BERLIN. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat sich für seinen Kontakt zu Firas Remmo, einem Sohn des Berliner Clan-Oberhaupts Issa Remmo, entschuldigt. Am Montagabend kündigte er einen vorläufigen Rückzug an, um sein Kommunikationsverhalten mit seinem Team aufzuarbeiten. Welche Folgen das für seine parlamentarische Tätigkeit hat, ließ er offen. Sein Bundestagsmandat legte er nicht nieder.
Koçak erklärte, Remmo habe sich nach einem Aufruf zur Beteiligung an politischen Aktionen gemeldet. Anfangs habe er dessen Identität nicht gekannt, sie jedoch kurz darauf erfahren.
Trotzdem schrieb er seinen neuen Kontakt erneut an, um eine Rede verbreiten zu lassen. Seine angebliche Unkenntnis in Bezug auf den stadtbekannten Clanchef erklärt somit vielleicht den Beginn des Austauschs, nicht aber die spätere Bitte um Unterstützung. Wie die JF berichtete, veröffentlichte Firas Remmo die Nachrichten nach der Berliner Wahl auf Instagram. Darin schreibt Koçak: „Bruder hilf mir mal das hier zu verbreitern. Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte.“ Remmo antwortet: „Gerne Bruder“. Diesen erneuten Kontakt bezeichnete der Abgeordnete nun als Fehler.
Halten wir fest:
– Koçak wusste 2025 nicht, wer Ibrahim Ibrahim ist, sprach aber auf dem gleichen Kongress wie selbiger. Darauf angesprochen verwies er erneut auf seine Unkenntnis.
– 2026 wusste er dann wieder nicht, wer Ibrahim Ibrahim ist, der plötzlich neben ihm stand und… https://t.co/k9Uroq6FaW
— Paul Bräutigam (@Mr_Brankijam) September 21, 2026
Grüße an den Vater, Besuch beim Sohn?
Andere Nachrichten bleiben in Koçaks Erklärung weitgehend unbeantwortet. Er lässt Issa Remmo „Grüße mit Respekt“ ausrichten, fragt dessen Sohn nach seinen Bürozeiten und bietet einen Besuch am Vormittag an. Die Grüße begründet er mit Höflichkeit. Welchen Anlass der vorgeschlagene Besuch hatte und ob er stattfand, ist nicht geklärt.
Der Neuköllner Linken-Bezirksverband, aus dem heraus auch zur „Wahl-Intifada“ aufgerufen wurde, hatte bereits nach Issa Remmos Besuch der Wahlparty am Sonntag politische oder persönliche Beziehungen zu ihm bestritten. Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte, er sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. Der veröffentlichte Austausch zeigt allerdings, dass ein prominenter Abgeordneter des Bezirks bereits zuvor Kontakt zu dessen Sohn unterhielt und über ihn den Vater grüßte.
Koçak selbst gab an, während dessen Besuchs nicht anwesend gewesen zu sein. Gegen Issa und Firas Remmo liegen laut Bild bislang keine strafrechtlichen Verurteilungen vor. Andere Angehörige der Familie wurden unter anderem wegen der Einbrüche ins Berliner Bode-Museum und ins Dresdner Grüne Gewölbe verurteilt.

Koçak und Ibrahim sprachen bereits bei derselben Kundgebung
Auch ein Foto mit dem Terror-Unterstützer Ibrahim Ibrahim auf der Wahlparty lässt sich nicht allein mit dem Hinweis auf zahlreiche Fotowünsche erklären. Bereits im Juni 2025 waren beide bei einer Kundgebung vor dem Neuköllner Rathaus als Redner aufgetreten, wie der Tagesspiegel berichtete.
Der Verein Democ ordnet Ibrahim als langjährigen Aktivisten der PFLP ein, die auf der EU-Terrorliste steht. Koçak distanzierte sich nun offiziell von dessen gewalt- und terrorverherrlichenden Aussagen. Zum Foto erklärte er, bei der öffentlich zugänglichen Feier hätten Hunderte Besucher um Aufnahmen gebeten. Den früheren gemeinsamen Auftritt erwähnte er nicht.
Parteichefin Ines Schwerdtner kündigte an, die Remmo-Chats mit Koçak zu klären. Die AfD will die Vorgänge zudem im Bundestag aufgreifen und eine Aktuelle Stunde über „Clans, Islamisten und Antisemiten“ auf der Linken-Wahlparty beantragen.

Petra Pau fordert Verantwortung statt einer Pause
Aus der eigenen Partei kommt scharfe Kritik an Koçaks angekündigter Auszeit. Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau reagierte auf X mit der Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen. Sie erinnerte ihn ausdrücklich an seine Pflichten als Abgeordneter.
Pau habe gehofft, Koçak werde ihre Arbeit und die ihrer früheren Fraktionskollegin Martina Renner gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Antiziganismus fortsetzen. Stattdessen sei auf diesen Feldern nichts passiert, warf sie ihm vor. „Pause? Wer macht eigentlich endlich die Arbeit?“, fragte sie.






