BERLIN. Die Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, Clara von Nathusius, hat die Brandmauer zur AfD für gescheitert erklärt. „Ich glaube, dass die Brandmauer, und ich kann da jetzt nur für mich sprechen, ein gescheitertes Projekt ist“, sagte die 30-Jährige am Sonntagabend im ARD-„Bericht aus Berlin“. Sie gilt als einflussreich, weil sie als eine der wenigen CDU-Politiker über die sozialen Netzwerke mit ihren Videos Hunderttausende Menschen erreicht.
In der Magazin-Sendung sagte von Nathusius, die CDU habe in den vergangenen Jahren zu viel Zeit darauf verwendet, zu erklären, gegen wen oder was sie sei. Dagegen habe die Partei nicht ausreichend deutlich gemacht, wofür sie selbst stehe. „Und dahin muss die Union jetzt dringend kommen“, forderte die JU-Politikerin eine Woche nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt.
Dort hatte die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund 43,8 Prozent erreicht und war mit 39 der 83 Sitze mit Abstand stärkste Kraft geworden. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab und verlor damit mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Wähler.
„Die Brandmauer ist gescheitert“/„Wir sollten mit der AfD sprechen“/„Mit Merz sind keine Wahlen mehr zu gewinnen“: Clara von Nathusius @CNathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, rechnet im Bericht aus Berlin knallhart mit dem CDU-Kurs ab. pic.twitter.com/lhn33sSS8v
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) September 13, 2026
Von Nathusius will mit der AfD sprechen
Von Nathusius schloss Gespräche zwischen CDU und AfD über die Regierungsbildung ausdrücklich nicht aus. „Ich finde, wenn wir eingeladen werden, sollten wir erst einmal mit jedem sprechen“, sagte sie. Anschließend müsse sich zeigen, was bei solchen Gesprächen tatsächlich herauskomme.
Die Bundesschatzmeisterin verwies auf die widersprüchliche Haltung ihrer Partei gegenüber anderen politischen Konkurrenten. In Sachsen lasse sich die CDU-geführte Minderheitsregierung ihren Haushalt von der Linkspartei mittragen, in Thüringen regiere die Union gemeinsam mit dem BSW. Mit der AfD wolle sie dagegen nicht einmal sprechen. Dieses Vorgehen widerspreche den eigenen Unvereinbarkeitsbeschlüssen, argumentierte von Nathusius. Deshalb gehörten diese „in der jetzigen bestehenden Form einfach abgeschafft“. Die CDU hatte 2018 beschlossen, Koalitionen und „ähnliche Formen der Zusammenarbeit“ sowohl mit der Linkspartei als auch mit der AfD abzulehnen.
Als Beispiel für den nötigen Kurswechsel nannte von Nathusius die Migrationspolitik. Die Union habe versprochen, ausreisepflichtige Ausländer außer Landes zu bringen. Angesichts von mehr als 250.000 Ausreisepflichtigen könne sie den Bürgern nicht länger vermitteln, der Staat sei außerstande, diese Menschen zu finden und abzuschieben.
Die CDU dürfe daher nur noch Koalitionen eingehen, in denen sie ihre angekündigte Politik auch umsetzen könne. Zugleich warnte die bekannte Influencerin davor, die Krise der Union lediglich mit einer besseren Öffentlichkeitsarbeit lösen zu wollen: „Wir kriegen schlechte Politik auch nicht gut verkauft, wenn sie weiterhin schlecht bleibt.“
Mit Merz keine Wahlen mehr zu gewinnen
Von Nathusius griff auch Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz frontal an. Die Union habe ein „massives Glaubwürdigkeitsproblem“, das zwar nicht ausschließlich, aber auch mit dessen Person zusammenhänge.
„Deswegen glaube ich leider, sind mit diesem Bundeskanzler keine Wahlen mehr zu gewinnen“, sagte die JU-Bundesschatzmeisterin. Auf die Nachfrage, ob Merz bei der nächsten Bundestagswahl nicht erneut antreten solle, antwortete sie unmissverständlich: „Nicht noch mal antreten.“ (rr)






