BERLIN. In der Nacht zu Sonntag hat die Hackergruppe Rhysida ein weiteres Datenpaket im Internet veröffentlicht. „Gegenstand der neuen Veröffentlichung der Angreifer auf das Landesnetz Berlin sind unter anderem Zugangsdaten“, schrieb die Senatskanzlei am Sonntag in einer Pressemitteilung.
Als Reaktion habe bereits die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen „die bereits bei der ersten Veröffentlichung adressierten Maßnahmen im Rahmen der neuen Erkenntnisse überprüft und vorsorglich in einigen Aspekten nachgeschärft“. Die zusätzlichen Maßnahmen könnten bei der Nutzung von Fachverfahren der betroffenen Senatsverwaltung zu Einschränkungen führen.
Eines dieser Verfahren sei etwa das Beantragen und Bewilligen von Wohngeld. Welche konkreten Maßnahmen nun beschlossen wurden, wollte die Senatssprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht sagen.
Frist läuft ab, Merz und Wegner gucken Damen-Basketball
Die Hacker hatten zwischen dem 7. und 12. August große Datenmengen aus der Verwaltung abgezogen und 30 Bitcoin, umgerechnet zwei Millionen Euro, verlangt. Der Senat kam der Lösegeldforderung nicht nach. Nachdem die Frist am Freitag abgelaufen war, wurden über fünf Terabyte an sensiblen und geheimen Informationen im Darknet veröffentlicht (JF berichtete).
Am selben Abend besuchten der Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner (CDU), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ein Damen-Basketballspiel (JF berichtete). Erst am Samstag sprach Wegner im Gespräch mit der Bild-Zeitung davon, dass „offenkundig sensible Daten“ betroffen seien.
Unter den Dateien sollen interne Papiere der Senatsverwaltung, Unterlagen zu politischen Entscheidungen und vertrauliche Verwaltungsakten sein. Weiter seien auch Zeugnisse, eingescannte Ausweise und weitere Personaldokumente, die zu einem massenhaften Identitätsmissbrauch genutzt werden könnten, veröffentlicht worden. Selbst Disziplinarakten landeten im Netz, teils mit dem Vermerk „Vertrauliche Personalsache!“.
Senatskanzlei will betroffene Bürger kontaktieren
Die Senatskanzlei teilte bereits am Freitag mit, sie wolle vom Hackerangriff betroffene Menschen kontaktieren. „Sofern im Rahmen der Analyse einzelne betroffene Personen identifiziert werden, werden diese risikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben von den zuständigen Senatsverwaltungen informiert.“
Bürger, die selbst erfahren, „dass ihre Daten veröffentlicht wurden oder für Straftaten wie Betrug oder Identitätsmissbrauch genutzt werden, sollten Strafanzeige erstatten“. (mas)






