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JF-Exklusiv: Wiener Lehrerin über Kopftuchverbot: „Und der Bruder hat ein Messer dabei und sticht mich ab?“

JF-Exklusiv: Wiener Lehrerin über Kopftuchverbot: „Und der Bruder hat ein Messer dabei und sticht mich ab?“

JF-Exklusiv: Wiener Lehrerin über Kopftuchverbot: „Und der Bruder hat ein Messer dabei und sticht mich ab?“

Für junge Schülerinnen gilt in Österreich ein Kopftftuchverbot an Schulen. Doch der Druck auf die Mädchen, das islamische Symbol nicht abzulegen, ist enorm. Symbolbild: picture alliance / HERBERT NEUBAUER / APA /
Für junge Schülerinnen gilt in Österreich ein Kopftftuchverbot an Schulen. Doch der Druck auf die Mädchen, das islamische Symbol nicht abzulegen, ist enorm. Symbolbild: picture alliance / HERBERT NEUBAUER / APA /
Für junge Schülerinnen gilt in Österreich ein Kopftftuchverbot an Schulen. Doch der Druck auf die Mädchen, das islamische Symbol nicht abzulegen, ist enorm. Symbolbild: picture alliance / HERBERT NEUBAUER / APA /
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Wiener Lehrerin über Kopftuchverbot: „Und der Bruder hat ein Messer dabei und sticht mich ab?“

Österreichs Kopftuchverbot für junge Schülerinnen setzt Lehrer enorm unter Druck. Eine Wiener Pädagogin berichtet der JF von gewaltsamen Eskalationen mit Angehörigen – und in einer Kita endet ein Streit mit blanken Brüsten.
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Seit dem 1. September dürfen Schülerinnen bis zu ihrem 14. Geburtstag an Österreichs Schulen kein Kopftuch nach islamischer Tradition mehr tragen (die JF berichtete). Die Regierung aus ÖVP, SPÖ und den liberalen Neos begründet das Verbot mit dem Schutz von Mädchen vor religiösem Druck und vorgegebenen Rollenbildern. Durchsetzen müssen die neue Regel zunächst aber vor allem Lehrer und Schulleiter.

Wie belastend das im Schulalltag werden kann, schildert eine Lehrerin aus dem stark von Zuwanderung geprägten 15. Wiener Gemeindebezirk gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Aus Angst vor Konsequenzen möchte sie anonym bleiben.

Auf den betroffenen Mädchen laste großer Druck, zugleich müssten Lehrer Konflikte mit deren Familien austragen. „Dann kommen der Onkel und der Cousin. Oder der Bruder. Und der hat vielleicht ein Messer dabei und sticht mich ab, weil ich seiner Schwester das islamische Kopftuch wegnehmen muss? Ich weiß es nicht, die Stimmung ist so aufgeheizt“, schildert die verzweifelte Lehrerin der JF. Die Situation an ihrer Schule beschreibt sie mit einem Satz: „Es ist eine Katastrophe.“

Erste Eltern werden angezeigt, die SPÖ heizt die Stimmung auf

Die Schilderung der Wienerin zeigt, woran sich die Wirksamkeit des Verbots entscheiden wird. Eine gesetzliche Vorgabe allein befreit Mädchen noch nicht vom Druck ihres Umfelds. Die Schule muss sie auch durchsetzen können. Wo Angehörige Einfluss nehmen, brauchen Lehrer konsequente und mutige Rückendeckung von Schulleitung und Behörden.

In Niederösterreich, wo die ÖVP gemeinsam mit der FPÖ die Landesregierung bildet, haben die Behörden inzwischen die Eltern einer 13-Jährigen angezeigt, die weiterhin mit Kopftuch zum Unterricht erschien. Gespräche mit Lehrern, Schulleitung und Bildungsdirektion hatten nichts geändert. Den Eltern drohen bis zu 800 Euro Verwaltungsstrafe. Auch aus der Steiermark, wo die FPÖ mit Mario Kunasek den Landeshauptmann (Ministerpräsident) stellt, wurden zwei weitere Fälle bekannt, die auf Anzeigen hinauslaufen.

Als ob der tägliche Kampf um die Durchsetzung des Verbots nicht schon genügend Belastung wäre, bekommen die Schulen auch noch politischen Gegenwind aus dem Umfeld einer Regierungspartei zu spüren. Die Sozialistische Jugend und die Roten Falken unterstützen gemeinsam mit kommunistischen Gruppen den „Schulstreik am 9. Oktober“. Der Aufruf richtet sich gegen „Rassismus, Sexismus und Militarisierung an Schulen“. Die SPÖ trägt auf Bundesebene das Verbot mit, ihr Nachwuchs bekämpft es auf der Straße.

Die nächste Bewährungsprobe wartet vor Gericht

Gegen das Gesetz klagen muslimische Eltern aber auch vor Gericht und berufen sich dabei auf die Religionsfreiheit. Brisant: Schon 2020 hob der Verfassungsgerichtshof ein Kopftuchverbot an Österreichs Grundschulen auf. Über die neue Regelung dürfte er im ersten Halbjahr 2027 entscheiden.

Bis dahin gilt das Gesetz. Lehrer müssen Gespräche führen, Verstöße dokumentieren und bei fortgesetzter Missachtung die nächsten Schritte veranlassen. Ob sie wollen oder nicht. Sonst drohen ihnen selbst Konsequenzen. Die Wiener Lehrerin erlebt bereits, was diese Aufgabe bedeutet: Der Staat beschließt das Verbot, die Auseinandersetzung mit den Familien beginnt vor ihrer Klassenzimmertür.

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Kita-Chefin zeigt ihre Brüste

Wie grotesk der Streit um das islamische Kopftuch abseits der Schulen werden kann, zeigt ein Fall aus einer Vorarlberger Kita. Eine muslimische Betreuerin kehrte von einer Pilgerreise zurück und erschien fortan mit Kopftuch zur Arbeit. Ihre Chefin bezeichnete das als Entlassungsgrund.

Ein Streit brach aus. Im Zuge des hitzigen Wortgefechts entblößte die Vorgesetzte ihre Brüste und fragte laut Medienberichten, ob sie etwa so zur Arbeit komme. Die muslimische Betreuerin erstattete anschließend Anzeige. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft bewertet den Vorfall später als Diskriminierung und sexuelle Belästigung. Die Einrichtung zahlte der Betreuerin 3.500 Euro Entschädigung, die Chefin verlor ihren Job.

Das Kopftuchverbot betrifft die erwachsene Betreuerin natürlich nicht. Auch Lehrerinnen dürfen in Österreich weiterhin ihr Haar für Allah verhüllen. Der Fall zeigt jedoch, wie aufgeladen die Auseinandersetzung um das Kopftuch inzwischen weit über das Klassenzimmer hinaus ist.

Für junge Schülerinnen gilt in Österreich ein Kopftftuchverbot an Schulen. Doch der Druck auf die Mädchen, das islamische Symbol nicht abzulegen, ist enorm. Symbolbild: picture alliance / HERBERT NEUBAUER / APA /
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