BERLIN. Die Ex-Bundeslandwirtschaftsministerin und Bundestagsabgeordnete Renate Künast (Grüne) hat mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien für Irritation gesorgt. Auf X teilte sie einen Beitrag, in dem unter anderem dem zurückgetretenen Unions-Fraktionschef Jens Spahn (JF berichtete) vorgeworfen wurde, mit „künstlich gezeugten Kindern“ eine neue genetische Elite erschaffen zu wollen. Der Welt-Journalist Frédéric Schwilden verglich Künast daraufhin mit dem Corona-Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann.
Zuvor war bekannt geworden, dass Spahn und sein Ehemann ein Kind durch eine Leihmutterschaft in den USA bekommen hatten – in Deutschland ist diese Praxis verboten und Spahn hatte sich in der Vergangenheit explizit gegen sie ausgesprochen. Nachdem sein Verhalten öffentlich scharf kritisiert worden war, hatte Spahn seinen Rücktritt verkündet.
Künast verbreitete anschließend einen Beitrag, in dem es hieß, Spahn und andere „Maga-Idioten-Freunde“ wollten sich „selbst vermehren und mit ihren ‘tollen Genen’ eine eigene Elite schaffen“. Aus diesem Grund habe auch der Unternehmer Elon Musk „eine ganze Reihe an künstlich gezeugten Kindern“.
Das retweetet Renate Künast von @Die_Gruenen.
Eine Frau, die im Beirat von @HateAid sitzt.
Es zeigt sich, keiner ist davor gefeit, Attila Hildman zu werden. pic.twitter.com/22i5Fpxqwk
— Frédéric Schwilden (@totalreporter) July 19, 2026
Steinhöfel wirft Künast „Verrohung des Diskurses“ vor
Der Bild-Journalist Filipp Piatov schrieb, der Post zeige, dass „kein Amt der Welt vor wirrsten Verschwörungstheorien“ schütze. „Renate Künast saß 23 Jahre im Bundestag, war vier Jahre lang Bundesministerin und acht Jahre lang Fraktionsvorsitzende der Grünen. Nun teilt sie selbstbewusst solchen Stuss.“
Auch der Journalist und Buchautor Hasnain Kazim kritisierte Künast. Er selbst habe Spahn bereits kritisiert – dass die Grünen-Politikerin „solch einen Schrott“ teile, finde er „erschütternd“, schrieb Kazim. Der Buchautor und Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel warf Künast vor, jetzt, „wo das Abendrot ihrer politischen Bedeutungslosigkeit“ nahe, „zum Retweet von Zucht-Fantasien“ zu greifen. „Die Verrohung des Diskurses, gegen die sie jahrelang zu Felde zog, wenn es um sie selbst ging, hat eine neue Frontkämpferin.“
Auch weitere Äußerungen Künasts sorgten für Irritation. Nachdem der stellvertretende Chefredakteur der Bild, Paul Ronzheimer, mit Spahn einen Podcast über das Thema Leihmutterschaft geführt hatte, teilte die Grünen-Politikerin einen Beitrag, in dem behauptet wurde, Ronzheimer und Spahn seien „seit vielen Jahren eng befreundet“ und Spahns Ehemann Daniel Funke sei ein ehemaliger Büroleiter des Axel-Springer-Chefs. Tatsächlich ist er jedoch Büroleiter des Burda-Verlags.
Journalist fordert Rücktritt aus Hate-Aid-Beirat
Künast behauptete daraufhin, der Podcast sei aufgrund dieser Verbindung zustande gekommen. Ronzheimer habe Spahn aus diesem Grund „milde“ befragt, schrieb sie.
Ihr Parteikollege Volker Beck kommentierte, er sei irritiert. „Welcher Freundeskreis, Renate Künast? Weißt du da Genaueres, was du mit uns teilen magst?“ Ronzheimer selbst kommentierte, es sei „abstoßend“, was Künast tue.
Welcher Freundeskreis?@RenateKuenast? Weißt Du da Genaueres, was Du mit uns teilen magst? Ich bin etwas irritiert.
Die Community-Nores behaupten, war nicht Büro-Leiter des Axel-Springer-Chefs. Kannst Du die von Dir verbreitete Behauptung belegen?
— Volker Beck 🐋 🇺🇦🇮🇱🇪🇺🇩🇪 (@Volker_Beck) July 19, 2026
Der Journalist und FDP-Politiker Tobias Huch forderte die Organisation HateAid – bei der Künast im Beirat sitzt – auf, sich von der Grünen-Politikerin zu distanzieren. Ein Rücktritt aus dem Beirat müsse „jetzt erfolgen“, schrieb Huch. (lb)






