KIEL. Für Angela Merkel (CDU) geht der Preisregen weiter. Die frühere Bundeskanzlerin hat am Donnerstagabend in Kiel den Hermann-Ehlers-Preis erhalten. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hielt eine überschwängliche Laudatio auf seine frühere Parteivorsitzende. Die CDU-nahe Hermann-Ehlers-Stiftung würdigte Merkel als Politikerin, die Deutschland und Europa über Jahrzehnte geprägt habe.
Erst sechs Tage zuvor hatte Merkel im Augsburger Rathaus den Elisabethpreis der Caritas entgegengenommen. Der katholische Wohlfahrtsverband ehrte sie für ihren Einsatz für „Solidarität, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Laudatorin Sarah Bosetti stellte dabei ausdrücklich den Satz „Wir schaffen das“ aus dem Jahr 2015 heraus (die JF berichtete).
Auch in Kiel kam die Flüchtlingskrise zur Sprache. Merkel warnte zum Ende der Veranstaltung davor, dass selbst gute Politiker nicht ausreichten, wenn sich die Bürger nicht ebenfalls für Staat und Demokratie einsetzten. „Dann werden wir es vielleicht nicht schaffen“, sagte die Altkanzlerin elf Jahre nach ihrem berühmtesten Satz. Seit Merkel am 8. Dezember 2021 das Kanzleramt verlassen hat, lassen sich mindestens 13 ihr überreichte Preise, Orden und Medaillen sowie vier neue Ehrendoktorwürden zählen. Einige davon erhielt sie ausdrücklich für politische Entscheidungen, die in Deutschland bis heute heftig umstritten sind.
Preise für Merkels Migrationspolitik
2022 verlieh ihr der niederländische Staat das Großkreuz des Ordens vom Niederländischen Löwen. Im selben Jahr bekam sie den Nansen-Flüchtlingspreis des UN-Flüchtlingshilfswerks. Das UNHCR würdigte damit ihre Politik während der Flüchtlingskrise. Unter Merkels Regierung hatte Deutschland 2015 und 2016 mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge und Asylbewerber aufgenommen.
Auch der Félix-Houphouët-Boigny-Friedenspreis der Unesco, den Merkel 2023 entgegennahm, wurde mit ihrer Flüchtlingspolitik begründet. Die Jury hob ihre Entscheidung von 2015 hervor, mehr als eine Million Flüchtlinge aufzunehmen.
Im April 2023 folgte das Großkreuz des Bundesverdienstordens in besonderer Ausführung. Diese höchste Sonderstufe war zuvor unter den Bundeskanzlern nur Konrad Adenauer und Helmut Kohl verliehen worden. Einen Monat später zeichnete Nordrhein-Westfalen Merkel mit seinem Staatspreis aus. Ministerpräsident Hendrik Wüst lobte dabei ebenfalls ihre Entscheidung in der Flüchtlingskrise. Im Juni überreichte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ihr den Bayerischen Verdienstorden.

Doktorhüte und Landesorden
Hinzu kamen akademische Ehren. Die Pariser Hochschule Sciences Po verlieh Merkel im Juni 2023 die Ehrendoktorwürde und würdigte dabei ebenfalls ihre Rolle während der Migrationskrise. 2025 folgten Ehrendoktorwürden der Katholischen Universität Portugal und des israelischen Weizmann-Instituts. Auch die Universität Cambridge ehrte Merkel 2026.
Ende 2024 bekam Merkel außerdem die Goldene Medaille der Stadt Amsterdam. 2025 folgten der „Gold Award“ des Marktforschungsunternehmens Media Control für den Erfolg ihrer Memoiren, der Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern und die Große Staufermedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg.
Letztere überreichte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ausdrücklich für Merkels restriktive Politik während der Corona-Zeit. Er lobte ihre „entschlossene, umsichtige und effektive Führung“. Die damaligen Grundrechtseingriffe, Schulschließungen und andere Corona-Maßnahmen werden bis heute kontrovers diskutiert.
Die nächste Auszeichnung steht schon fest
Im Mai dieses Jahres wurde Merkel schließlich als eine der ersten Persönlichkeiten mit dem neu geschaffenen Europäischen Verdienstorden ausgezeichnet (die JF berichtete). Das Europäische Parlament ernannte sie gemeinsam mit dem früheren polnischen Präsidenten Lech Wałęsa und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum „Verdienstvollen Mitglied“.
Mit dem Hermann-Ehlers-Preis ist die Serie noch nicht beendet. Der nächste Termin steht bereits fest: Am 1. November soll Merkel im Leipziger Gewandhaus den Internationalen Mendelssohn-Preis in der Kategorie „Europa“ erhalten. Die Stiftung begründet die Entscheidung mit Merkels Verdiensten um die europäische Einigung und den Zusammenhalt der EU.





