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„Wir haben euch was mitgebracht: Haß!“

Die tiefen dunklen Augen blicken ernst: „Ich habe damals lange überlegt, ob ich abtreiben soll.“ Die kaffeebraune Lizza hält einen Moment inne. Die junge Frau mit dem deutschen Paß und den ghanaischen Wurzeln blickt ungläubig zur Seite, von wo ihr mit sich überschlagender Stimme entgegengebrüllt wird: „Abtreiben gegen Deutschland!“ Irritiert kehrt ihr Blick zurück: „Aber dann habe ich mich dagegen entschieden – zum Glück!“ Heute ist Lizza zwanzig, ihr Sammy (Namen von der Redaktion geändert) eineinhalb und putzmunter. Fragt man sie nach ihrem Beruf, entgegnet die schwarze Schöne mit entwaffnender Selbstverständlichkeit: „Natürlich Mutter.“

727 Kilometer ist Lizza quer durch Deutschland gereist, aus Minden in Westfalen nach Berlin, nur um heute dabeizusein: „Weil ich für das Leben bin.“

„Für das Leben!“ Der Wind bläht das Transparent mit den blauen Buchstaben. 1.200 Lebensschützer aus ganz Deutschland haben sich versammelt. Lizza ist nicht alleine.

Es ist Samstagmittag vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte. Menschen mit Einkaufstaschen hasten vorbei, Touristen flanieren, Rollschuhfahrer flitzen über den Asphalt. Stehen bleibt kaum einer, denn die Versammlung der Christen wird belagert: 450 Linksradikale machen Druck. Dazwischen martialisch bewehrte Bereitschaftspolizisten.

Seit 2002 kommen sie hier zusammen, immer im September: Dann ruft der Bundesverband Lebensrecht (BVL), die Dachorganisation aller deutschen Lebensschutzverbände, zu seiner zentralen Protestkundgebung nach Berlin, dem „Marsch für das Leben“, bei dem 1.000 weiße Holzkreuze als Zeichen des stummen Protests durch die Hauptstadt getragen werden: eines für jedes Kind, das laut BVL an einem ganz normalen Werktag in Deutschland abgetrieben wird. Geschätzte acht Millionen seit der „Reform des Paragraphen 218“ beziehungsweise seit der „Freigabe, Ungeborene im Mutterleib zu töten“, wie Susannah Krügener, Pressesprecherin des BVL, klarstellt.

„Im letzten Jahr“, so die 39 Jahre alte Journalistin, „gab es erstmals eine größere Gegendemonstration radikaler Abtreibungsbefürworter, extrem aggressiv und haßerfüllt. Erstmals war massiver Polizeischutz nötig.“ Am selben Tag jedoch veranstaltete die islamkritische Bürgerbewegung Pro Köln in der Domstadt ihren 1. Anti-Islamisierungskongreß (JF 40/08), den deutschlandweit anreisende Linksextremisten zu verhindern suchten, auch solche aus Berlin. Deshalb, so die Befürchtung, seien die Störungen 2008 nur ein Vorgeschmack gewesen, die große Bambule treffe die Lebensschützer nun 2009.

Tagelang hat ein linksradikales Bündnis unter dem bezeichnenden Namen „1.000 Kreuze in die Spree“ im Internet getrommelt, haben feministische Aktivisten Plakate geklebt, mit der unverhohlenen Aufforderung, den Lebensschützern das Leben so schwer wie möglich und Jagd auf ihre Holzkreuze zu machen. „Besonders geschmacklos“ findet das Bernd, der 27jährige Christ mit den langen roten Haaren, „steht doch jedes Kreuz für ein Baby!“ Hilflos blickt er dabei über seine randlose Brille.

Inzwischen haben sich Pulks von Abtreibungsbefürwortern von der Gegendemonstration gelöst und sickern in die Kundgebung der Lebensschützer ein. Dort werden gerade Grußworte verlesen: etwa vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, dem Vorsitzenden der Senioren-Union Otto Wulff und sogar vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber. Doch keiner der Prominenten steht heute auf der Straße seinen Mann.

Da wird es inzwischen zunehmend ruppiger. Linksradikale Grüppchen stehen nicht nur zwischen den Christen, schreien, lästern und zeigen obszöne Gesten, langsam kreisen sie die Lebensschützer auch ein. Die Polizei bietet an, zu räumen. Doch die Christen bitten nur darum, den dichter werdenden Ring um ihre Veranstaltung zu öffnen, verzichten aber darauf, die eingesickerten Störer entfernen zu lassen, um Gewalt zu vermeiden. Als die behelmten und gepanzerten Einsatzkräfte vorrücken, weichen die Störer. Einer von ihnen hat allerdings bereits ein Kreuz erbeutet. Mit Klebeband kreuzigt der darauf einen Plastik-Dildo, die man in großer Zahl mitgebracht hat, um damit höhnisch vor den Nasen er Christen herumzuwedeln. Dann reckt er das geschändete Kreuz triumphierend in die Höhe. An anderer Stelle wird eine Bibel verbrannt und der rauchende Rest unter dem Ruf „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“ den Christen vor die Füße geworfen. Die verhalten sich bei alldem ruhig.

Doch dann berichtet eine linke Aktivistin, die versucht hatte, feministische Flugblätter an die Christen zu verteilen, gegenüber der JF, dreimal geschlagen worden zu sein, davon zweimal ins Gesicht. Die junge Engländerin wirkt im Gegensatz zu den meisten ihrer Gesinnungsgenossen glaubwürdig: Sie spricht ruhig und ohne Zorn, wirkt eher fast enttäuscht. Ein Ordner der Lebensschützer tritt hinzu und beeilt sich, besorgt zu erklären: „Wir haben ausdrücklich dazu aufgerufen, sich auf keinen Fall provozieren zu lassen!“ Susannah Krügener sagt später: „Wenn das passiert ist, täte uns das wahnsinnig leid.“ Sie fügt allerdings hinzu: „Ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen.“

Die überwiegende Mehrzahl der Gegendemonstranten ist allerdings nicht gekommen, um zu diskutieren: „Wir wollen einfach, daß die verschwinden!“ erklärt einer auf Nachfrage der JF. Den Hinweis auf die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit wischt er beiseite: „Ich halte eh nichts von Demokratie.“ Der Bunthaarige neben ihm hat mitgehört und wendet sich sofort ab, als er angesprochen wird: „Jetzt komm mir bloß nicht mit dem Demokratie-Scheiß!“ Die Verzahnung mit dem Linksextremismus wird immer wieder deutlich, ein Transparent verkündet: „Ein Volk stirbt im Mutterleib? Geil! Grenzen auf!“

Nicht nur „Antifaschisten“ und Feministen beteiligen sich, auch Aktivisten der Linkspartei und ausgerechnet die hochoffizielle und staatlich geförderte Schwangerenberatungsorganisation Pro Familia. Der größte Skandal ist aber, daß das Onlineportal „Mut gegen rechte Gewalt“ des Magazins Der Stern den Aufruf der linksextremen Feministen  publiziert, den Christen die Kreuze zu entwenden und in die Spree zu werfen. Zehn Kreuze fischt die Wasserschutzpolizei schließlich aus dem Fluß. Ein Christ ist beim Gerangel um ein Kreuz leicht verletzt worden. Unterstützt wird „Mut gegen rechte Gewalt“ auch von der staatlichen Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de), deren Aufgabe es ist, „das demokratische Bewußtsein zu festigen“. Folgen? Keine.

Inzwischen nähert sich der Konflikt dem Höhepunkt. Die Kundgebung der Lebensschützer ist beendet, man formiert sich zum Schweigemarsch über den Boulevard Unter den Linden. Doch an der Schloßbrücke versperren die Störer den Weg, versuchen die Brücke abzuriegeln. Die Polizei rückt mit massivem Aufgebot vor – und erzwingt den Durchbruch. Geschützt von einem dichten Polizeikordon können die Lebensschützer den Marsch fortsetzen. Doch nur erneut unter dem Gejohle und den Drohungen der Linksradikalen: „Wir haben euch was mitgebracht: Haß! Haß! Haß!“ skandieren sie. Eine Christin weint vor Angst. Sie ist nicht die einzige, wie Susannah Krügener später bestätigt.

Schließlich hat es auch Lizza geschafft. Erleichtert und glücklich gibt sie am Ende des Marsches ihr Kreuz zurück. Sie hat den Spießrutenlauf überstanden: „Ganz schön heftig“, sagt sie verunsichert. Manchem war dieser Ausbruch von Haß zuviel. „Einige waren völlig fertig“, bilanziert Susannah Krügener. Nicht alle werden nächstes Jahr wiederkommen. Und Lizza? „Doch! Auf jeden Fall!“ 

Weitere Informationen im Internet unter www.bv-lebensrecht.de

Foto: Demonstration „Marsch für das Leben“, Gegendemonstranten (links): „Manche völlig fertig“

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