MAGDEBURG. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Sepp Müller, hat seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz in Sachsen-Anhalt angekündigt. Zuvor hatte der noch amtierende Landeschef und Ministerpräsident Sven Schulze angekündigt, dass es Ende November oder Anfang Dezember eine entsprechende Neuwahl geben werde.
Die Union war bei der Landtagswahl von 37,1 auf 17,2 Prozent abgestürzt. Ihre Landtagsfraktion schrumpfte von 40 auf 15 Abgeordnete. Spitzenkandidat war Schulze. Er stehe dann nicht mehr für ein Amt zur Verfügung – weder als Vorsitzender noch auf einer anderen Position im Vorstand.
Müllers Ankündigung hat Brisanz, weil Bundeskanzler Friedrich Merz ihm am Montag auf einer CDU-Pressekonferenz mit Schulze schwere Vorwürfe gemacht hatte. Ohne seinen Namen zu nennen, machte er „einen stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion“ zum Sündenbock für das Wahldebakel. Dieser sei Schulze die letzten drei Tage vor der Wahl „in den Rücken gefallen“. Das habe „niemand von uns verstanden“.
Müller sagte das, was jetzt Schulze sagt
Müller hatte in einem Podcast von Politico gesagt: „Sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag.“ Genauso äußerte sich nun auch Schulze, als er neben Merz bei der Pressekonferenz stand: „Wir haben als CDU keinen Regierungsauftrag mehr, wir sind Opposition. Der Regierungsauftrag liegt jetzt bei der AfD.“
Allerdings halten Merz und Schulze dem 37-Jährigen vor, dies vor der Wahl geäußert zu haben. In der Kritik an Müller sehen Beobachter auch ein Manöver, mit dem Merz und Schulze von ihrer eigenen Verantwortung für den Absturz um knapp 20 Prozentpunkte ablenken wollen.
Bei der Ankündigung seiner Kandidatur erklärte Müller nun, er wolle die Demokratie in der Mitte verteidigen: „Es kann keine Zusammenarbeit mit der extremen Linken geben, und es kann keine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten geben.“ Dabei zitierte er den früheren CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß: „Wer zu allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht.“ Die CDU müsse Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, betonte er. „Deswegen bin ich Sven Schulze und dem Landesvorstand dankbar, dass er sich auf den Weg gemacht hat, einen Neuanfang für unsere Landespartei zu ermöglichen.“
CDU-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt 2025
Seit 2017 gehört Müller dem Bundestag an. Mit dem besten Erststimmenergebnis der CDU im Osten (34,3 Prozent) verteidigte der gelernte Bankkaufmann das Mandat vier Jahre später im Wahlkreis Dessau-Wittenberg.
Danach wurde er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Er hatte die CDU in Sachsen-Anhalt 2025 als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025 geführt. Der homosexuelle Müller ist Vater eines Sohnes und mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Stefinger verheiratet. (fh)







