelt immer drumherum, aber es sind die Menschen um Herrn Siegmund herum.“ Als Beispiel dafür nannte der den sachsen-anhaltischen AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, der einen maßgeblichen Einfluss auf das Wahlprogramm seiner Partei gehabt habe. In dessen Büro steht eine Tasse mit rotem Stern und der Aufschrift „Armee Russlands“ in kyrillischen Buchstaben.
Schulze sagte dazu, er wolle „die russische Armee nicht wieder bei uns zu Hause auf unserem Boden stehen haben“. Er sei – wie Millionen andere Menschen in der ehemaligen DDR – froh über den damaligen Abzug der Russen gewesen. Er könne es gerade deshalb nicht verstehen, „warum ein führender Vertreter einer Partei, die jetzt in Umfragen vorn liegt, die hier den Ministerpräsidenten stellen will, genau das quasi glorifiziert“. Das Deutschland, das die AfD sich wünsche, sei „nicht das Deutschland, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte“, betonte Schulze.
18.05 Uhr: AfD-Spitzenkandidat Siegmund hat die Warnung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor einer Wirtschaftskrise in Sachsen-Anhalt infolge einer AfD-Regierung entschieden zurückgewiesen. Merz hatte zuvor gesagt, es sei gut möglich, dass Investoren einem AfD-regierten Bundesland künftig fernbleiben würden. Siegmund behauptete nun gegenüber „Welt TV“, dass „genau das Gegenteil“ passieren werde. Vor allem internationale Investoren aus konservativen Staaten würden dadurch nicht abgeschreckt, sondern ermutigt werden, in dem Bundesland Projekte zu starten.
Solche Unternehmen sähen es als Wettbewerbsvorteil, „wenn wir endlich auch wieder eine langfristige Planungssicherheit haben, wenn wir keine Klimavorgaben haben, keine Quotenvorgaben“, betonte der AfD-Kandidat. Sachsen-Anhalt werde mit ihm als Ministerpräsidenten eine „wirtschaftspolitische Blütezeit“ erleben.
Schuld an der aktuell schlechten ökonomischen Lage sei Friedrich Merz selbst. „Seine aktuelle Wirtschaftspolitik, die spricht hier eine eindeutige Sprache. Wir erleben gerade eine Deindustrialisierung in diesem Land. Betriebe schließen, Betriebe verlassen dieses Land. Das heißt, die Realität spricht hier eine eindeutige Sprache“, betonte Siegmund.
17.55 Uhr: Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bürger zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischer Weltanschauung aufgerufen. „Ich glaube, wir müssen jetzt mal wieder, was wir viele Jahrzehnte nicht mussten, richtig für diese Demokratie kämpfen und uns einfach einsetzen und auch ein bisschen mutig sein und unser Wort stehen und sagen, das ist eine tolle Art zu leben“, sagte Merkel am Wochenende bei einer Veranstaltung in Berlin.
Die AfD sei längst kein rein ostdeutsches Phänomen mehr, sondern ein „gesamtdeutsches“, warnte die Christdemokratin. Die Erfolge der Rechtspartei bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hätten das gezeigt.
Für die 72jährige ist es ein Problem, dass gesellschaftliche Debatten zunehmend von der AfD angestoßen würden. Im sachsen-anhaltischen Wahlkampf habe es die Partei um Spitzenkandidat Siegmund geschafft, „all unsere Gespräche von morgens bis abends zu bestimmen“, monierte Merkel. Dadurch gerieten andere Themen in den Hintergrund. Viele Bürger wüssten kaum noch, was die Forderungen der anderen Parteien sind.
17:35 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze hat sich erneut für den Erhalt der sogenannten Rente mit 63 Jahren ausgesprochen. Im Gespräch mit dem Spiegel verteidigte der Christdemokrat die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen zu können. Damit stellt er sich gegen seinen Parteifreund Friedrich Merz, denn der Bundeskanzler will diese Regel abschaffen.
Noch Ende Juni hatte Schulze die Vorschläge der Rentenkommission, unter anderem die Rente mit 63 Jahren abzuschaffen, ausdrücklich gelobt. Nun sagte er dem Spiegel, bei den geplanten Rentenreformen müsse verstanden werden, „dass die Situation bei uns in Ostdeutschland grundlegend anders ist als in Westdeutschland“. Viele Bürger – vor allem jene in körperlichen Berufen – seien schlicht nicht in der Lage, länger zu arbeiten.
Dennoch betonte er, „nicht das ganze Thema torpedieren“ zu wollen. „Ich bin immer kompromissbereit, aber ich werde eines nicht machen, ich werde mich da nicht irgendwie verbiegen“, versprach der CDU-Politiker.
Gegenüber „Welt TV“ zeigte er sich skeptisch gegenüber einem möglichen AfD-Verbot. Er sei kein Jurist und habe sich nicht genug mit diesem Thema beschäftigt, um die Erfolgsaussichten eines Verbotsverfahrens einschätzen zu können. Zudem betonte Schulze: „Ich möchte die AfD in Wahlen schlagen.“
17 Uhr: Die Linkspartei hat die U18-Wahlen in Sachsen-Anhalt deutlich gewonnen. Wie der für die symbolischen Wahlen zuständige Kinder- und Jugendring mitteilte, kam die Linkspartei auf 31,1 Prozent, gefolgt von der AfD mit 22,1 Prozent. Dahinter kommen die Grünen mit 12,7 Prozent, die SPD mit 8,7 Prozent sowie die CDU mit 6,6 Prozent.
Insgesamt 3.123 Minderjährige in 62 Wahllokalen in ganz Sachsen-Anhalt hatten an der Wahl teilgenommen. Das Ergebnis ist nicht repräsentativ.
In Sachsen-Anhalt darf nur wählen, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat – anders als in Berlin, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. In diesen Bundesländern sind bereits 16jährige wahlberechtigt.
16.30 Uhr: Die Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahlen, Susan Sziborra-Seidlitz, hat sich erneut zur rechtsextremen Vergangenheit ihres Ehemanns geäußert. Dieser war in den neunziger Jahren offenbar Kader in der neonazistischen Kameradschaftsszene Quedlinburgs. In einem Antifa-Magazin von 1995 wurde David Seidlitz als „stadtbekannter Neonazi“ aufgeführt und einer Gruppe namens „Deutsche Recken“ zugerechnet, wie Compact berichtete. Heute ist Seidlitz als Grünen-Regionalgeschäftsführer für Sachsen-Anhalt Mitte tätig. (JF berichtete).
„Ich will das nicht kleinreden, er war Teil der rechtsextremen Szene in Quedlinburg. Aber das ist 30 Jahre her“, sagte Sziborra-Seidlitz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode. Zudem betonte sie anhand ihres Ehemannes, dass sich „auch Rechtsextreme für die Demokratie zurückgewinnen“ ließen, „weil die Demokratie das überzeugendere Argument ist“.
Gegenüber dem Spiegel kritisierte ein Sprecher der Grünen die aktuelle Debatte als „durchsichtiges Wahlkampfmanöver aus dem rechtsextremen Umfeld der AfD“. Die Geschichte sei bereits seit Jahren öffentlich bekannt.
15.55 Uhr: Das BSW hat am Sonntag in der Landeshauptstadt Magdeburg eine öffentliche Veranstaltung abgehalten. Unter dem Motto „Festival der Meinungsfreiheit – Gemeinsam gegen Cancel Culture“ sprachen Politiker, Publizisten und Wissenschaftler über Meinungs- und Kunstfreiheit, Fehler in der Corona- und Außenpolitik sowie über ähnliche Themen. Laut einem Sprecher des BSW kamen etwa 1.350 Besucher zu der ganztägigen Veranstaltung, in einer späteren Mitteilung wurde eine Zahl von etwa 2.000 Teilnehmern kommuniziert.
Was für ein starkes Zeichen: 1.350 Besucher beim #BSW-Festival der Meinungsfreiheit in #Magdeburg 💜🧡
Unsere Botschaft ist klar: Wir lassen uns die Meinung nicht verbieten und werden Konformitätsdruck, Ausgrenzung Andersdenkender und Cancel Culture nicht akzeptieren.
Es geht… pic.twitter.com/yMVJVX4zFT
— BSW Bund (@BSWbund) August 30, 2026
BSW-Gründerin Wagenknecht trat auch auf und monierte einen gesellschaftlichen Trend, wonach viele „nicht mehr öffentlich sagen, was sie denken, zumindest, wenn sie anders denken als die Regierung“. Da sei vor allem bei friedenspolitischen Themen derzeit ein großes Problem. „Das ist eine Entwicklung, die wir unbedingt stoppen müssen“, mahnte Wagenknecht.
Die Wagenknecht-Partei kämpft in Sachsen-Anhalt ums politische Überleben. Eine aktuelle Umfrage der „Forschungsgruppe Wahlen“ im Auftrag des ZDF sieht die Linkspartei-Abspaltung in dem Bundesland derzeit bei drei Prozent. Um eine Fraktion im neuen Landtag stellen zu können, benötigt jede Partei mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen.
15.35 Uhr: SPD-Spitzenkandidat Stefan Schneider hat eine aufgeheizte und aggressive Stimmung im Landtagswahlkampf kritisiert. Er werde auf der Straße als „Volksverräter“ beschimpft und Türen würden vor seiner Nase zugeschlagen werden. „Das ist manchmal sehr frustrierend“, sagte Schneider dem Focus.
Der 36jährige tritt in Wahlkreis 41 im Süden Sachsen-Anhalts an. Die Gegend gilt als AfD-Hochburg, bei den Landtagswahlen 2021 holte die Rechtspartei dort ihr einziges Direktmandat – alle anderen 40 Wahlkreise des Bundeslandes fielen an die CDU.
Die SPD steht laut einer aktuellen Umfrage des Instituts „Forschungsgruppe Wahlen“ im Auftrag des ZDF landesweit bei neun Prozent. Bei den Landtagswahlen 2021 erhielten die Sozialdemokraten noch zehn Prozent der Stimmen.
15.05 Uhr: AfD-Bundeschefin Alice Weidel hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert, nachdem dieser vor „erheblichen Schäden“ im Falle einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt gewarnt hatte. „Kein Bundeskanzler hat die wirtschaftliche Misere und Deindustrialisierung unseres Landes so vorangetrieben wie Friedrich Merz. Seine arroganten Drohgebärden in Richtung der mündigen Wähler in Sachsen-Anhalt zeigen: Die politische Elite in Berlin zittert vor dem Souverän und der von ihm ausgestellten Quittung für ihr Regierungsversagen“, sagte Weidel am Montag.
Die Wahlen in Sachsen-Anhalt seien auch für die Bundesregierung wegweisend. Merz habe „mit seiner gescheiterten Brandmauer-Politik“ die „einzige verbliebene Oppositionskraft in Deutschland politisch ausgegrenzt und damit dringend notwendige Reformen verhindert“, kritisierte die AfD-Vorsitzende. Der Wählerwille werde „diese ruinöse antidemokratische Blockadepolitik endgültig zum Einsturz bringen“, versprach Weidel.
14.30 Uhr: Baden-Württembergs ehemaliger Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat gegenüber dem Online-Medium „Table.Briefings“ angekündigt, aus seiner Partei auszutreten, sollte die Brandmauer zur AfD fallen. „Dann ist das nicht mehr meine CDU“, betonte der amtierende Landtagspräsident von Baden-Württemberg. Er lehne jegliche Zusammenarbeit mit der Rechtspartei ab und werde alles in seiner Macht Stehende tun, um eine solche zu verhindern.
Strobls Parteifreund Volker Kauder, ehemaliger Fraktionschef der Union im Bundestag, hält ebenfalls an der Brandmauer fest. Wenn diese fällt, sei die CDU „erledigt“, warnte er. Kauder zeigte sich „entsetzt“ darüber, dass er aus Parteikreisen mit Blick auf eine AfD-Kooperation regelmäßig höre: „Ihr müsst es halt mal probieren“.
Auch die Linkspartei hält Kauder für „sehr problematisch“. Zugleich betonte er: „Aber AfD auf keinen Fall. Das müssen wir gelernt haben.“
Scharfe Kritik an den Äußerungen Strobls kam von der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion. Strobl habe als Landtagspräsident seine Aufgabe missachtet, „überparteilich zu handeln und den Willen des Volkes zu repräsentieren.“ AfD-Fraktionschef Martin Rothweiler sagte dazu: „Erpressung scheint zum neuen Markenkern der CDU zu werden.“
14.05 Uhr: Der amtierende Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, hat bei „WELT TV“ die eigene Regierungsarbeit gelobt. So habe Sachsen-Anhalt im ersten Halbjahr dieses Jahres lediglich 1.000 neue Migranten registriert. „Das ist ein Bruchteil dessen, was wir in den letzten Jahren hatten.“ So wenige Personen seien zuletzt in den Jahren 2011 und 2012 in das Bundesland gekommen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) habe wichtige Asylreformen in die Wege geleitet. „Die Migrationswende ist da“, betonte Schulze.
Auch energiepolitisch habe seine Regierung gute Arbeit geleistet. So habe die Abschaffung der Gasspeicherumlage dafür gesorgt, dass die örtliche Chemieindustrie erhalten blieb. Mit Blick auf mögliche Regierungskonstellationen nach den Wahlen am Sonntag, betonte der Christdemokrat: „Ich möchte nicht, dass meine Heimat ein Experimentierfeld wird.“ Konkrete Aussagen, wie eine CDU-geführte Landesregierung aussehen würde, tätigte er nicht. Mit Blick auf eine mögliche Kooperation mit der Linkspartei, aber auch mit der AfD, sagte Schulze: „Ich werde mich nicht abhängig machen.“
Dem BSW, das in der Vergangenheit immer wieder einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten gefordert hatte (JF berichtete), warf er vor, es gehe der Partei alleine darum, „wieder Einfluss in Berlin zu gewinnen“. Sollte es die Wagenknecht-Partei in den Landtag schaffen, werde sie den AfD-Kandidaten Siefgmund unterstützen, zeigte sich Schulze überzeugt. Parteigründerin Sahra Wagenknecht betreibe einen „irren Wahlkampf“, dessen Themenschwerpunkte nichts mit Sachsen-Anhalt zu tun hätten.
13.35 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schließt eine gemeinsame Regierung seiner Parteifreunde mit der Linkspartei in Sachsen-Anhalt kategorisch aus. „Es ist völlig klar: Eine Regierung mit den Linken kann es nicht geben“, sagte Kretschmer im ZDF-Morgenmagazin. „Da sind die inhaltlichen Unterschiede so groß, so gewaltig. Das schließt sich aus.“
Kretschmer führt in Sachsen selbst eine Minderheitsregierung an, die auch auf gemeinsame Mehrheiten mit der Linksfraktion angewiesen ist.
Sein Parteifreund Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, sieht die Linkspartei anders. Er äußerte sich zwar nicht zu möglichen Regierungen in Sachsen-Anhalt, jedoch sagte er Mitte Mai in der ARD-Sendung „Maischberger“, dass man „AfD und Linkspartei nicht in einen Topf schmeißen“ könne. „Die AfD ist die deutlich größere Gefahr.“
13.10 Uhr: BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sagte am Montag bei n-tv, die Politik der CDU und „der alten Parteien“ habe dafür gesorgt, dass die AfD in den Umfragen so gut dastehe. Ihre Partei habe nicht vor, CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze zu wählen. Es brauche „in Sachsen-Anhalt, aber längerfristig auch auf Bundesebene einen politischen Neubeginn – und kein ‚weiter so!‘“
Das BSW wünsche sich „einen überparteilichen Ministerpräsidenten“, betonte Wagenknecht. Zudem kritisierte sie Siegmunds Ankündigung, ohne Alleinregierung nicht zur Ministerpräsidentenwahl antreten zu wollen. Das sei „absolut falsch“, monierte die 57jährige.
Auf Kritik an der eigenen Partei äußerte die ehemalige Linkspartei-Politikerin. So habe in Thüringen das Eintreten in eine „Brombeer-Koalition“ aus CDU, BSW und SPD und die darauffolgende Regierungsarbeit im Freistaat das Vertrauen der Menschen in das BSW massiv geschwächt. Es war ein Fehler, „auf diese Art in eine Regierung zu gehen, wo BSW-Politik nicht erkennbar, oder wenig erkennbar ist“.
12.30 Uhr: In der vergangenen Woche hatten in der Landeshauptstadt Magdeburg 440 doppelt gedruckte und versendete Wahlscheine für Briefwähler für Aufregung gesorgt (JF berichtete). Die Stadtverwaltung teilte daraufhin mit, dass die entsprechenden Nummern der Briefwahlunterlangen auf einer Liste als ungültig markiert werden, um Wahlbetrug zu verhindern.
Daher sei eine mehrfache Stimmabgabe nicht möglich, betonte ein Sprecher der Magdeburger Stadtverwaltung. Die Integrität der Wahl sei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet, betonte er. Die Liste mit den ungültig gemachten Wahlscheinnummern liege den Wahlvorständen und Briefwahlvorständen am Wahlsonntag vor und diese würden alle eingegangenen Briefwahlunterlagen anhand dieser Liste überprüfen. Stimmen mit den ungültigen Wahlscheinnummern würden bei der Auszählung nicht berücksichtigt.
Vor wenigen Tagen war ein vergleichbarer Fall publik geworden – dieses Mal mit 1.184 Wahlzetteln in Halle, wie ein Sprecher der Stadt am Freitag mitteilte. Grund sei ein technischer Fehler auf Seiten des technischen Dienstleisters. Auch in Halle sollen betroffene Bürger unverzüglich einen neuen Wahlschein erhalten. „Wer betroffen ist, erkennt dies daran, dass den Briefwahlunterlagen ein entsprechendes Informationsschreiben des Wahlleiters beigefügt ist, das erläutert, welche Schritte zu beachten sind, damit die Ordnungsmäßigkeit der Wahl sichergestellt ist und jeder Briefwähler eine gültige Stimme abgeben kann“, teilte ein Sprecher der Stadt mit.
11.55 Uhr: Der sachsen-anhaltische AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider hatte am Sonntag für Kritik gesorgt, weil in seinem Büro eine Tasse mit der Aufschrift „Armee Russlands“ steht. Gegenüber dem Bild-Reporter Paul Ronzheimer hatte Tillschneider gesagt: „Die hat mir jemand geschenkt. Ich wollte sie jetzt nicht wegtun.“ Er verbinde damit nichts Besonderes. Auf den Ukrainekrieg angesprochen, sagte der AfD-Politiker: „Es ist nicht unser Krieg.“
Nun betonte Tillschneider gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, es handele sich dabei „um ein Mitbringsel von einer Russlandreise aus 2023 oder 2023, über das schon mehrfach berichtet wurde. Insofern verstehen wir die Skandalisierung nicht“.
Bild-Journalist Ronzheimer hatte im Nachgang behauptet, Tillschneider habe versucht, die Veröffentlichung des Videos zu verhindern. Tillschneider selbst bestätigte das nun gegenüber der dpa. Er habe „aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams“ versucht, den Videobeitrag zu verhindern.
11.30 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schaltet sich in den Wahlkampf ein. Der Kanzler sagte im ARD-Sommerinterview, in Sachsen-Anhalt stehe „die Regierungsfähigkeit eines ganzen Bundeslandes auf dem Spiel“. Zudem warnte er Sympathisanten der AfD: „Wenn das so kommt, wie das in den Umfragen möglich erscheint“, werde Sachsen-Anhalt „erhebliche Probleme“ bekommen (JF berichtete).
Er könne sich nicht vorstellen, dass internationale Investoren ein Interesse an Projekten in einem Bundesland mit AfD-Ministerpräsidenten hätten, betonte Merz. Auf die Nachfrage, ob die CDU in dem Land für eine Koalition mit der Linkspartei offen sei, reagierte er ausweichend. „Wir werden das im Lichte des Wahlergebnisses anschauen.“
11.00 Uhr: Der Chef des sachsen-anhaltischen Ölherstellers Addinol, Georg Wildegger, sagte am Montag gegenüber der Wirtschaftswoche, er habe seine Mitarbeiter vor einer Wahlentscheidung für die AfD gewarnt. Er sei früher „sehr zurückhaltend mit politischen Äußerungen“ gewesen. „Wenn mich jemand privat danach gefragt hat, habe ich meine Meinung gesagt. Aber ich habe sie gegenüber Mitarbeitern nie von mir aus kundgetan.“ Inzwischen habe sich das geändert, denn er mache sich große Sorgen vor einem Ministerpräsidenten Siegmund.
Dieser rede „von ‚kleinen Säuberungen‘ in Ministerien und anderen Behörden“. Beamte, die AfD-kritisch eingestellt sind, müssten damit rechnen, abgesetzt zu werden. „Das ist eine Ansage, wie ich sie so vorher noch nie gehört habe und die mich als Bürger extrem besorgt.“ Als Unternehmer blicke er auch mit Sorge auf mögliche wirtschaftliche Folgen einer AfD-Regierung, denn deren Wahlprogramm sei „Gift für unsere Wirtschaft“, betonte Wildegger. Durch eine AfD-Landesregierung würde sich „keines der Probleme in unserem Land lösen“, stattdessen entstünden viele neue, zeigte sich der Unternehmer überzeugt.
10.45 Uhr: Beim Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland in Magdeburg am vergangenen Sonntag stellte sich der Siegmund einem Kurzinterview mit der JUNGEN FREIHEIT. Auf die Frage, wie er als Ministerpräsident Abschiebungen am ersten Tag seiner Amtszeit möglich machen wolle, antwortete der AfD-Kandidat, er werde „Aufnahmeeinrichtungen umwidmen in eine Abschiebehafteinrichtung“.
Wie will Ulrich Siegmund überhaupt Abschiebungen ab Tag 1 möglich machen? Wir haben gefragt. pic.twitter.com/XCZrXMGerq
— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) August 29, 2026
Wichtiger sei es jedoch, soziale Anreize abzubauen, die zur illegalen Einreise motivieren. Es gebe viele solcher Maßnahmen, die auf Landesebene möglich seien – etwa eine Arbeitspflicht für Asylbewerber. Um alle politischen Ziele zu erreichen, sei eine AfD-Bundesregierung jedoch essentiell, räumte Siegmund ein.
10.15 Uhr: Herzlich willkommen zum Liveticker der JUNGEN FREIHEIT vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September. Etwa 1,7 Millionen Wahlberechtigte in dem Bundesland dürfen am Sonntag ihre Stimme abgeben. Die jüngste Umfrage des Instituts Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF sieht die AfD um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit großem Abstand auf dem ersten Platz, bei 40 Prozent. Es folgen die CDU mit 23 Prozent, die Linkspartei mit 13 Prozent und die SPD mit neun Prozent.

Spannend, ob es für die Fünf-Prozent-Hürde reicht und man den Wiedereinzug in den Landtag schafft, dürfte es nur für die Grünen werden – sie stehen aktuell bei sechs Prozent. Das BSW und die FDP haben mit jeweils drei Prozent geringe Chancen. Sollten die Grünen den Sprung in den Landtag erreichen, wäre eine AfD-Alleinregierung fast ausgeschlossen, weil alle anderen Parteien sich weigern, eine Koalition mit der Rechtspartei einzugehen.






