HANNOVER. Die AfD hat bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen kräftig zugelegt und sich als drittstärkste Kraft etabliert. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der Kreiswahlen erreichte sie 15,9 Prozent. Bei der Kommunalwahl 2021 waren es noch 4,6 Prozent gewesen.
Damit gewann die Partei 11,3 Prozentpunkte hinzu. Die CDU blieb mit 27,2 Prozent zwar stärkste Kraft, verlor gegenüber 2021 jedoch 4,5 Punkte.
Noch stärker traf es die SPD, die um 5,4 Punkte auf 24,6 Prozent abrutschte. Die Grünen kamen auf 14,1 Prozent und verloren 1,8 Punkte. Die Linke verbesserte sich von 2,8 auf sechs Prozent. Die FDP setzte ihren Abstieg fort und fiel von 6,5 auf 3,7 Prozent.
AfD wird stärkste Kraft in Salzgitter
Ihren größten Erfolg erzielte die AfD in Salzgitter. Dort wurde sie mit 27,4 Prozent stärkste Kraft im Stadtrat. Die SPD folgte mit 25,9 Prozent vor der CDU mit 23,2 Prozent. Gegenüber der Kommunalwahl 2021 legte die AfD in der Industriestadt um fast 17 Prozentpunkte zu.
Auch bei der Wahl des Oberbürgermeisters gelang der Partei der Einzug in die nächste Runde. AfD-Kandidatin Patricia Mair erhielt 25,7 Prozent und tritt am 27. September in der Stichwahl gegen den amtierenden Oberbürgermeister Frank Klingebiel von der CDU an. Dieser verfehlte mit 45,6 Prozent die absolute Mehrheit.
In Wolfsburg verteidigte CDU-Oberbürgermeister Dennis Weilmann sein Amt bereits im ersten Wahlgang. Mit 50,1 Prozent übersprang er die erforderliche Marke allerdings nur knapp. Hannovers grüner Oberbürgermeister Belit Onay muss mit 45,6 Prozent in die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Axel von der Ohe, der auf 21,5 Prozent kam.
NIEDERSACHSEN | Vorläufiges landesweites Endergebnis der Kommunalwahlen
CDU: 27,2% (-4,5)
SPD: 24,6% (-5,4)
AfD: 15,9% (+11,3)
GRÜNE: 14,1% (-1,8)
LINKE: 6,0% (+3,2)
Lokale Wählergruppen: 5,1% (-0,5)
FDP: 3,7% (-2,8)
Sonstige: 3,4% (+0,5)Änderungen zum Wahlergebnis von 2021… pic.twitter.com/qHOngpKp3v
— Deutschland Wählt (@Wahlen_DE) September 14, 2026
CDU und SPD verweisen auf Berlin
CDU-Landeschef Sebastian Lechner wertete den ersten Platz seiner Partei trotz der deutlichen Verluste als Erfolg. Der Unmut über die Bundesregierung sei im Wahlkampf klar zu spüren gewesen. Die Menschen hätten dennoch gezeigt, dass sie der CDU in Niedersachsen vertrauten.
Zugleich verlangte Lechner einen Kurswechsel der Bundesregierung. „Ich glaube, es braucht eine politische Änderung in Berlin“, sagte der CDU-Politiker. Die Bürger müssten vor allem finanziell entlastet werden. Ministerpräsident und SPD-Landeschef Olaf Lies sprach dagegen von einem „schwierigen Ergebnis“. Seine Partei habe sich mehr erhofft. Auch Niedersachsen könne sich dem negativen Bundestrend nicht entziehen. Das Vertrauen in die etablierten Parteien sei angespannt, räumte Lies ein.
AfD-Landeschef Ansgar Schledde bezeichnete seine Partei als eindeutigen Gewinner. „Die AfD ist seit heute Kommunalpartei“, sagte er. Mit den zahlreichen neuen Mandaten werde die Partei ihre Präsenz vor Ort ausbauen und mit „starkem Rückenwind“ in die Landtagswahl 2027 gehen. Nach Angaben Schleddes ist die AfD nun in sämtlichen Kreistagen und Stadträten der kreisfreien Städte vertreten.
AfD wird in Klingbeils Heimatstadt stärkste Kraft
Auch in Munster im Heidekreis, der Heimatstadt von SPD-Chef Lars Klingbeil, wurde die AfD bei der Stadtratswahl stärkste Kraft. Ihr 30 Jahre alter Bürgermeisterkandidat Christoph Weynand zog laut vorläufigem Ergebnis mit 20,7 Prozent in die Stichwahl gegen die parteilose Anna Adamczak ein, die 48,1 Prozent erreichte. Auch bei der Kreistagswahl lag die AfD im Munsteraner Stadtgebiet vorn.
(rr)






