BERLIN. Nach Ablauf ihrer Frist gegenüber dem Land Berlin hat die Hackergruppe Rhysida ein Datenpaket von rund 5,2 Terabyte im Darknet zum Abruf gestellt. Darunter sollen Unterlagen sein, die für die Sicherheit der Hauptstadt und des Bundes relevant sind, wie der Tagesspiegel am Freitag berichtete. Gefordert waren 30 Bitcoin, umgerechnet mehr als zwei Millionen Euro.
Der Senat hatte vorab erklärt, auf Erpressungen grundsätzlich nicht einzugehen. Der Countdown auf der Leak-Seite der Täter endete am Freitag gegen 15.35 Uhr. Die dortige „Auktion“ wurde geschlossen. Demnach hieß es: „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“ Ein erster Link führte allerdings nur zu einer Fehlermeldung. Allerdings zeigt ein Screenshot eines X-Nutzers, dass mindestens eine Datenbank bereits zugänglich gemacht wurde – offenbar auch mit Material unter Verschlusssache.
🚨 Offenbar wurden die gestohlenen Daten Berlins nun freigeschalten !!!!!
Gute Nacht Berlin…
Ich habe bereits vieles gefunden das als VS Material geschützt sein sollte !!!!
Der SuperGAU ist eingetreten!#hack #berlin #rhysida #sabotage #datenverlust #leak #breaking pic.twitter.com/m2RI3gkHFk
— KaterX (@DerKaterX) September 4, 2026
Große Mengen sicherheitsrelevanter Dateien von Hackerangriff betroffen
Weiter sollen die Dateien unter anderem Angaben zum Zivilschutz enthalten sowie Aufstellungen von Objekten, Immobilien, Betrieben und Einrichtungen, die im Verteidigungsfall besonders zu sichern sind. Genannt werden Heizkraftwerke für Krankenhäuser, Tanklager, Notstromaggregate und Umspannwerke. Letztere waren jüngst bereits Ziel von Sabotageaktionen (JF berichtete). Auch geheime Unterlagen zu besonders gefährdeten Rüstungsfirmen sollen dabei sein.
Die Angreifer hatten zuvor von rund 1,44 Millionen Dateien gesprochen. Darunter seien mehr als 5.000 Personalakten, Bußgeldvorgänge, Gehaltsabrechnungen, vertrauliche Papiere aus Bundesratsausschüssen und Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung. Die Erpresser sollen auch mit Klartext-Passwörtern für Verwaltungsdatenbanken und Zahlungsdienstleister geprahlt haben.
Mehrere Behörden in Ermittlungen involviert
Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im RBB-„Inforadio“, der Senat habe richtig gehandelt, nicht auf die Forderung der Hacker eingegangen zu sein. „Würde man diese Gruppen weiter unterstützen mit Geld oder anderen Dingen, dann würden die natürlich immer weitermachen.“ Stattdessen riet Kastl dazu, das Netzwerk „finanziell austrocknen“ zu müssen.
IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies gegenüber der dpa darauf, dass der Staat bereits gesetzlich nicht zahlen dürfe. Die Lage sei trotzdem heikel: „Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen.“ Bislang sei Fischer kein Fall bekannt geworden, „bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung erfolgte“. Er geht davon aus, dass die oft in osteuropäischen Staaten ansässigen Täter die Beute dortigen Behörden zugänglich machen, um sich vor Strafverfolgung zu schützen.
Den Einbruch ins Landesnetz hatte die Berliner Verwaltung am 14. August bestätigt. Das Landeskriminalamt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind in die Ermittlungen eingebunden. Auch ein US-Unternehmen sowie das Bundeskriminalamt sollen beteiligt sein. (rsz)






