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Migrationspolitik: Afghanen stellen jeden zweiten Asylantrag in Deutschland

Migrationspolitik: Afghanen stellen jeden zweiten Asylantrag in Deutschland

Migrationspolitik: Afghanen stellen jeden zweiten Asylantrag in Deutschland

Afghanische Migranten: Der Berliner Senat will auch die Ausnahmeregel für den Familiennachzug ausweiten
Afghanische Migranten: Der Berliner Senat will auch die Ausnahmeregel für den Familiennachzug ausweiten
Afghanische Migranten: Foto: picture alliance/ Takis Tsafos/dpa
Migrationspolitik
 

Afghanen stellen jeden zweiten Asylantrag in Deutschland

Europa meldet sinkende Asylzahlen. Doch Afghanen bleiben die größte Antragstellergruppe und Deutschland ihr Hauptziel. Im Zwölfmonatsvergleich haben sich ihre Anträge hier mehr als verdoppelt.
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BERLIN. Afghanen haben im ersten Halbjahr 2026 mehr Asylanträge in Europa gestellt als Angehörige jeder anderen Nation. Rund 39.000 Anträge gingen von Januar bis Juni in den EU-Staaten sowie in Norwegen und der Schweiz ein. Davon entfielen 51 Prozent und damit fast 20.000 auf Deutschland.

Während die Zahl sämtlicher Asylanträge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 Prozent sank, betrug der Rückgang bei Afghanen lediglich sieben Prozent.

Ihr Anteil am gesamten Antragsaufkommen ist dadurch weiter gestiegen. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Halbjahresbericht der EU-Asylagentur EUAA hervor. Insgesamt wurden in den 27 EU-Staaten, Norwegen und der Schweiz rund 332.000 Asylanträge gestellt. Frankreich lag mit 69.000 Anträgen an der Spitze, gefolgt von Italien mit 66.000 und Spanien mit 55.000. Deutschland belegte mit 54.000 Anträgen den vierten Platz.

Viele Folgeanträge von Frauen

Bei den Afghanen bleibt die Bundesrepublik jedoch mit großem Abstand das wichtigste Zielland. Im Vergleich der zwölf Monate bis Ende Juni 2026 mit dem vorangegangenen Zwölfmonatszeitraum haben sich die afghanischen Anträge in Deutschland von rund 30.000 auf 68.000 mehr als verdoppelt. EU-weit stieg ihre Zahl im selben Vergleich um 37 Prozent.

Die EUAA führt diese Entwicklung vor allem auf Folgeanträge afghanischer Frauen zurück, die bereits in Europa leben. Nach einer rechtlichen Klarstellung beantragten viele von ihnen erneut Asyl, um statt eines subsidiären oder nationalen Schutzstatus die Flüchtlingseigenschaft zu erhalten. Diese bringt weitergehende Rechte mit sich, etwa beim Familiennachzug.

Folgeanträge machten im ersten Halbjahr insgesamt 16 Prozent aller Asylgesuche aus. Mit rund 54.000 erreichten sie den höchsten Anteil der vergangenen Jahre. Die Zahl der Erstanträge ging dagegen um 21 Prozent zurück.

Deutschland gewährt fast vier von fünf Afghanen Schutz

Afghanische Antragsteller haben zudem besonders hohe Aussichten auf einen positiven Bescheid. Während die durchschnittliche Anerkennungsquote in Europa bei 31 Prozent lag, betrug sie bei Afghanen 73 Prozent. Deutschland entschied in rund 36.000 afghanischen Fällen und gewährte in 79 Prozent davon Flüchtlingsschutz oder subsidiären Schutz.

Damit lag die deutsche Quote über Frankreich und Griechenland mit jeweils 69 Prozent sowie der Schweiz mit 64 Prozent. Österreich erkannte dagegen 82 Prozent der afghanischen Antragsteller an. In Belgien waren es lediglich 39 Prozent.

Der neue EU-Asylpakt sieht beschleunigte Verfahren für Antragsteller aus Herkunftsstaaten mit einer europaweiten Anerkennungsquote von höchstens 20 Prozent vor. Für Afghanen greift diese Regel wegen ihrer hohen Schutzquote nicht. Ende Juni warteten europaweit noch 770.000 Asylbewerber auf eine Entscheidung in erster Instanz. Unter Einbeziehung von Berufungs- und Überprüfungsverfahren waren schätzungsweise 1,18 Millionen Fälle offen. (rr)

Afghanische Migranten: Foto: picture alliance/ Takis Tsafos/dpa
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