Taschendieb
Gerade in der Vorweihnachtszeit haben Taschendiebe wieder Konjunktur Foto: picture alliance/dpa

Kriminalität
 

Taschendiebstahl: Warnvideo der Polizei stößt auf Kritik

BERLIN. Ein Film der Berliner Polizei, in dem vor Taschendiebstahl gewarnt wird, hat bei der Linkspartei und den Grünen für Empörung gesorgt. Sie warfen der Polizei vor, mit dem Video Ausländer als kriminell zu stigmatisieren. Zu sehen sind in dem Film eine Asiatin, die in einem Bekleidungsgeschäft etwas aus einem fremden Rucksack stiehlt, ein Schwarzer, der in einem Supermarkt eine ältere Dame beklaut sowie eine dunkelhäutige Frau, die einen Fahrgast beim Einsteigen in den Bus bestiehlt. Im Anschluß daran erscheint die Warnung: „Vorsicht Diebe – Schützen Sie Ihr Weihnachtsgeld!“

Bei den Szenen handelt es sich um Originalaufnahmen aus Überwachungskameras. Zu sehen sind sie im Berliner U-Bahnfernsehn. Die Polizei begründete die Auswahl damit, daß in diesen Sequenzen das Vorgehen der Taschendiebe besonders gut zu sehen sei.

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Hakan Tas, zeigte sich gegenüber der taz dennoch empört: „Das Video im Berliner Fenster erweckt den Eindruck, daß die Berliner Polizei Menschen, die nicht-deutscher Herkunft sind, als Täter vorführen will und stellt diese Personengruppe damit unter Generalverdacht.“

Linkspartei: Interkulturelle Öffnung der Berliner Polizei ist gescheitert

Und auch der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, äußerte Kritik: Es sei „schade, daß hier unnötig Klischees bedient werden. Als ob nur weiße Omis Opfer von Taschendiebstählen werden und als ob alle Täter ein vermeintlich ausländisches Aussehen hätten.“

Die Sprecherin für Integration, Migration und Flüchtlinge der Berliner Grünenfraktion, Canan Bayram, ging noch einen Schritt weiter und erklärte die interkulturelle Öffnung der Berliner Polizei für gescheitert. Der Film zeige nur Menschen, „bei denen aufgrund optischer Merkmale eine Stigmatisierung als ‘kriminelle Ausländer’ bezweckt ist“. Die Berliner Polizei müsse endlich erkennen, daß sie Dienstleister für alle Berliner sei, unabhängig von deren Herkunft und Nationalität.

Laut der polizeilichen Kriminalstatistik war in Berlin im vergangenen Jahr „eine deutliche Zunahme beim Taschendiebstahl“ durch „verstärkten (visafreien) Zustrom rumänischer und bulgarischer Tätergruppen sowie insgesamt gestiegenen Touristenzahlen“ zu verzeichnen. Insgesamt wurden 17.978 entsprechende Delikte registriert, was einem Anstieg von 18,8 Prozent im Vergleich zu 2011 entspricht. Die Aufklärungsquote lag mit 784 Fällen bei 4,4 Prozent. Ermittelt wurden 670 Tatverdächtige, von denen 74 Prozent nichtdeutscher Herkunft waren. Die überwiegende Anzahl von ihnen stammte aus Rumänen (36,1 Prozent), Polen (11,7 Prozent) und Bulgarien (sieben Prozent). (krk)

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