MAGDEBURG. Als kleinste Fraktion mit nur fünf Abgeordneten kommt dem BSW im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Schlüsselfunktion zwischen dem Lager aus CDU, Linken, Grünen und SPD einerseits sowie der AfD andererseits zu. Beide kommen auf jeweils 39 Parlamentarier. Doch ein „Hufeisen-Bündnis“ zwischen AfD und BSW wird es nicht geben.
Hoffnungen darauf hatte das BSW im Wahlkampf geschürt. Doch am Montag nach der Wahl schloss die BSW-Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali eine aktive Unterstützung der AfD und erst recht eine Koalition aus. Sie sagte auch ausdrücklich über deren Spitzenkandidaten und dessen mögliche Kandidatur als Ministerpräsident: „Wir werden Herrn Siegmund nicht wählen.“
Die nun in den Landtag gewählten Abgeordneten gelten – anders als in den inzwischen zerstörten Fraktionen in Brandenburg und Thüringen – als linientreu gegenüber dem Bundesvorstand und Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Die Parteiführung lehnt es bisher ebenfalls ab, die etablierten Parteien bei der Wahl eines Ministerpräsidenten zu unterstützen.
Der BSW-Chef leitet ein Asylbewerberheim
Umso interessanter ist, wer da im Namen des BSW überhaupt ins Parlament einziehen wird.
Der rhetorisch äußerst hölzern auftretende Spitzenkandidat und Landeschef Thomas Schulze leitet derzeit noch ein Asylbewerberheim in Stendal, eine sogenannte Landeserstaufnahmeeinrichtung. Brisant: Ulrich Siegmund will sie im Falle seiner Wahl in ein Abschiebezentrum umwandeln.
Schulze, der nicht verwandt mit dem gleichnamigen amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze ist, wurde 1964 in Merseburg geboren und lernte in der DDR den Beruf des Kochs. Später arbeitete er als Restaurantleiter und in der Geschäftsstelle einer Justizvollzugsanstalt.
Wittig kommt von der Linken
Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde am Wahlabend die zweite Spitzenkandidatin Claudia Wittig, die sich vor laufenden Kameras prächtig mit AfD-Bundeschefin Alice Weidel zu verstehen schien. Die 43-jährige Historikerin war vorher in der Partei Die Linke.
Sie lehrt an der Martin-Luther-Universität in Halle. Ihre wichtigsten Themen sind der Krieg in Gaza und eine freie Debattenkultur. Sie antwortete nach der Wahl auf die Frage, in welche Richtung das Pendel des BSW ausschlagen werde, dass sie „zunächst Gespräche mit allen“ führen wolle.
Dittrich war Linkspartei-Funktionär
Ebenso wie Wittig kommt auch der zweite Landesvorsitzende John Lucas Dittrich aus der Linkspartei. Der schlanke Zopfträger mit Brille war dort von 2018 bis 2023 aktiv und auch Mitglied im Bundesausschuss. Dittrich ist 22 Jahre alt und Lehramtsstudent für Deutsch und Sozialkunde in Magdeburg.

Über die anderen beiden Abgeordneten Margitta Kriebel und Michael Reim ist bisher politisch wenig bekannt. Kriebel ist Diplom-Forstingenieurin. Reim gab bei seiner Bewerbung um einen Listenplatz an, vorher immer „ungültig“ gewählt zu haben. Denn der IT-Berater sagt, er sei mit allen anderen Parteien unzufrieden. (fh)







