MAINZ. Die Redaktion der KiKA-Kindernachrichten „logo!“ hat ihr Konzept für Interviews mit AfD-Politikern geändert. Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sollen die Aussagen des Spitzenkandidaten Enrico Schult in einem redaktionellen Beitrag eingeordnet werden.
Das Gespräch mit Schult wurde bereits am 8. September nach dem neuen Konzept geführt. Das ZDF kündigte an, die Wahl diesmal „auf eine andere Art und Weise“ zu begleiten.
Ursprünglich sollte Landesschülersprecherin Tessa Schulz die Gespräche mit Schwesig und Schult führen. Der Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern stellte dafür jedoch Bedingungen, die das ZDF nicht rechtzeitig umsetzen konnte. Daraufhin sagte die Schülervertretung ihre Beteiligung ab und die „logo!“-Redaktion übernahm das Interview selbst.
Siegmund-Interview löst Protest aus
Auslöser des Kurswechsels war die „logo!“-Sendung vom 3. September. Die ehemalige Landesschülersprecherin Lucienne Balke hatte dafür den sachsen-anhaltischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund und Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) jeweils rund eine halbe Stunde lang befragt. Beide Politiker bekamen weitgehend dieselben Fragen gestellt.
Die Redaktion schnitt ihre Antworten anschließend in einem Beitrag gegeneinander. Online veröffentlichte „logo!“ beide Gespräche zusätzlich in voller Länge. Das ZDF verteidigte das Format zunächst mit seinem Auftrag, Kindern Orientierung bei aktuellen gesellschaftlichen Themen zu geben.
Gegen eine weitere Ausstrahlung in dieser Form richtet sich eine Petition auf der Plattform Campact. Knapp 300.000 Menschen haben sie inzwischen unterzeichnet. „Rechtsextreme Politiker dürfen in Kindernachrichten keine ungefilterte Bühne bekommen“, heißt es darin.

ZDF kickt nach Zuschriften ein
Die Petition kritisiert außerdem den Umgang mit Balke. Sie habe sich im guten Glauben auf das Format eingelassen, sei aber nicht ausreichend vorbereitet und unterstützt worden. Nach der Sendung gingen beim ZDF-Fernsehrat mehr als 100 Zuschriften ein, auch das Internationale Auschwitz-Komitee verurteilte Siegmunds Auftritt.
Inzwischen hat das ZDF seine Bewertung geändert. „Im Nachhinein müssen wir feststellen, dass das gewählte redaktionelle Konzept nicht angemessen war“, teilte der Sender mit. (rr)





