Joachim Gauck
Bundespräsident Joachim Gauck Foto: picture alliance/AA

Anti-Israel-Demonstrationen
 

Gauck erklärt sich mit Zentralrat der Juden solidarisch

BERLIN. Bundespräsident Joachim Gauck hat nach den vergangenen antiisraelischen Demonstrationen dem Zentralrat der Juden in Deutschland seine Solidarität versichert. Bei den Großteils von Moslems besuchten Pro-Palästina-Demonstrationen waren in mehreren deutschen Städten antisemitische Parolen wie „Scheiß Juden, wir kriegen euch“ skandiert worden.

Gauck habe der jüdischen Gemeinschaft „mit sehr klaren Worten versichert, daß er in diesen Zeiten sehr nahe bei ihr ist und ihre Sorgen sehr ernst nimmt“, teilte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, nach einem Telefonat mit dem Bundespräsidenten laut Agenturberichten mit. „Für dieses Engagement haben wir von Herzen zu danken.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die antiisraelischen Kundgebungen scharf verurteilt. Die antisemitischen Parolen seien ein „Angriff auf Freiheit und Toleranz und der Versuch, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu erschüttern“, sagte der stellevertretende Regierungssprecher, Georg Streiter. Die Bundesregierung könne und wolle das nicht hinnehmen.

EKD erschrocken über Proteste gegen Juden

Solidarität und Anteilnahme erfuhr der Zentralrat der Juden auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Deren Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider zeigte sich in einem Schreiben an Graumann erschrocken über die zum Teil gewalttätigen Proteste gegen Juden in Deutschland. „Es ist entlarvend, wenn Proteste gegen das aktuelle Vorgehen der Armee Israels im Gaza-Streifen mit menschenverachtender Judenfeindschaft verbunden werden“, schrieb Schneider.

Es beschäme ihn, daß Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland auf offener Straße angegriffen würden und um ihre Gesundheit und auch um ihr Leben fürchten müßten. Dies sei gerade angesichts der unfaßbaren verbrechen im Dritten Reich „jenseits aller Toleranz“. „Mein Erschrecken, mein Mitgefühl und meine Solidarität möchte ich Ihnen persönlich und allen Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land gegenüber zum Ausdruck bringen“, teilte Schneider mit.

Kein islamischer Antisemitismus

Der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, Thies Gundlach, bestritt gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea allerdings die Existenz eines islamischen Antisemitismus: „Wir haben es in aller Regel mit aus dem Ruder gelaufenen Personen zu tun.“ Es seien nicht „die Muslime“, die radikalisiert und besonders intolerant seien. Vielmehr gebe es unter ihnen ganz unterschiedliche Gruppierungen.

„Das dürfte in christlichen und säkularen Kreisen etwa ähnlich verteilt sein“, mutmaßte Gundlach. Seiner Ansicht nach sei es deswegen auch nicht nötig, das Thema „Antisemitismus“ beim Dialog der EKD mit Vertretern des Islam anzusprechen. Schließlich stoße „diese Art von brutalem Antisemitismus“ auch bei den Verbänden auf Kritik und Empörung. (krk)