BERLIN. Die Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf wird für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus erneut als Wahllokal genutzt. Der dort predigende Imam Scharjil Khalid mache sich „Sorgen angesichts des Erstarkens“ der Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla, wie der Tagesspiegel berichtete. Khalid befürchtet demnach finanzielle Nachteile durch gestrichene Förderungen und Druck auf Muslime. Dies könne zu einem neuen Aufkeimen radikaler Gruppierungen führen.
Die Moschee gehört zur Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), einer aus der indischstämmigen Ahmadiyya-Bewegung hervorgegangenen islamischen Gemeinschaft, die einen Kalifen als religiöses Oberhaupt hat. Dass das islamische Glaubenshaus wieder als Wahllokal genutzt wird, sei ein Zeichen von „Normalisierung und Gleichstellung von Religionsgemeinschaften“.

Methode der AfD sei „perfide und zynisch“
Khalid bezeichnete die Methode der AfD, mit der sie muslimische Migranten anspreche, als „perfide und zynisch“. Grund dafür sei, dass die Partei zwischen länger in Deutschland lebenden und neu eingewanderten Migranten unterscheide. So fokussierten sich durch die AfD geschürte Ressentiments vor allem auf frisch Eingewanderte, weil diese sich nicht integrierten, Arbeitsplätze wegnehmen würden und dem Ansehen länger hier lebender Migranten schadeten.
Für den 32jährigen Imam sei die AfD in islamischen Kreisen jedoch kein Randphänomen mehr. Jeder Muslim kenne „einen anderen, der die AfD wählt oder sich zumindest mit dem Gedanken trägt, dies zu tun“. Khalid selbst ist seit 2022 Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und hatte nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 vor allem die israelische Reaktion kritisiert, wobei der jüdische Staat mit einem „mörderischen Rassismus“ agiere und „gezielt Zivilisten“ – darunter „leider auch tausende Kinder“ – getötet habe.
Imam Khalid äußerte sich fragwürdig zum Hamas-Massaker
In einem „t-online“-Interview nannte Khalid es einen „riesigen Fehler“, dass man nach dem 7. Oktober „alle Muslime unter einen Bekenntniszwang“ gesetzt habe, sich von der Hamas zu distanzieren. Dieser vorgebliche Umstand zeige, „dass es innerhalb der Politik und der Medien kaum Verständnis vom muslimischen Leben gibt“.
Im selben Interview sprach sich der Imam im Namen seiner Gemeinde und seines Kalifen „für eine kontrollierte Migration“ aus und beklagte zugleich den Begriff Islamismus. Den Terminus hält er für problematisch, weil man bei jüdischen oder christlichen Extremisten auch nicht einfach „-ismus“ anhänge, womit er offenbar eine spezifisch islamistische Bedrohung in Zweifel zog.
Ahmadiyya-Moschee ist streng islamisch
Obwohl die AMJ als einzige muslimische Gemeinschaft in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist und sich selbst als „eine der fortschrittlichsten Glaubensrichtungen innerhalb des Islams“ bezeichnet, herrscht dort eine streng islamische, verbindliche Gemeindepraxis. Männer und Frauen beten getrennt und geben sich nicht die Hand, was die Moschee als „Women-only-Spaces“ zu verkaufen versucht. In AMJ-Materialien wird das Kopftuch als Zeichen von Würde, Keuschheit und Treue zum Ehemann erklärt. Der Schleier diene zudem dazu, die Triebe des Mannes zu zügeln.
Auch fiel die AMJ bereits 2007 – kurz vor der Einweihung ihrer Moschee – durch einen Online-Beitrag auf, als aus deren Reihen behauptet wurde, der Verzehr von Schweinefleisch führe zu Homosexualität. Später wurde der Text gelöscht.
„Feststellen, dass Muslime die Zukunft dieses Landes darstellen“
Trotzdem sieht Khalid sich und seine Gemeinde, da sie die einzige Moschee im Osten Berlins ist, „wie die Ostbeauftragten der Muslime“. Seiner Ansicht nach gelingt etwa die Islamismus-Bekämpfung „nicht ohne Muslime“. Die AMJ hat zwar lediglich rund 53.000 Mitglieder in Deutschland – ein Bruchteil der etwa sieben Millionen Muslime.
Khalid gab in der Berliner Zeitung allerdings zu bedenken: „Wenn wir uns die demographische Entwicklung anschauen, dann muss man ganz klar feststellen, dass Muslime die Zukunft dieses Landes darstellen.“ (rsz)






