STRASSBURG. Vertreter der israelischen Regierungspartei Likud haben die österreichische FPÖ öffentlich als Freund Israels und des jüdischen Volkes bezeichnet. Bei einer Konferenz im Europäischen Parlament in Straßburg trafen sie am Mittwoch mit FPÖ-Chef Herbert Kickl und dem freiheitlichen EU-Abgeordneten Harald Vilimsky zusammen.
An der Veranstaltung unter dem Titel „Islamismus und Antisemitismus: Bedrohungen für Europas Freiheit“ nahmen der politische Direktor des Likud, Ariel Bulshtein, und der Likud-Abgeordnete Ariel Kellner teil.
Hinzu kamen Rabbiner und Abgeordnete rechter europäischer Parteien, darunter Vertreter der ungarischen Fidesz und der spanischen Vox. Bulshtein und Kellner bedankten sich ausdrücklich bei Kickl und Vilimsky für deren Unterstützung Israels. Damit erreicht eine von Vilimsky über Monate vorbereitete Annäherung ihren vorläufigen Höhepunkt. Der FPÖ-Politiker reiste mehrfach nach Israel und knüpfte dort Kontakte zum Likud. Bereits Anfang 2025 erhielt Netanjahus Partei einen Beobachterstatus bei der europäischen Parteienfamilie Patrioten für Europa. Im Januar empfing Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Vilimsky gemeinsam mit einer Delegation rechter EU-Abgeordneter.
Kickl will Israel ein treuer Freund sein
Im Mittelpunkt der Straßburger Konferenz standen der Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 und der wachsende Antisemitismus in Europa. Die Likud-Vertreter warnten, der Angriff habe sich nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die christlich-jüdischen Grundlagen Europas gerichtet. Israel bilde deshalb ein Bollwerk gegen den Islamismus, während die Europäische Union den jüdischen Staat im Stich lasse.
Auch Kickl zog eine Verbindung zwischen dem Terror in Israel und islamistischen Parallelgesellschaften in Europa. Der FPÖ-Chef betonte, Muslime nicht pauschal verurteilen zu wollen. Fanatiker benutzten den Islamismus jedoch als „Waffe gegen unsere Art zu leben“. Der Hamas-Überfall sei kein Widerstand, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen.
Die klare Positionierung von Herbert Kickl und der FPÖ gegenüber Israel und die Vertiefung der Beziehungen zum Likud begrüße ich ausdrücklich.
Ein starkes Bekenntnis zum Existenzrecht und zur Sicherheit Israels, der entschlossene Kampf gegen Antisemitismus sowie der Aufbau…
— HC Strache (@HCStrache1) September 16, 2026
Zugleich warf Kickl der EU vor, nicht klar genug zwischen Angreifer und Angegriffenem zu unterscheiden. Die FPÖ wolle das jüdische Erbe in Österreich bewahren und eine sichtbare Partnerschaft mit Israel aufbauen. Sollte er Bundeskanzler werden, werde sich Österreich als „treuer und unerschütterlicher Freund Israels“ erweisen, versprach Kickl. Vilimsky sprach von einer „Freundschaftsachse“ zu israelischen Politikern. Die FPÖ wolle mit Israel und der jüdischen Welt in eine neue Ära eintreten. Die Konferenz solle der „Beginn von etwas Größerem“ sein.
Europas Machtverhältnisse drehen sich
Der öffentliche Schulterschluss besitzt für die FPÖ erhebliche symbolische Bedeutung. Als die Partei im Jahr 2000 unter Jörg Haider in die österreichische Bundesregierung eintrat, rief Israel seinen Botschafter aus Wien zurück. Die übrigen 14 EU-Staaten schränkten ihre bilateralen Kontakte zu Österreich ein. Auch bei der erneuten Regierungsbeteiligung der FPÖ im Jahr 2017 mieden israelische Regierungsvertreter die freiheitlichen Minister. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien beschloss ebenfalls eine Kontaktsperre. Noch 2023 bekräftigte ihr Vorstand einstimmig, keine politischen Gespräche mit FPÖ-Vertretern zu führen.
Dabei galten rechte Parteien in Europa und Israel von ihren politischen Positionen her längst als mögliche Verbündete. Sie verbindet vor allem der Kampf gegen Islamismus und Antisemitismus sowie die Betonung nationaler Souveränität. Solange Parteien wie die FPÖ jedoch von den europäischen Regierungen ausgegrenzt wurden, hatte Israel wenig Anlass, für Kontakte zu ihnen Streit mit den jeweiligen Machthabern zu riskieren.
Lange ignoriert
Diese Rechnung verändert sich. Rechte Parteien sind in mehreren europäischen Ländern inzwischen an Regierungen beteiligt oder greifen nach der Macht. Für den Likud werden damit genau jene Kräfte zu möglichen Partnern, die Jerusalem lange ignorierte, um seine Beziehungen zu den etablierten Parteien Europas nicht zu belasten.
Kellner und Bulshtein gehören zwar nicht zur ersten Reihe des Likud. Die Annäherung ist dennoch kaum als private Initiative zweier Parteivertreter zu verstehen. Bulshtein verantwortet die internationalen Beziehungen des Likud, die Partei trat den Patrioten für Europa als Beobachter bei, und Netanjahu empfing Vilimsky bereits persönlich. Gegen den Willen des israelischen Ministerpräsidenten wäre diese Entwicklung schwer vorstellbar. Eine förmliche Aufhebung der bisherigen israelischen Distanz zur FPÖ bedeutet die Straßburger Konferenz noch nicht. Sie ist jedoch ein deutliches Signal, dass der Likud seine Beziehungen zur europäischen Rechten neu ordnet. Für die FPÖ ist das ein außenpolitischer Durchbruch. Für Netanjahus Partei ist es die Vorbereitung auf ein Europa, in dem die früher Geächteten zunehmend selbst regieren. (rr)






